Marktberichte

Runter, hoch und raus Dax-Anleger fürchten EZB-Überraschungen

"Buy the rumour, sell the fact" heißt eine Börsenweisheit. An deutschen Aktienmarkt kehrt sich das Ganze vor der EZB-Ratssitzung um. Die Börsianer nehmen Gewinne mit - und warten auf Draghi.

Mit einer Spanne von rund 60 Punkten beschließt der Dax den Handelstag in der Wochenmitte. Das klingt langweilig, allerdings ähnelte der Handelsverlauf einer Achterbahnfahrt - wenn auch in etwas abgeschwächter Form. Das Minus zu Handelsbeginn blieb klein, sodass am Vormittag sogar ein Tageshoch von 9928 Punkten stand. Danach ging es wieder abwärts - und erneut unter die 990er Marke. Dann kämpfte sich der Leitindex wieder zurück - auch weil das Störfeuer von Seiten der US-Konjunkturdaten sich in Grenzen hielt.

Am Ende schloss der Dax 0,1 Prozent im Plus bei 9927 Punkten. Der MDax büßte wenige Punktet auf 16.865 Zähler ein. Positiv heraus stach der TecDax, der mit seinem Schlussstand von 1302 einen Aufschlag von 1,1 Prozent vorzuweisen hatte. Die US-Anleger hielten sich ebenso bedeckt, Dow und Co. gaben zunächst leicht nach.

Konjunktur, Ukraine, EZB, Charttechnik

"Der Dax präsentiere sich als "Schnarchnase", sagte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. "Es bewegt sich kaum etwas." Er blickte bereits voraus: "Morgen wird der wichtigste Tag der Woche." Nach Ansicht der Helaba schwinden dem Dax aber zunehmend die Kräfte. "Offensichtlich werden auf Basis der fehlenden Dynamik bestehende Positionen kritisch hinterfragt", hieß es.

Zudem deuteten fundamentale Aspekte darauf hin, dass bereits sehr viel Positives auf dem aktuellen Niveau eingepreist sei. So stelle sich die Frage, ob die Rahmenbedingungen einen strategischen Neueinstieg rechtfertigen. Darüber hinaus scheine das Thema Ukraine-Krise neue Nahrung zu bekommen.

"Das gestrige Minus (...) beim Dax bestätigte den Abprall vom 10.000-Punkte-Widerstand am Montag", merkten die Analysten der UBS an. Unterhalb von 9900 Dax-Punkten bestehe daher Short-Potenzial. Der unverändert intakte Aufwärtstrend habe in den vergangenen Tagen an Dynamik verloren, sagte Christoph Geyer von der Commerzbank. Die Stochastik habe ein Verkaufssignal ausgelöst und der MACD drehe nach unten ab, "sodass hier ebenfalls ein Verkaufssignal bevorsteht".

Frische Konjunkturdaten aus der Eurozone belegen, dass es zwar in Deutschland läuft, die anderen großen Eurozonen-Volkswirtschaften nach wie vor mit Problemen kämpfen. Das erhöht den Druck auf die EZB, neben Zinssenkungen mit zusätzlichen Maßnahmen gegen die Konjunkturflaute und deflationäre Tendenzen zu steuern. Am Vortag hatte eine schwache Inflation in der Eurozone die Debatte erneut befeuert. Der Euro konnte sich nach einem kurzen Abtauchen unter 1,36 Dollar wieder über der Marke stabilisieren.

US-Daten überwiegend enttäuschend

Am Nachmittag belasteten zudem schwache US-Arbeitsmarktdaten. "Das Plus ist klar enttäuschend" so ein Händler. Während an der Börse mit einem Stellenzuwachs in der Privatwirtschaft von 200.000 gerechnet wurde, veröffentlichte der Arbeitsmarktdienstleister ADP nur ein Plus von 179.000. Ralf Umlauf von der Helaba stufte die Zahlen dennoch als "robust" ein. Sie bestätigten, dass die Erholung am US-Arbeitsmarkt weiter voranschreite. "Die Dynamik ist zufriedenstellend und dürfte die Fed in ihrem Kurs des allmählichen Ausstiegs aus der QE-Politik bestärken", so Umlauf.

Der ISM-Index fiel dagegen etwas besser aus. Nachbörslich wollte die US-Notenbank Federal Reserve noch ihr sogenanntes Beige Book vorstellen.

VW-Kapitalerhöhung ohne Folgen für Papiere

Bei den Einzelwerten verloren vor allem die Autowerte, die am Dienstag noch die wenigen Gewinner im Leitindex gestellt hatten. Volkswagen stand besonders im Anlegerfokus wegen einer Kapitalerhöhung. Die neuen Aktien für die Finanzierung der Übernahme von Scania werden zu 191 Euro je Aktie platziert. "Die ganze Aktion war im Vorfeld gut kommuniziert, die Bücher sind bereits geschlossen und VW hat einen guten Preis erzielt", sagte ein Händler zu der milliardenschweren Platzierung. Die Titel von Europas größtem Autohbauer verloren rund 1,7 Prozent.

Auch die anderen Autowerte gaben nach: BMW rutschten 0,7 Prozent ab. Daimler verbilligten sich um 0,5 Prozent. Daran änderten auch die positiven US-Absatzzahlen nichts.

Siemens schlossen dagegen 0,2 Prozent fester. Bis Mitte Juni will der Konzern ein Angebot für die Energietechniksparte von Alstom vorlegen. Offenbar bekommt der Konzern dabei Unterstützung durch den deutschen Staat und die KfW, wie es am Markt hieß.

Tibco-Gewinnwarnung stutzt SAP

Eine Gewinnwarnung des US-Softwarekonzerns Tibco drückte auf den Aktien von SAP und Software AG. "Die Gewinnprognose von Tibco wurde um 40 Prozent gesenkt, das hat den Aktienkurs stark belastet", hieß es im Handel. Das Tibco-Papier brach um mehr als 10 Prozent ein. Die Nachricht ist auch deswegen interessant, weil SAP erst unlängst Interesse an dem Softwarehaus nachgesagt wurde. Tibco sei nach der Gewinnwarnung nun deutlich günstiger zu haben. SAP-Titel gaben 0,8 Prozent nach, für die Papiere der Software AG ging es 1,7 Prozent nach unten.

Deutsche Bank vor Kapitalerhöhung

Nach einer Hochstufung auf "Neutral" von "Sell" durch Goldman Sachs legten die Aktien der Deutschen Bank 0,6 Prozent zu. "Die anstehende Kapitalerhöhung lastet nach wie vor auf dem Kurs", sagte ein Händler. Voraussichtlich am Donnerstag beginne der Handel mit den Bezugsrechten für die neuen Aktien, am Markt kursierten davor Spekulationen um einen niedrigen Bezugspreis. An der Eurex werde die Option auf Deutsche-Bank-Aktien "seit Tagen schon auf der Put-Seite rege gehandelt". Commerzbank zogen sogar 0,9 Prozent an.

RAG-Stiftung drückt Evonik

Verwundert zeigten sich Händler angesichts der Kursverluste der Evonik-Aktien nach der Ankündigung einer Wandelanleihe auf Evonik durch deren Großaktionär, die RAG Stiftung. "Normalerweise lautet die Devise: Convertible zeichnen und die Aktie geben. Aber nicht bei diesen Konditionen", sagte ein Marktteilnehmer. Bei einem Kupon des Wandlers von null bis maximal 0,5 Prozent und einer hohen Wandelprämie von 30 bis 37,5 Prozent stelle sich der Anleger bei einem Kauf der Aktie vermutlich besser. Möglicherweise sorge der geringe Streubesitz von nur 14,2 Prozent für die Kursabgaben, vermutete ein anderer Broker. Evonik sackten 2,6 Prozent ab.

Deutsche Bahn fährt mit Bechtle

Bei den kleineren Werten profitierten Bechtle kaum von einem Großauftrag. Die Titel kletterten 0,1 Prozent, nachdem der IT-Dienstleister einen Rahmenvertrag von der Deutschen Bahn für die Lieferung mobiler Endgeräte erhalten hat. Für zunächst drei Jahre beliefert Bechtle den Logistikkonzern etwa mit Handys, Smartphones und Tablets für seine Mitarbeiter. Der Auftrag umfasst auch Zubehör und die Erbringung von Dienstleistungen und hat ein Volumen im zweistelligen Millionenbereich.

Strafzölle helfen Solarworld

Die Aussicht auf US-Strafzölle für chinesische Solar-Importe beflügelten Solarworld. Am Ende schlossen die Aktien des deutschen Solarkonzerns, dessen US-Tochter Beschwerde wegen angeblicher Dumpingpreise der Konkurrenz eingereicht hatte, mehr als 6 Prozent im Plus. Das US-Handelsministerium will wegen der Subventionierung chinesischer Solarfirmen durch die heimische Regierung für importierte Produkte Aufschläge von bis zu 35 Prozent erheben.

Quelle: n-tv.de, bad/jwu/DJ/rts

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