Wirtschaft
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Montag, 28. Oktober 2013

Abschied von den 9000 Punkten: Dax dreht in den Abend

Der späte Aufstiegsversuch ist knapp gescheitert: Nach einem schwachen Start in die neue Börsenwoche verabschiedet sich der deutsche Aktienmarkt deutlich unter der symbolisch aufgeladenen Kursmarke aus dem Handel. Ist die Herbstrally beendet?

Die 9000 Punkte kann der deutsche Leitindex nicht halten: Nach einem zunächst freundlichen Start trübt sich die Stimmung im deutschen Börsengeschehen im Tagesverlauf immer weiter ein. Der Dax konnte im frühen Verlauf zwar noch einmal ein neues Rekordhoch bei 9017,95 Zähler markieren, drehte dann aber ins Minus und beendete den ersten Handelstag der Woche 0,08 Prozent tiefer bei 8978,65 Punkten. Auch der MDax konnte seinen am Vormittag aufgestellten Rekord nicht halten und verlor 0,26 Prozent auf 15.819,43 Punkte. Einzig der TecDax zog dank deutlicher Kursgewinne in Einzelaktien um 0,26 Prozent auf 1122,31 Punkte an.

Aus verschiedenen Richtungen gingen beunruhigende Signale ein: Der Eurostoxx50 fiel am Nachmittag immer weiter zurück und schloss schließlich am Abend 0,41 Prozent im Minus bei 3022 Punkten. Die erhofften Anschlusskäufe von Späteinsteigern und mutigeren Investoren blieben aus. Erst kurz vor Handelsschluss in Frankfurt setzte der Dax zu einer Art Erholungsbewegung an. Vor dem Wochenende hatte der Leitindex im Verlauf erstmals überhaupt die Marke von 9000 Punkten überschritten. Der Schlusskurs vom vergangenen Freitag liegt bei 8985,74 Zählern. Das Tagestief aus dem Montagshandel markierte der Dax bei 8950,21 Punkten.

"Der norwegische Staatsfonds Norges bereitet sich auf eine Korrektur vor", erklärte zum Beispiel ein einzelner Händler. Dies verstärke die Erwartung am Markt, dass eine solche Korrektur tatsächlich eintreten könnte. Allerdings wolle der Staatsfonds den Aktienanteil nicht abbauen, wie der Händler betonte, sondern lediglich die Zukäufe vorerst einstellen.

Auf der anderen Seite verweisen Marktteilnehmer auch darauf, dass viele Anleger in der Hausse immer noch nicht dabei seien oder nach wie vor untergewichtet blieben: "Deutsche Anleger kaufen mehr Bananen als Aktien", sagte zum Beispiel Robert Halver, Leiter für Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, um die allgemeine Zurückhaltung bildhaft darzustellen.

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Selbst freundliche Impulse von der Konjunkturagenda konnten den Dax nicht zurück in die Gewinnzone hieven: Die starken US-Daten sollten die Stimmung an den Märkten eigentlich stützen, hieß es. Sowohl die Industrieproduktion als auch die Kapazitätsauslastung sind etwas besser ausgefallen als erwartet. "Das sollte den Dollar stabilisieren", meinte ein Händler. Ein deutlicherer Rückgang des Dax sei damit unwahrscheinlich geworden.

Insgesamt bleiben viele Marktbeobachter weiterhin positiv gestimmt: "Der Markt beweist Steherqualitäten und will nicht konsolidieren", behauptete Halver. Es bestehe zudem weiterhin die Hoffnung, dass die Geldpolitik der US-Notenbank sehr locker bleibe.

Politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten werden die Währungshüter aller Voraussicht nach auch bei ihrer am Dienstag beginnenden zweitägigen Oktober-Sitzung von einem Kurswechsel abhalten. Kaum ein Beobachter rechnet damit, dass die Federal Reserve ihre zur Konjunkturbelebung aufgelegten Wertpapierkäufe an diesem Mittwoch (30. Oktober) verringern wird. Auf Unternehmensseite waren hierzulande Nachrichten eher dünn gesät, da in Deutschland die Berichtssaison erst im Laufe der Woche wieder an Fahrt aufnimmt.

Stärkster Titel im Leitindex waren zu Wochenbeginn Henkel: Die Aktien des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns beendeten den Tag 2,2 Prozent im Plus bei 78,73 Euro. Nach Ansicht von Experten profitiert die Henkel-Aktie von einem positiven Kommentar und einer Kurszielanhebung durch Barclays. Stark nachgefragt waren im Tagesverlauf auch die Aktien der Deutschen Telekom, die sich schließlich mit einem Aufschlag von 2,0 Prozent als zweitstärkster Dax-Wert in den Abend verabschiedeten.

Händler führten die Aufschläge auf einen Bericht von Dow Jones zurück, wonach das Unternehmen nun erwägt, sich von der Mehrheit der Internet-Tochter Scout24 zu trennen. Bislang hieß es, dass die Telekom nur 30 Prozent zum Verkauf stellen will. Mit der Sache vertraute Personen wiesen allerdings bereits zu Beginn des Verkaufsprozesses darauf hin, dass die Telekom bei entsprechend hohen Geboten auch eine Mehrheit an Scout verkaufen könnte.

Auf der Verliererseite standen dagegen ThyssenKrupp mit einem Abschlag von 3,6 Prozent. Die sich hinziehenden Verkaufsverhandlungen der Stahlwerke in Übersee belasteten die Titel. Beobachter sprachen davon, dass Anleger bei den überaus zähen Verhandlungen "den Mut verlieren". Börsianern zufolge belastet das drohende Scheitern der Verhandlungen über den vollständigen Verkauf der Stahlwerke in Übersee. Verschiedene Medien berichteten über Alternativpläne zu einer kompletten Veräußerung des Brasilien-Geschäftes.

Im TecDax stachen Evotec hervor: Die Titel des Biotechnologie-Unternehmens zogen nach Erreichen eines Meilensteins in einer Forschungsallianz mit dem Partner UCB um 3,93 Prozent an.

Die anderen wichtigen Börsen in Europa gingen uneinheitlich aus dem Handel: Der Leitindex in Paris gab nach, während jener in London sich kaum von der Stelle bewegte. In den USA lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsende moderat im Plus.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,44 (Freitag: 1,45) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,02 Prozent auf 133,58 Punkte. Der Bund-Future verharrte bei 141,12 Punkten. Der Kurs des Euro legte leicht zu. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3784 (1,3777) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7255 (0,7259) Euro.

Quelle: n-tv.de