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Iran-Erleichterung und Zins-Aussichten Dax hält die 9300 Punkte

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(Foto: REUTERS)

Die sich abzeichnende politische Entspannung um den Iran befeuert den Aktienhandel. Im Sog eines möglicherweise steigenden Ölangebots legen vor allem Luftfahrt-Titel zu. Der Dax klettert weiter.

Der deutsche Aktienmarkt verschiebt zu Beginn der neuen Woche weiter seine Höchststände. Im Handelsverlauf kletterte der Leitindex bis auf 9323 Zähler. Letztlich schloss der Dax bei 9300 Punkten und war damit 0,9 Prozent fester. Das war zugleich der höchste Schlusskurs. Der MDax rückte um 0,5 Prozent vor auf 16.230 Punkte. Der TecDax gewann 0,9 Prozent auf 1145 Punkte. Der Eurostoxx50 verbesserte sich um 0,5 Prozent auf 3071 Stellen - blieb aber hinter dem Anstieg des Dax' zurück.

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"Dies könnte ein Zeichen sein, dass sich institutionelle Investoren mehr und mehr zurückziehen, was als klares Warnsignal zu werten wäre", sagte Jens Klatt von DailyFX. Je weiter die Kurse nun stiegen, umso wackeliger werde das Fundament. Nachhaltige Kursgewinne sollten von höheren Umsätzen und damit einer breiteren Nachfrage untermauert werden.

Befeuert wurde der Handel von freundlichen Vorgaben und geopolitischen Impulsen. Mehrere Marktbeobachter nannten die Iran-Einigung als wichtigsten Unterstützungsfaktor für die Aktienmärkte. Am Wochenende war es den UN-Vetomächten und Deutschland gelungen, mit Vertretern aus Teheran eine erste Vereinbarung über das umstrittene Atomprogramm zu treffen. Nach Aussage eines Marktanalysten wirkte auch die Aussage von EZB-Ratsmitglied Ardo Hanson positiv, dass der Wille für eine weitere Zinssenkung besteht.

Fresenius-Titel gegen steil

Das vorläufige Abkommen mit dem Iran lässt Anleger nun darauf spekulieren, dass damit auch iranisches Öl langfristig auf den Weltmarkt drängen und den Preis drücken wird. Ein niedrigerer Ölpreis dürfte die Wirtschaft ankurbeln, erklärte ein Börsianer. Vom sinkenden Ölpreis profitierten vor allem Luftfahrtwerte: Deren EuroStoxx-Branchen-Index stieg um 1,5 Prozent. Dabei zählten die British-Airways-Mutter IAG, Lufthansa und Air France mit Kursgewinnen von etwa zwei Prozent zu den größten Gewinnern.

Im Dax kletterten allen voran Fresenius Medical Care (FMC), die um 7,0 Prozent auf 51,19 Euro anziehen. Die US-Gesundheitsversicherung Medicare hält ihre Zuzahlung für Dialyse-Behandlungen im Jahr 2014 weitgehend stabil. Investoren waren davon ausgegangen, dass die Zahlungen gekürzt werden. Die Aktien des FMC-Mutterkonzerns Fresenius notieren 3,8 Prozent fester.

Die Aussicht auf langfristige Erleichterungen beim Ölpreis halfen Lufthansa um 1,8 Prozent auf 16,06 Euro. Die größte deutsche Fluggesellschaft kam zuletzt auf eine Tankrechnung von rund sieben Milliarden Euro pro Jahr.

Die Aktien der Deutschen Bank notieren 1,6 Prozent fester bei 34,70 Euro. Co-Chef Jürgen Fitschen hatte sich am Wochenende mit ungewöhnlich deutlichen Worten gegen etwaige Niedrigzins-Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgesprochen. Im Interview mit n-tv bezieht Fitschen ausführlich Stellung: Eine solche Maßnahme sei für den gesamten Euroraum "nicht zielführend" und träfe zudem "diem Falschen". Zudem erläutert Fitschen, der neben seiner Funktion als Chef der Deutschen Bank auch für den Bundesverband deutscher Banken spricht, seine Wünsche an die künftige Bundesregierung und die Erwartungen an den anstehenden Banken-Stresstest.

SGL Carbon gesucht

Die größten Abschläge mussten am anderen Ende RWE hinnehmen, die 1,2 Prozent auf 28,43 Euro sanken.

In der zweiten Reihe beendeten Leoni den Tag mit dem größten Aufschlag. Die Papiere legten 4,0 Prozent auf 54,42 Euro zu. Wacker Chemie kletterten ebenfalls um 3,0 Prozent.

Leichter gingen derweil Klöckner + Co und Aareal Bank aus dem Handel, die  1,6 und 1,5 Prozent nachgaben.

Hinter der ersten Reihe gibt es unterdessen Vorschusslorbeeren für SGL Carbon: Der Wiederaufstieg in den MDax treibt die Titel des Grafitspezialisten um 3,9 Prozent in die Höhe. SGL wird am Mittwoch den Platz von GSW Immobilien, die von der Deutsche Wohnen übernommen wurden, einnehmen. GSW verloren 0,2 Prozent fester.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/rts

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