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US-Konjunkturdaten reichen nicht Dax-Wiederbelebung schlägt fehl

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Hoch und runter: Der Dax sendet Lebenszeichen vor allem am Nachmittag, nachdem einige US-Konjunkturdaten besser als erwartet ausgefallen sind. Am Ende bleibt aber ein Minus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein paar frische Hinweise auf die Entwicklung der US-Wirtschaft locken die deutschen Anleger zurück aufs Parkett. Die Stimmung dreht, der Dax zieht ins Plus. Leider ist der Handel erst eine Stunde später beendet.

Die neue Handelswoche am deutschen Aktienmarkt kann nur noch besser werden. Sofort zum Start in den Montag lagen die Indizes im Minus, bauten die Verluste danach noch aus, ehe am Nachmittag positive US-Konjunkturdaten einen kurzen Hoffnungsschimmer lieferten. Der Börsenleitindex Dax drehte sogar kurzzeitig ins Plus, konnte dieses dann aber nicht ins Ziel retten.

Der Dax ging mit einem Abschlag von 0,3 Prozent und 9884 Punkten aus dem Handel. Er rutschte damit unter die 9900er Marke. Der MDax büßte 0,4 Prozent auf 16.838 Stellen ein, nachdem der Nebenwerteindex in der Vorwoche noch ein Allzeithoch von 17.203 Punkten erreicht hatte. Der TecDax verabschiedete sich mit 1297 Zählern 0,5 Prozent schwächer - unter damit unterhalb der Marke von 1300. Während der Euro sich sich wiedererstarkt zeigte, zogen vor allem Gold- und Ölpreise deutlich an.

US-Daten helfen nur kurz

Zur zwischenzeitlichen Erholung führten Konjunkturdaten aus den USA. Die Industrieproduktion war im Mai um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen; erwartet worden war nur ein Plus von 0,5 Prozent. Die Kapazitätsauslastung kletterte wiederum auf 79,1 Prozent, und damit ebenfalls stärker als die prognostizierten 78,9 Prozent. Die Analysten der Helaba sprachen von erfreulichen Daten.

Bei den Konjunkturdaten blicken Händler zudem auf die Inflationsdaten aus der Eurozone. Im Mai sanken sie zum Vormonat um 0,1 Prozent. Genau dieses Abgleiten unter die Nulllinie hatten Analysten erwartet.

Geopolitische Lage bremst

Mehrere Belastungsfaktoren drückten die Kurse letzen Endes dann aber doch in den negativen Bereich: Neben den steigenden Ölpreisen wirkte sich auch die Ukraine-Krise mitsamt dem Gasstreit negativ auf die Kauflaune der deutschen Anleger aus. Auch die anstehende Sitzung der US-Notenbank in dieser Woche sorgte für Zurückhaltung.

Voll auf Korrektur?

Technische Analysten blieben für den Dax zudem skeptisch: Nach seinem neuerlichen Allzeithoch in der 10.033er-Zone habe der Leitindex ein Umkehrsignal auf Wochenbasis bestätigt, sagte Martin Siegert von der Landesbank Baden-Württemberg. Die laufende Rückzugsbewegung könnte daher bis zur Unterstützung bei 9829-Punkten laufen. Solange diese Zone verteidigt und nicht auch noch die offene Kurslücke (Gap) um 9768 geschlossen werde, bestehe danach die Chance auf eine direkte Fortsetzung der Aufwärtsbewegung am deutschen Aktienmarkt.

Kurse unter der 9768er-Marke würden indes das Chartbild eintrüben und den Beginn einer dynamischen Abwärtsbewegung erwarten lassen.

Siemens bereitet finale Offerte vor

"Energie ist das große Thema", sagte n-tv-Börsenexpertin Sibylle Scharr. "Lieferengpässe und Preissteigerungen könnten die Gewinne der Konzerne schmälern, davor haben die Anleger Angst."

Um Energier ging es auch bei Siemens. So legten die Münchener das lang erwartete endgültige Angebot für Alstom  vor. Siemens und der japanische Konzern Mitsubishi Heavy Industries wollen gemeinsam für einen Großteil des Energiegeschäfts von Alstom bieten. Die Siemens-Titel kletterten um 0,2 Prozent.

HeidelCement weckt Fantasie

Stärker ging es für HeidelbergCement mit 0,7 Prozent nach oben. Marktteilnehmer verwiesen auf einen Bericht der "Financial Times", wonach der Baustoffkonzern den schon länger geplanten Verkauf des Ziegelgeschäfts vorbereite. "Ein solcher Schritt würde die Schulden klar senken, davon profitiert die Aktie", sagte ein Börsianer. Das Unternehmen wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Lufthansa setzt auf billig

Auf die Verliererseite drehten bereits am Vormittag die Lufthansa-Papiere. Es ging um 0,6 Prozent abwärts. Die Airline will einem Magazinbericht zufolge neben ihrer Tochter Germanwings einen weiteren Billiganbieter an den Start bringen und so der Konkurrenz wie Ryanair oder Easyjet Paroli bieten. Die Flotte der Tochter Eurowings solle um Maschinen vom Typ Airbus A320 erweitert werden und von Deutschland aus Ziele in ganz Europa anfliegen, berichtete der "Spiegel".

Damit setzten die Aktien ihren Abwärtstrend fort, den sie nach einer überraschenden Gewinnwarnung Mitte der Vorwoche eingeleitet hatten. Am Mittwoch waren die Titel mit einem Abschlag von rund 15 Prozent mit Abstand größter Dax-Verlierer, der Leitindex hatte dadurch auch die 10.000er Marke wieder hergeschenkt.

RWE und das Dea-Problem

Auf der Verliererseite drängelten sich aber auch die Auto- und Energiewerte um die vorderen Positionen. RWE schlossen mit einem Abschlag von 0,8 Prozent. Der Verkauf von Dea an ein russisches Konsortium, der offenbar wieder ins Wanken gerät, drückte auf den Kurs. "Das ist in der Presse verzerrt dargestellt worden, als ob ein Scheitern bevorstünde und damit auch der fest eingeplante Schuldenabbau bei RWE", sagte ein Händler. Es handele sich vielmehr um eine standarmäßige Untersuchung des Wirtschaftsministeriums. "Vor allem Auslandsinvestoren könnten das missverstehen und wegen des schlechten Sentiments die Aktie verkaufen", so der Händler weiter: "Das wäre damit eine prima Gelegenheit, um RWE billiger zu kaufen."

Autowerte uneinheitlich

"Nur die üblichen Preismuster in einem Öl-belasteten Markt" machten Händler als Grund fpr die Abschläge bei den Autotiteln aus. "Der Markt zeigt die üblichen Muster, wenn ein Ölpreis-Anstieg für Belastung sorgt", sagte ein Marktteilnehmer. Vor allem Autos und Fluggesellschaften stünden dann unter Druck. Volkswagen gaben 0,6 Prozent ab, Daimler tendierten unverändert, BMW zogen 0,2 Prozent an.

Deutsche Bank leidet

Anteilsscheine der Deutschen Bank büßten 1,5 Prozent ein. Laut JP Morgan könnte das Finanzhaus die Gewinnziele in der Sparte Investment Banking verfehlen. Die Analysten sehen die Gefahr, dass die Frankfurter bis Ende 2015 von Strafzahlungen von 7 Milliarden Euro belastet werden könnten. Die Kernkapitalquote gemäß den Basel-3-Regularien beliefe sich dann noch immer auf 11 Prozent. Das Kreditinstitut bleibe zu abhängig vom Investment Banking, monierten die Experten. Dieser Bereich stehe für rund 50 Prozent der risikogewichteten Vermögenswerte und Ergebnisse im Jahr 2016. Dieses Geschäftsfeld könnte den veranschlagten Vorsteuergewinnbeitrag von 5 Milliarden Euro ohne eine Verbesserung des Geschäfts mit festverzinslichen Wertpapieren oder des Devisenumfelds kaum erreichen.

Bayer-Anleger bleiben gelassen

Bayer notierten 0,7 Prozent im Minus. Einem Medienbericht zufolge drohen in den USA Klagen wegen des Blutverdünners Xarelto. "Das ist einfach negativ für das Sentiment, weil jeder Zusammenhang mit US-Klagen immer die Sorge vor absurden Forderungen weckt, egal wie berechtigt oder auch nicht sie sind", sagte ein Händler. Mit Blick auf Xarelto sei der Markt aber "sehr empfindlich", da es sich um einen Blockbuster von Bayer handele.

Adidas legen vor

Ins Plus drehten am Nachmittag auch die Titel von Adidas. Der Ausrüster der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und WM-Sponsor gab vor dem ersten Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien gegen Portugal das richtige Zeichen. Die Papiere gingen leicht fester aus dem Handel

SAP und die Charttechnik

Mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent präsentierten sich SAP. Im Handel wurde auf eine verbesserte charttechnische Lage der Aktie hingewiesen. Nach dem Anstieg des Papiers über den mittelfristigen Abwärtstrend bei 56,20 bis 56,40 Euro sowie den Widerstand bei 56,50 Euro machte Chartanalyst Marcel Mußler weiteres Aufwärtspotenzial aus. Mußler sieht zunächst Potenzial bis 59,35 Euro und in der Folge 60,20 Euro.

BSkyB vor Sky-Kauf?

Die Aussicht auf die rasche Bildung eines pan-europäischen Pay-TV-Konzerns trieb Sky Deutschland an. Die Aktien stiegen 4,1 Prozent. Einem Bericht der "Sunday Times" zufolge hat der britische Bezahlfernseh-Sender BSkyB die Banken Morgan Stanley und Barclays engagiert, um die Übernahme der Schwesterfirmen Sky Deutschland und Sky Italia zu organisieren. Alle drei Firmen werden von Unternehmen des Medienmoguls Rupert Murdoch kontrolliert. BSkyB wolle im Rahmen dieses Deals Murdochs 21st Century Fox 3,5 Milliarden Euro für deren 55-prozentigen Sky Deutschland-Anteil zahlen, berichtet die Zeitung weiter. Die Beteiligung sind derzeit an der Börse etwa 3,3 Milliarden Euro wert. BSkyB-Titel notieren in London 0,6 Prozent tiefer.

Airbus gründet Gemeinschaftsunternehmen

Airbus legt sein Trägerraketengeschäft mit dem des französischen Triebwerkbauers Safran zusammen. Noch vor Jahresende soll dafür ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, an dem die Partner je 50 Prozent halten. Die Pläne seien unter anderem eine Reaktion auf die stärker werdende Konkurrenz aus Ländern wie den USA, teilen die Unternehmen mit. Schwerpunkt der industriellen Partnerschaft sollen die neuen Trägerraketenprogramme Ariane 5 ME und Ariane 6 werden. Um sie gibt es bislang allerdings noch politischen Streit zwischen Deutschland und Frankreich. Dabei geht es unter anderem um Kostenfragen. Airbus büßten 1,8 Prozent ein.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/DJ/dpa