Marktberichte

"Chaos" am Geldmarkt Euro pokert sich nach oben

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Der Währungsrat der EZB und Zentralbank-Chef Draghi sind gefordert, die Verbraucherpreise bereiten Sorgen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Euro hat in den vergangenen acht Handelstagen zum US-Dollar um rund 2 US-Cent abgewertet. Und er klettert weiter, angetrieben von stärker werdenden Deflationssorgen: Der Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone bleibt niedrig - die EZB ist am Zug.

Ein kurzer Absacker nach unten, dann aber sofort wieder nach oben: Das ist die Reaktion des Euro am Montag auf die Verbraucherpreisdaten der Eurozone. Die steigen nur noch minimal, was wiederum Deflationsängste schürt.

Der Euro, der mit einem Tagestief von 1,3724 Dollar aufwartete, zog am Mittag dann an und kletterte bis auf Notierungen von 1,3809 Dollar. Danach pendelte sich die Gemeinschaftswährung am frühen Abend auf Kurse zwischen 1,3790 und 1,38 Dollar ein. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3788 Dollar festgesetzt nach 1,3759 Dollar am Freitag. Der Euro hat in den vergangenen acht Handelstagen zum US-Dollar um rund 2 US-Cent abgewertet.

Nach dem Chicago-Fed-Index gab der Dollar nochmals nach. "Der Rückgang des Vertrauens (der Einkaufsmanager) ist etwas merkwürdig, wenn man die Stärke der vergangenen Monate in Betracht zieht", sagte Annalisa Piazza von Nedwedge. Andererseits liege der Index nach wie vor im expansiven Terrain und untermauere also das Szenario einer moderaten Erholung der Konjunktur.

Inflation, Deflation ...

Die Inflationsrate in den 18 Staaten des Währungsraums fiel laut Eurostat im März auf 0,5 Prozent. Experten hatten mit einem Wert von 0,6 Prozent gerechnet. Die Inflation ist damit so niedrig wie zuletzt im November 2009, als die Weltwirtschaft in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg steckte.

Dennoch dürfte die niedrige Inflation bei der Europäischen Zentralbank (EZB) die Alarmsirenen schrillen lassen. Sie strebt eine Jahresteuerung von knapp zwei Prozent an und ist von diesem Ziel nun relativ weit entfernt. EZB-Chef Mario Draghi sieht den Euro-Raum vor einer längeren Phase niedriger Inflation, befürchtet jedoch keinen Preisverfall auf breiter Front. Die EZB hatte im November den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt und damit auf den niedrigen Preisauftrieb reagiert.

In der vergangenen Woche hatten Spekulationen über massive Wertpapierkäufe den Euro belastet und den Dax angeschoben. Das sei möglicherweise etwas übertrieben gewesen, sagten Händler. EZB-Chef Mario Draghi wird die Beschlüsse des Rates am Donnerstag erläutern.

Viel los am Euro-Geldmarkt

Turbulent geht es am Euro-Geldmarkt zu, wo sich Banken tagtäglich kurzfristig mit Liquidität versorgen. Der Zins für Tagesgeld, das kürzeste und wichtigste Finanzierungsgeschäft unter Banken, ist von Kursen um 0,20 am Freitag auf 1,00 Prozent und mehr nach oben geschossen. Zum Quartalsultimo laufen viele Interbankenkredite aus, was einzelne Geldhäuser vor Liquiditätsprobleme stellt. Ein Frankfurter Händler beschrieb das Geschäft denn auch als "chaotisch".

Türkische Lira im Aufwind

Von politischer Seite rückt die Türkische Lira in den Blick. Nach dem sich abzeichnenden Wahlsieg der islamisch-konservativen Partei AKP bei den Kommunalwahlen in der Türkei ist sie auf ein Zweimonatshoch gestiegen. Ein Dollar kostete zeitweise nur noch 2,1650 Lira nach 2,1892 Lira im Schlussgeschäft vom Freitag.

Die Partei von Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan kommt nach der Auszählung von rund der Hälfte der Stimmen auf 44 bis 46 Prozent. 2009 hatte sie 38,8 Prozent erhalten. Erdogan war zuletzt massiv kritisiert worden, weil gegen ihn und Mitglieder seiner Regierung Korruptionsvorwürfe laut geworden waren.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ