Marktberichte

Asien-Börsen im Aufwind Nikkei schert aus

Die US-Konjunkturerholung bietet noch immer Rückschläge.

Nachdenkliche Gesichter in Tokio: Die US-Konjunkturerholung bleibt von Rückschlägen nicht verschont.

(Foto: REUTERS)

Die Erholung der US-Konjunktur bleibt offenbar holprig. Unter Asiens Anlegern rückt dadurch indirekt das Inflationsthema in den Vordergrund. Investoren suchen nach Rohstoff-Titeln und kaufen Gold. Auch der Yen profitiert - allerdings zulasten der japanischen Export-Unternehmen.

Die asiatischen Aktienmärkte haben den ersten Handelstag der Woche überwiegend mit Kursgewinnen beendet. Die Hoffnung, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) könnte nach enttäuschenden Daten zum Immobilienmarkt möglicherweise doch später mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik beginnen, stützte die Kurse vielerorts. Händler sprachen jedoch von einem ruhigen Handel: Viele Investoren hätten es vorgezogen, auf neue Daten vor allem aus Asien zu warten.

Sachte abwärts ging es allerdings in Tokio: Die japanische Börse schloss mit leichten Kursverlusten. Der Nikkei-Index verlor knapp 0,2 Prozent auf 13.636 Zähler, der breiter gefasste Topix gab gut 0,1 Prozent nach. Händler zeigten sich auch über eine geplante Steuererhöhung in Japan besorgt: Eine Sonderkommission von Ministerpräsident Shinzo Abe trifft sich erstmals, um über die für 2014 geplante Mehrwertsteuererhöhung zu sprechen. Investoren sehen die Steuererhöhung als Test für Abes Bekenntnis, Strukturreformen voranzutreiben. Zusammen mit der ultralockeren Geldpolitik der Bank von Japan und staatlichen Konjunkturstützen will Abe so die seit Jahrzehnten andauernde, lähmende Deflation überwinden.

"Vermutlich werden die Spekulationen über eine Drosselung durch die Fed für den Rest des Monats die Stimmung bestimmen", sagte Nobuhiko Kuramochi von Nizuho Securities. Im Fokus stünden Konjunkturdaten aus den USA. Der neu erstarkte Yen wirkte sich erneut unmittelbar auf die Aktienkurse im Exportsektor aus. Die japanische Währung war vor dem Wochenende angesichts frischer Immobiliendaten aus den USA gestiegen und hatte diese Gewinne zu Wochenbeginn gehalten. Zuletzt kostete der Dollar 98,50 Yen. Das drückte vor allem auf die Exportwerte: Die Aktien von Suzuki Motor verloren 1,9 Prozent.

Im Blick der Medien blieb weiter das Leck im Atomkraftwerk in Fukushima. Die Aktie des Betreibers Tepco fiel um 6,9 Prozent.
Abgaben der Telekom-Schwergewichte KDDI and Softbank drückten ebenfalls auf den Gesamtmarkt. Die Aktien fielen um 2,0 beziehungsweise 0,5 Prozent, belastet von der Spekulation, dass der Wettbewerber NTT DoCoMo steigende Chancen auf die Verkaufsrechte des neuen Apple iPhone hat. Händler zeigten sich aber skeptisch, da ähnliche Gerüchte immer wieder in letzter Zeit aufgetaucht seien. Dennoch profitierten DoCoMo-Titel und stiegen um 2,0 Prozent.

Freundlicher sah es an den chinesischen Börsen aus. Der HSI in Hongkong stieg um 0,7 Prozent, der Shanghai-Composite sogar um 1,9 Prozent. Die Stimmung habe noch von der Ankündigung der Regierung vom vergangenen Donnerstag profitiert, in der Geschäftsmetropole eine Freihandelszone einrichten zu wollen, hieß es. Die Aktien von Shanghai International Port stiegen darauf kräftig und erreichten ihr Zehn-Prozent-Limit.

Im Blick in China standen auch Berichte einiger Unternehmen. Eine der größten Banken des Landes, die China Construction Bank, hat im ersten Halbjahr einen Anstieg beim Nettogewinn von 13 Prozent ausgewiesen. Das trieb die Aktie um 0,9 Prozent nach oben. Dagegen gaben die Aktien von Sinopec Shanghai Petrochemical 0,5 Prozent ab, obwohl der Ölraffinerie-Konzern steigende Margen im Raffineriegeschäft sowie einen geringeren Verlust im Chemiebereich vorzuweisen hat.

Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte außerhalb Japans gewann dagegen 0,5 Prozent. In China legte die Börse um mehr als 1,5 Prozent zu. Die Statistiker sehen dort Anzeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft und gehen davon aus, dass das staatliche Wachstumsziel von 7,5 Prozent erreicht wird. In Indien ging es knapp 0,4 Prozent nach oben. Zuletzt hatten besonders Schwellenländer wie Indien oder Indonesien die Kapitalflucht der Anleger zu spüren bekommen.

In Indonesien hatte der Leitindex in der vergangenen Woche mit 8,7 Prozent so viel wie seit 2011 nicht mehr verloren, am Montag ging es nur noch leicht bergab. Die Investoren ziehen ihr Geld wegen der Aussicht auf eine etwas weniger lockere Geldpolitik in den USA ab. "Wir denken immer noch, dass die Märkte überzogene Sorgen wegen geringerer Staatsanleihenkäufe der Fed haben", sagte Martin Lakos von Macquarie Private Wealth. "Schließlich werden die Notenbanker nur dann aktiv, wenn die US-Wirtschaft in einer guten Verfassung ist."

Ansonsten waren in Asien zu Wochenbeginn vor allem die Papiere von Goldminen-Betreibern gefragt. Hintergrund sind schwache Daten vom US-Häusermarkt. Im Juli waren knapp ein Fünftel weniger Häuser verkauft worden als von Analysten erwartet. An den Finanzmärkten Märkten weltweit wird dies als mögliches Signal für zunächst weiter ungebremste Wertpapierkäufe durch die US-Notenbank (Fed) gesehen.

Diese Erwartung einer anhaltenden und potenziell inflationstreibenden Liquidiätsflut stützt den Goldpreis und damit auch die Goldminenwerte. In Sydney geht es mit Newcrest Mining um 6,9 Prozent aufwärts und in Hongkong steigen Zhaojin Mining Industry um 5,3 Prozent. Der Goldpreis ist in der Spitze bis auf 1.407 Dollar je Feinunze gestiegen, das ist der höchste Stand seit dem 6. Juni. Im Vorfeld der US-Daten lag er noch bei gut 1.370 Dollar. Aktuell kostet die Feinunze 1396 Dollar. Auch die Ölpreise profitieren von der Spekulation über die weitere US-Geldpolitik.

Quelle: n-tv.de, mmo/jwu/DJ/rts

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