Marktberichte

Bin-Laden-Rally verpufft Quartalszahlen stützen Dax

Der deutsche Aktienmarkt setzt seinen Kletterkurs auch in der neuen Woche mit kleinen Schritten fort. Der Tod des Terroristenführers Bin Laden stützt bei Börsianern die Risikofreude, größere Kursausschläge verbuchen jedoch Aktien mit frischen Unternehmenszahlen.

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Am Ende des Handelstages blieb nur ein kleines Plus stehen.

(Foto: REUTERS)

Der deutsche Aktienmarkt hat am Tag der Tötung von Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden Kursgewinne verbucht. Anfängliche Kursgewinne bei zyklischen Aktien, die den Leitindex Dax zeitweise sogar kurz über die Marke von 7600 Punkten trieben, konnte der Markt jedoch nicht halten. Commerzbank und K+S sorgten jedoch mit ihren überraschend veröffentlichten Quartalszahlen für steigende Kurse.

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Der Dax beendete den elektronischen Handel mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 7527,64 Punkte. Für den MDax ging es um 0,6 Prozent auf 10.799,53 Punkte nach oben. Kursverluste bei Solaraktien drückten dagegen den TecDax um 0,3 Prozent auf 932,63 Punkte nach unten.

US-Elite-Kräfte töteten Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan - knapp zehn Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001. Zeitweise war der Ölpreis durch die fundamentale Lage deutlich unter Druck geraten, was den Aktien zusätzlich auf die Beine half. Im Handelsverlauf drehten die Rohstoffmärkte jedoch, der Ölpreis nahm wieder seine Fährte steigender Kurse auf. Kapitalmarktexperte Fidel Helmer von der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser wollte ohnehin die Bedeutung des Tods von Osama bin Laden nicht überinterpretieren, da die Gefahr von Terroranschlägen weiter bestehe.

Zahlensegen

Gleich zwei Unternehmen sorgten mit der vorgezogenen Veröffentlichung von Quartalszahlen für Aufsehen. Tagesgewinner war nach einem überraschend starken Gewinnanstieg die Commerzbank mit einem Kursplus von 3,2 Prozent. Das staatlich gestützte Finanzhaus schaffte einen größeren Gewinn als gedacht. Operativ verdiente die Commerzbank von Januar bis März 1,1 Mrd. Euro nach 771 Mio. im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten der Bank im Schnitt nur 833 Mio. Euro zugetraut. "Die Quartalszahlen können sich wirklich sehen lassen", kommentierte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. "Das wird den arg geschundenen Aktien des Finanzinstituts nach der letzten Kapitalerhöhung und vor der neuen Finanzierungsrunde Halt geben können." Nach der ersten Euphorie kommen jedoch auch mahnende Stimmen auf, die darauf verweisen, dass der starke Überschuss vor allem auf Einmaleffekte zurückzuführen ist.

Zweiter Überraschungswert waren K+S, die 2,7 Prozent zulegten. Der Düngemittelspezialist hatte nach einem starken Quartalsumsatz seine Jahresprognose angehoben. Eine Vorhersage mit konkreten Zahlen blieb K+S zwar weiter schuldig, Anleger erfreuten sich jedoch bereits an leicht veränderten Worten im Ausblick: Statt des "deutlichen" Anstieg des Betriebsgewinns und eines "spürbaren" Umsatzanstiegs erwartet Anleger nach Konzernangaben ein "kräftiger" Zuwachs des betriebsgewinns und ein "deutlicher" Anstieg des Umsatzes. In den ersten drei Monaten hatte K+S seinen Umsatz um 16 Prozent auf 1,78 Md. Euro erhöht. Nach Steuern stand ein Gewinn von 272 Mio. Euro statt 176 Mio. Euro wie im Vorjahr in den Büchern.

Unter den übrigen Gewinnern waren auch konjunktursensible Automobilwerte gefragt. Für Volkswagen ging es um 1,3 Prozent aufwärts, BMW legten 1,2 Prozent zu, Daimler 0,6 Prozent. Börsianer sprachen von einer optimistischen Stimmung für Autowerte nach zuletzt exzellenten Ergebnissen, die eine Erhöhung der Analystenprognosen erwarten ließen.

Unter Druck standen hingegen etwa die Aktien von Fresenius Medical Care mit einem Abschlag von 1,1 Prozent. Analysten der Deutschen Bank hatten die Papiere des Dialysespezialisten auf "Halten" gesenkt. Die optisch stärksten Kursverluste verzeichneten Aktionäre von Bayer, die ein Minus von 2,1 Prozent oder 1,22 Euro auf dem Kurszettel vorfanden. Angesichts einer Dividendenausschüttung von 1,50 Euro je Aktie, die für das Minus verantwortlich war, verzeichnete Bayer damit unter dem Strich ein kleines Plus.

Große Ausschläge in der zweiten Reihe

Im Nebenwerte-Index MDax schossen die Aktien von Demag Cranes nach der Übernahmeofferte des US-Konkurrenten Terex um 24 Prozent auf 45 Euro in die Höhe. Angesichts einer Offerte in Höhe von 41,75 Euro je Demag-Aktie wetten Anleger offensichtlich auf eine Erhöhung des Angebots.

Bei den Technologiewerten belasteten Gewinnmitnahmen bei Solarwerten die Stimmung. Am unteren TecDax-Ende gaben Q-Cells 3 Prozent nach, Solarworld verloren 2,6 Prozent und Centrotherm gaben 2,1 Prozent ab. Die Branchenaktien hatten am Freitag kräftig zugelegt, nachdem der Ölkonzern Total eine Kaufofferte für den US-Modulhersteller SunPower veröffentlicht hat und damit die Übernahmephantasie in der Branche angefacht hatte.

Quelle: n-tv.de, nne/DJ/rts

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