Marktberichte

"Schreck-Quartal" für Wall Street Rezessionangst ist da

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Das Quartalsende fest vor Augen.

(Foto: REUTERS)

Die Vorgaben schwach, die Konjunkturdaten auch: Und so marschiert die Wall Street wie die anderen führenden Weltbörsen deutlich ins Minus. Die Furcht vor einem neuerlichen Abrutschen in die Rezession wächst. Besonders hart trifft es Eastman Kodak - und die Finanzwerte.

Sorgen über die Entwicklung der Weltkonjunktur haben der Wall Street am Freitag Kursverluste eingebrockt. Einen Dämpfer versetzten dem Markt insbesondere enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China. Dort schrumpften die Geschäfte der Industrie im September den dritten Monat in Folge, wie der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC zeigte.

"Es gibt Sorgen über eine weltweite Konjunkturabschwächung, und wir haben keine Daten, die zeigen, dass wir nicht nochmal in die Rezession abrutschen", sagte Marktstratege Jeffrey Friedman von MF Global. Finanzwerte kamen erneut unter die Räder.

Dow Jones
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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Minus von 2,2 Prozent bei 10.913 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1131 Punkten, ein Minus von 2,5 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,6 Prozent und ging mit 2415 Punkten aus dem Handel.  In Frankfurt schloss der Dax 2,4 Prozent tiefer mit 5502 Punkten.

Ein "schreckliches Quartal"

"Es ist die Fortsetzung eines schrecklichen Quartals und eines schrecklichen Monats", kommentierte Marktökonom Peter Cardillo von Rockwell Global Capital das Handelsgeschehen. Der S&P-500 hat unter dem Damoklesschwert der europäischen Schuldenkrise und wegen der Furcht vor einer neuen Rezession im zurückliegenden Vierteljahr 12 Prozent verloren. Es ist das schlechteste Quartal seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008.

Neben den Konjunkturdaten aus der Volksrepublik belastete ein starker Anstieg der Verbraucherpreise in der Euro-Zone die Aussichten der Börsianer. Die Inflation kletterte überraschend auf ein Dreijahreshoch. Das dämpfte Spekulationen über eine rasche Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank.

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"Es ist die Fortsetzung eines schrecklichen Quartals und eines schrecklichen Monats."

(Foto: REUTERS)

Der über den Erwartungen liegende Chicago-Einkaufsmanagerindex und die endgültigen Angaben zum Michigan-Index zur Verbraucherstimmung im September brachten den Börsen etwas Entlastung. Allerdings wiesen Beobachter daraufhin, dass die Erholung eher zögerlich verläuft. "Der Markt ist wegen der Wachstumssorgen um China verunsichert", sagte ein Händler.

Verbraucher richten sich ein

"An den Daten zum Chicago-PMI ist nichts auszusetzen", meinte ein Volkswirt. Allerdings sei der Index in den vergangenen Monaten recht stark geschwankt und liefere natürlich nur ein begrenztes Bild der US-Wirtschaft, während andere regionale Indizes zur Schwäche neigen.

Der Michigan-Index blieb auf weiterhin sehr niedrigem Niveau: Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung hat sich demnach im September gefestigt. Der entsprechende Index der Universität Michigan legte nach endgültigen Berechnungen vom Freitag von 55,7 Punkten im Vormonat auf 59,4 Zähler zu.

Damit liegt der Wert auch über der ersten Schätzung von 57,8 Zählern. "Die Daten lassen darauf schließen, dass die Verbraucher eher eine Stagnation auf dem derzeit niedrigen wirtschaftlichen Niveau erwarten als einen weiteren Niedergang", sagte Umfrageleiter Richard Curtin.

Der von Anlegern stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in den USA aus.

Blick in den amerikanischen Geldbeutel

Die Konsumausgaben in den USA sind im August nur leicht gestiegen. Die Daten dürften Hoffnungen dämpfen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft konjunkturell bald wieder auf die Beine kommt. Die Amerikaner gaben im August wie von Experten erwartet 0,2 Prozent mehr aus als im Vormonat, nachdem der Konsum im Juli um revidiert 0,7 Prozent gestiegen war, wie das Handelsministerium mitteilte. Die erstmals seit Oktober 2009 gesunkenen Einkommen erwiesen sich allerdings als Konsumbremse: Der überraschende Rückgang fiel mit 0,1 Prozent aber denkbar knapp aus.

Der private Verbrauch hatte sich im zweiten Quartal etwas besser als erwartet entwickelt und mit zu dem aufs Jahr hochgerechneten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent beigetragen. Zu Jahresbeginn war die Wirtschaft nur um annualisiert 0,4 Prozent gewachsen. US-Notenbankchef Ben Bernanke rechnet jedoch nicht mit einem kräftigen Aufschwung und sieht die Wirtschaft weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Insbesondere die hohe Arbeitslosigkeit macht der weltgrößten Volkswirtschaft zu schaffen. Bernanke hatte in diesem Zusammenhang zuletzt von einer "nationalen Katastrophe" gesprochen.

Die vorbörslich veröffentlichten Daten zu den Persönlichen Einkommen und Ausgaben in den USA im August lagen insgesamt im Bereich der Erwartungen, riefen aber dennoch allgemeine Konjunkturzweifel hervor. Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba bezeichnete die reale Stagnation der Konsumausgaben als "kein gutes Zeichen" für die Wachstumsrate im dritten Quartal. Nur noch ein kleiner Zuwachs scheine möglich, nachdem bereits im zweiten Quartal annualisiert nur 0,7 Prozent Wachstum des realen Konsums verzeichnet worden sei.

Mit einer schwächeren Eröffnung an Wall Street hatten Marktteilnehmer bereits im Vorfeld gerechnet. "Die Stimmung leidet unter schwachen Vorlagen aus Europa und Asien", hatte ein Marktteilnehmer die Lage am frühen Morgen (Ortszeit) erklärt. Ein überraschender Anstieg der Inflation in der Eurozone habe die Hoffnung auf Zinssenkungen merklich gedämpft.

Finanzwerte enttäuschen

Unter den Einzelwerten gehörten die in den vergangenen Wochen gebeutelten Finanzwerte erneut zu den größten Verlierern. Die Aktien von Morgan Stanley verloren 10,5 Prozent. Die Papiere der Citigroup gaben 4,8 Prozent nach. Die Titel des Versicherungsriesen AIG fielen um 4,1 Prozent.

Die Aktien von Ingersoll Rand stürzten mehr als 12 Prozent ab. Das Industriekonglomerat senkte seine Ergebnisprognosen und enttäuschte damit die Anleger.

Eastman wieder auf Talfahrt

Die Aktien von Eastman Kodak sackten nach einem Medienbericht über einen möglichen Antrag auf Gläubigerschutz ab. Die Anteilsscheine des US-Film- und Kameraherstellers brachen nach einer Handelsunterbrechung um mehr als 50 Prozent ein.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass das Unternehmen eine Restrukturierung in Form eines Gläubigerschutzes erwäge. Ein Kodak-Sprecher wies die Spekulationen in einem Bericht des "Wall Street Journal" jedoch zurück.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/rts

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