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Autoindustrie am Stock Aussicht "brutal schlecht"

Die Krise in der Autoindustrie hat nach Einschätzung von EU-Industriekommissar Günter Verheugen dramatische Ausmaße angenommen. Die Aussichten für die Branche seien "brutal schlecht", sagte er der BBC. Der Autoabsatz sei im letzten Quartal 2008 um mehr als 20 Prozent eingebrochen. In diesem Jahr sei ein weiterer Rückgang in dieser Größenordnung zu erwarten, der Tausende, wenn nicht Millionen Arbeitnehmer betreffe. "Es gibt keine Garantie, dass alle wichtigen europäischen Produzenten diese Krise überleben können", warnte er.

Verheugen wollte in Brüssel mit den zuständigen Ministern der EU-Mitgliedstaaten darüber beraten, wie die Autoindustrie staatlich unterstützt werden kann. Der spanische Industrieminister Miguel Sebastian und der britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson forderten kurz vor Beginn des Treffens in Brüssel ein koordiniertes Vorgehen der EU-Länder. Dies hat auch für Verheugen oberste Priorität. So sei es zwar hilfreich, die Nachfrage nach Autos mit Abwrackprämien zu stützen. Doch werde es den Wettbewerb verzerren, wenn einzelne Mitgliedstaaten Zuschüsse in unterschiedlicher Höhe gewährten.

Probleme mit Krediten

Der Autoabsatz ging im vergangenen Jahr insgesamt um 7,8 Prozent zum Vorjahr zurück - so stark wie seit 15 Jahren nicht mehr. Besonders problematisch ist Verheugen zufolge, dass die Autobauer wegen der Finanzkrise Schwierigkeiten hätten, an Kredite heranzukommen. Das Kreditprogramm der Europäischen Investitionsbank, die zinsgünstige Finanzierungen zur Entwicklung umweltfreundlicher Autos anbietet, reiche nicht aus.

Frankreich will bis Ende Januar ein Hilfspaket für die Autoindustrie mit staatlichen Bürgschaften für Kredite schnüren. Deutschland hat eine Abwrackprämie von 2500 Euro beim Kauf eines umweltfreundlichen Neuwagens beschlossen und wird 100 Mrd. Euro an Kreditbürgschaften für Unternehmen bereithalten.

Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sagte in Brüssel, die Minister wollten beraten, wie sie die Flexibilität im staatlichen Beihilferecht nutzen und die Lage der Branche verbessern könnten. Die EU-Kommission hatte im Dezember die Regeln für Beihilfen an Unternehmen gelockert, damit die EU-Staaten mit nationalen Rettungsplänen der Wirtschaft in der Krise beistehen können.

GM sieht schwarz

Die Talfahrt auf dem US-Automarkt wird nach Einschätzung von General Motors in diesem Jahr ungebremst anhalten: Der Absatz auf dem weltgrößten Automarkt werde im laufenden Jahr wohl auf den tiefsten Stand seit 1982 einbrechen, teilte die angeschlagene Opel-Mutter mit. Der größte US-Autobauer nahm seine branchenweite Absatzprognose auf 10,5 Mio. Fahrzeuge zurück und damit auf das untere Ende seiner vorherigen Schätzungen.

Noch vor einem Monat war der Konzern von einem Absatz von zwölf Mio. Fahrzeugen ausgegangen. Diese Zahl hatte GM Ende 2008 auch der Regierung als Basis für das Sanierungskonzept des Konzerns unter staatlicher Aufsicht genannt. Auf Grundlage der korrigierten Zahlen soll dem von der Regierung eingesetzten Auto-Beauftragten am 17. Februar ein detaillierter Restrukturierungsplan vorgelegt werden. Die weltweite Branchenzweite hinter dem japanischen Rivalen Toyota war mit staatlichen Hilfen in Milliardenhöhe erst kürzlich vor dem Zusammenbruch bewahrt worden.

Die US-Autobauer leiden seit längerem unter einer Absatzkrise, weil sie nach einhelliger Expertenmeinung den Trend zum sparsameren Kleinwagen verpasst haben. Verschärft hat sich ihre Situation nochmals mit dem Branchenabschwung im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Allein in Nordamerika wurden im vergangenen Jahr 2,7 Millionen Fahrzeuge weniger verkauft als noch 2007.

Quelle: ntv.de