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Produktiv wie in Rumänien Bochum kämpft um Nokia

Mit einer Einmal-Investition von 14,3 Mio. Euro könnte die Kapazität des von der Schließung bedrohten Bochumer Nokia-Werkes nach einem Bericht der "Rheinische Post" ohne zusätzliche Mitarbeiter verdoppelt werden. Wie das Blatt berichtet, geht dies aus einem internen Konzeptpapier hervor, an dem die Bochumer Nokia-Belegschaft schon seit einem Jahr gemeinsam mit dem örtlichen Management gearbeitet habe. Mit der Verdopplung der Kapazität hätte das Bochumer Werk die Produktivität des neuen Nokia-Werkes in Rumänien erreicht, zu dessen Gunsten Bochum geschlossen werden soll. "Unser Ziel ist, dass unsere Vorschläge geprüft werden", sagte die Bochumer IG-Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm.

Außerdem wird nach Informationen der Zeitung darüber diskutiert, ob in Bochum eine Testlinie aufrechterhalten werden kann, an der bis zu 100 Nokia-Beschäftigte die Montage neuer Telefon-Modelle prüfen sollen. Diese Testlinie soll Gesprächsgegenstand des Arbeitskreises sein, in dem Mitglieder der Landesregierung und das Management des Handyherstellers nach Lösungen für die Mitarbeiter des Bochumer Werkes suchen wollen, berichtet die "Rheinische Post".

"Kampf noch lange nicht verloren"

Auch auf der politischen Ebene wird weiter um die Zukunft des Bochumer Handy-Werks gerungen. Auf einem Parteitag der SPD in Bochum-Wattenscheid am Montagabend sagte der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck: "Der Kampf um Nokia in Bochum ist noch lange nicht verloren." Beck forderte den finnischen Konzern dazu auf, das geplante Aus für das Bochumer Werk zu überdenken.

Im Hinblick auf gezahlte Subventionen sagte Beck, Nokias Verhalten sei, wenn nicht unbedingt im juristischen Sinne, so doch politisch "nackter Betrug". Zudem müsse die europäische Subventionspolitik überprüft werden. Bei der Globalisierung dürften Menschen nicht "Versuchskaninchen" sein.

Unterdessen zeigte sich der Betriebsrat am Montag zufrieden mit den Ergebnissen eines ersten Gespräches zwischen Nokia-Chef Olli- Pekka Kallasvuo und NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU). Ein grundsätzliches "Nein" sei erst einmal vom Tisch, sagte die Bochumer IG Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm nach dem Treffen. "Unsere Rechnung ist aufgegangen. Politik und Unternehmen haben Gespräche aufgenommen", sagte die Gewerkschafterin. Der Betriebsrat gehe jetzt davon aus, ebenfalls mit der Geschäftsführung zu sprechen.

Finanzinvestor als Arbeitgeber

Für rund 200 Nokia-Mitarbeiter in Bochum zeichnet sich derweil eine Lösung ab. Derzeit werde mit einem Konsortium über den Kauf der in Deutschland und den USA angesiedelten Automobilzulieferer-Sparte verhandelt, teilte der Handy-Hersteller am Montag in Helsinki mit. Insgesamt beschäftige der Bereich 240 Menschen, fast alle davon in Deutschland. Interesse habe der frühere Nokia-Manager Razvan Olosu, der den Bereich zusammen mit dem Finanzinvestor Equity Partners übernehmen wolle, hieß es.

Derzeit würden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über den Wechsel von Beschäftigten der Sparte zum Käuferkonsortium geführt. Die Transaktion soll in der ersten Hälfte dieses Jahres abgeschlossen werden. Die Partner wollten ihr Geschäft in Deutschland und den Vereinigten Staaten stärken, sagte Razvan Olosu. Die Automobilzulieferer-Sparte von Nokia liefert Kommunikations- und Multimedia-Lösungen rund ums Auto.

Quelle: n-tv.de

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