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Auf Zehn-Jahres-Hoch Britische Inflation gestiegen

Die Inflation in Großbritannien ist im Dezember überraschend auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren geklettert. Die für die Verbraucher entscheidenden Preise lagen im Schnitt 3,0 Prozent höher als vor einem Jahr, wie das nationale Statistikamt am Dienstag in London mitteilte.

Damit entkam die britische Notenbank nur knapp einer öffentlichen Rechtfertigung: Denn wenn die Inflation um mehr als einen Prozentpunkt vom Ziel der Bank of England von 2,0 Prozent abweicht, muss sie dies der Regierung erklären. Seit ihrer Unabhängigkeit 1997 ist die Bank of England noch nicht in diese Verlegenheit gekommen. Die Teuerung liegt seit Mai über der Zielmarke, vor allem wegen der hohen Energiepreise.

Eine Inflation von drei Prozent haben die Statistiker seit Beginn vergleichbarer Berechnungen vor zehn Jahren noch nie errechnet. Die Beschleunigung der Preissteigerung erklärt im Nachhinein, warum die Bank of England vergangene Woche überraschend ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 5,25 Prozent erhöhte - sie wurde bereits im Vorfeld darüber informiert. Besondere Sorge dürfte der Notenbank bereiten, dass die Preise im Einzelhandel erstmals seit 15 Jahren 4,4 Prozent höher waren als ein Jahr zuvor, denn dieses Preisbarometer liegt den meisten Lohnabschlüssen zugrunde.

"Nachfrage muss gebremst werden"

Premierminister Tony Blair zeigte sich jedoch relativ gelassen angesichts des Preisanstiegs: "Die Inflation ist wegen der steigenden Energiepreise nicht nur in diesem Land, sondern in den meisten Ländern gestiegen." Die Regierung gehe davon aus, dass die Inflation in diesem Jahr wieder auf zwei Prozent sinkt. Andrew Stance, seit Oktober Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der Bank von England, erklärte zur Zinserhöhung der vergangenen Woche: "Wenn die Inflation wieder zur Zielrate zurückkehren und dort bleiben soll, muss die Nachfrage entsprechend gebremst werden."

Allein innerhalb eines Monats kletterten die gesamten Verbraucherpreise um 0,6 Prozent. Volkswirte hatten lediglich mit einer Beschleunigung der Jahresteuerung auf 2,8 Prozent gerechnet und einem Anstieg zum Vormonat um 0,4 Prozent. Die meisten Experten rechnen deshalb mit einer weiteren Zinserhöhung. "Sie müssen die geldpolitischen Zügel sobald wie möglich weiter anziehen", sagte der europäische Chefvolkswirt von Bear Stearns, David Brown.

Quelle: ntv.de