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Bad Bank mit der Hypo Real? Coba-Manager sondieren

Die mit hohen Abschreibungen kämpfende Commerzbank prüft Finanzkreisen zufolge die Auslagerung von mehreren Milliarden Euro an riskanten Papieren ihrer Tochter Eurohypo in eine Bad Bank. Dabei sei auch ein mit der Bundesregierung abgestimmtes gemeinsames Vorgehen mit der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) denkbar, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen am Mittwoch zu Reuters.

"Es wird im kleinsten Kreis sondiert, ob man sich an einer Bad-Bank-Lösung für die Hypo Real Estate beteiligt", sagte ein Insider. Die krisengeplagte HRE-Tochter Depfa habe in etwa die gleiche Portfoliostruktur wie die Eurohypo, wodurch sich hohe Synergien heben lassen könnten. "Darüber wird im Moment nachgedacht, da steckt eine große Logik dahinter", sagte ein anderer Insider. Die Commerzbank und das Finanzministerium in Berlin lehnten eine Stellungnahme ab.

Um eine solche Transaktion durchzuziehen, müsse aber erst eine Lösung für die angeschlagene Münchener HRE gefunden werden, hieß es. Derzeit wird über eine Verstaatlichung der HRE diskutiert, die sich aber noch einige Wochen hinziehen kann. Die HRE musste wegen Schwierigkeiten ihrer Tochter Depfa bereits mit fast 100 Mrd. Euro vom Staat und anderen Banken gestützt werden, um einen Kollaps zu verhindern. Auch bei der Commerzbank hat der Bund inzwischen viel mitzureden: Die zweitgrößte deutsche Bank bekam vom Staat bereits mehr als 18 Milliarden Euro frisches Kapital sowie 15 Mrd. Euro Garantien. Dadurch wird sich der Staat mit 25 Prozent plus einer Aktie an dem Geldhaus beteiligen.

Die Auslagerung von Wertpapieren des Staats- und Immobilienfinanzierers Eurohypo, die derzeit besonders unter Druck stehen und zu Abschreibungen in der Commerzbank-Bilanz führen, habe hohe Priorität für Bankchef Martin Blessing, hieß es. Er habe bereits Berater von McKinsey engagiert, die das Geschäft neu organisieren sollen. "Wenn Blessing die Papiere nicht loswird, dann bekommt er die Bank nicht mehr richtig auf die Beine", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Überlegungen zu einer gemeinsamen Bad Bank mit der Hypo Real Estate seien noch im Anfangsstadium, sagte ein anderer Insider. "Die Commerzbank sieht vor allem das Problem, dass ein weiterer Imageschaden dann unweigerlich die Folge wäre." Zudem sei bei mehreren Beteiligten die Frage der Eigentumsverhältnisse einer solchen mit Staatsgarantien ausgestatteten Bad Bank sehr kompliziert.

Baustelle Eurohypo

Analysten sehen in der Eurohypo eines der größten Risiken für die Commerzbank - neben der Integration der kürzlich gekauften Dresdner Bank, die stark am Kapitalmarkt engagiert ist. Die Eurohypo hat nach eigenen Angaben ein Kreditportfolio von über 200 Milliarden Euro, etwa die Hälfte davon sind Staatsfinanzierungen. Vor allem Staatsanleihen bereiteten der Bank zurzeit Kopfschmerzen, hieß es in den Kreisen. Die Bonitätsnoten einzelner Länder wie Spanien oder Russland wurden von Ratingagenturen herabgestuft, Irland könnte bald folgen. Das hat zur Folge, dass derzeit die Kurse für Anleihen solcher Länder in den Keller rauschen, was wiederum zu Abschreibungen in den Bankbilanzen führt.

Seit Wochen arbeitet die Bundesregierung mit Hochdruck an einer Stabilisierung der ins Wanken geratenen Bankenbranche. Eine zentrale Bad Bank für alle Institute ist vom Tisch, dafür sind nach jetzigem Stand individuelle Auffanggesellschaften für einzelne Banken im Gespräch. Nach Ansicht der Analysten von JP Morgan kommen vor allem auf die Commerzbank, die Hypo Real Estate, die Aareal Bank und die Postbank jeweils mehrere Milliarden an Abschreibungen zu, wenn es nicht bald eine Entscheidung im Fall der Bad Banks gibt.

Die Postbank hat bereits angekündigt, sobald wie möglich ihr strukturiertes Kreditportfolio auslagern zu wollen. Die Deutsche Bank sieht dagegen keinen Bedarf dafür: Vorstandschef Josef Ackermann hatte kürzlich erklärt, er habe keine Papiere mehr, die er in eine Bad Bank auslagern könne.

Quelle: ntv.de