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Auch Air Berlin zweifelt Condor-Kauf fraglich

Der Verkauf des Ferienfliegers Condor an Air Berlin steht auf der Kippe. Condor-Eigentümer Thomas Cook und Air Berlin prüften, ob die Transaktion nach wie vor "sinnvoll" sei, teilten die Chefs beider Unternehmen unabhängig voneinander mit. Hintergrund sind offenbar die wachsenden Probleme von Air Berlin im operativen Geschäft angesichts steigender Kerosinkosten und die langwierige Prüfung der im September 2007 angekündigten Transaktion durch das Kartellamt, die bereits dreimal verlängert worden ist.

Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa sagte bei Vorlage der Halbjahreszahlen, es würden "ernsthaft verschiedene alternative Möglichkeiten" zu einem Verkauf von Condor an Air Berlin sondiert. Er äußerte sich damit deutlich zurückhaltender als vor einigen Wochen. Auch Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, der noch im Mai betont hatte, an den Plänen festzuhalten, trat auf der Hauptversammlung in London auf die Bremse. "Der aktuelle Sachstand ist der: Aufgrund der erheblichen Verzögerungen bei der Zulassungsprüfung und des sich verändernden konjunkturellen Umfelds prüfen wir derzeit zusammen mit Thomas Cook, ob die Condor-Transaktion nach wie vor sinnvoll ist", sagte er auf der Hauptversammlung von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft in London.

Das Bundeskartellamt will bis zum 9. Oktober über die Fusion entscheiden. Air Berlin hätte mit der unlängst erworbenen LTU und Condor auf touristischen Langstrecken aus Deutschland heraus ein Monopol. Vor allem Reiseveranstalter ohne eigene Fluggesellschaft hatten daher massive Bedenken vorgebracht.

Die Zukunft von Condor soll nach Angaben von Cook in den nächsten Monaten entschieden werden. Die Reise-Tochter von Arcandor hält 75 Prozent an der Ferienfluggesellschaft. Knapp 25 Prozent gehören noch der Deutschen Lufthansa.

Analysten verlieren Glauben an Übernahme

Nach Einschätzung von Branchenexperten sind die Chancen für die Übernahme gesunken. Die Analysten waren ohnehin bereits skeptisch. "Unter den aktuellen Umständen Condor zu übernehmen, wäre eine riskante Strategie, die nicht unbedingt schlüssig mit den Schritten der letzten Zeit wäre, nämlich der Ausdünnung des Langstreckennetzes", sagte Per Ola Hellgren von der LBBW. Die Chancen, dass es doch noch dazu komme, bezeichnete er als "sehr gering": "Wenn die Ölpreise in den kommenden drei Wochen drastisch sinken sollten, dann gibt es vielleicht noch eine Chance, aber momentan sehe ich das nicht", sagte er.

An den grundlegenden Problemen von Air Berlin änderte ein Rückzieher bei Condor freilich nichts, sagte Hellgren. Die hohen Treibstoffkosten machen Air Berlin schwer zu schaffen. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche eine deutliche Ausdünnung des Streckennetzes beschlossen. Zum Winterflugplan werden die Kapazitäten im Langstreckenverkehr um 30 Prozent gekappt, die mit der LTU-Übernahme massiv ausgeweitet worden waren. Zudem sollen 14 Kurz- und Mittelstreckenmaschinen am Boden bleiben.

Sparmaßnahmen bei Air Berlin

Analysten zweifeln daher an den Wachstumsplänen von Air Berlin. Die Gewinnprognose für dieses Jahr musste schon mehrfach gesenkt worden. Das Management denkt über weitere Sparmaßnahmen nach. "Unser Effizienzprogramm für die Winterflugplanperiode 2008/09 ist ein erster Schritt zur Konsolidierung. Weitere Maßnahmen werden Schritt für Schritt folgen", sagte Hunold vor den Aktionären. An der Strategie halte er aber fest: "Wir wollen die Profitabilität steigern, ohne in Aktionismus zu verfallen."

Lufthansa springt in die Bresche

Unterdessen fliegt die Lufthansa häufiger von Düsseldorf nach New York. Aufgrund hoher Nachfrage weite Lufthansa die Zahl der wöchentlichen Flüge an den New Yorker Flughafen Newark mit dem Winterflugplan um einen auf sieben aus, teilte das Unternehmen mit. Die Lufthansa reagierte auf die Ankündigung von Air Berlin, seine Kapazitäten auf Langstrecken um 30 Prozent zu kappen. Diesen Plänen fällt auch die Strecke von Düsseldorf nach New York zum Opfer.

Die größte deutsche Fluggesellschaft hatte mit ihrer Expansion in Düsseldorf Air Berlin das Leben an deren wichtigstem Standort schwergemacht. Insgesamt bietet die Lufthansa vom 26. Oktober an 19 USA-Flüge pro Woche ab Düsseldorf an. Neben New York steuert die Fluglinie von der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt aus auch Chicago und Miami an.

Quelle: ntv.de