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Europaweite Proteste Gegenwind für Nokia

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat nach eigenen Angaben zunehmend Hinweise darauf, dass der Handy-Hersteller Nokia zu Unrecht Subventionen für die Werksansiedlung in Bochum erhalten hat. Der Konzern selbst sage zwar, dass die vereinbarte Zahl an Arbeitsplätzen eingehalten worden sei, sagte die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben am Dienstag im Deutschlandfunk. Sie fügte hinzu: "Bei uns verdichten sich die Hinweise, dass das so nicht stimmt." Die NRW.Bank ermittle gerade die letzten Sachverhalte. Nokia habe sich am Montag beim Spitzengespräch bis Mittwoch Zeit erbeten, um Unterlagen auszuwerten.

Auf die Frage, ob sie Hoffnung auf den Erhalt des von der Schließung bedrohten Werkes habe, sagte Thoben lediglich: "Ich habe die Hoffnung, dass wir ordentliche Lösungen finden." Als gutes Zeichen wertete sie, dass der Konzern "jetzt offener ist, als er bisher war". Dem Betriebsrat sei zugestanden worden, kurzfristig seine Vorstellungen erörtern zu dürfen. Zudem verwies Thoben auf die vereinbarte Einsetzung einer Arbeitsgruppe. Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo habe zugesagt, an innovativen Lösungen für den Standort Bochum mitarbeiten zu wollen.

Die "Bild"-Zeitung berichtete unter Berufung auf eine Konzern-Sprecherin, Nokia halte auch nach dem Krisentreffen mit der Landesregierung an der Schließung seines Bochumer Werks fest. Einem Bericht der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" zufolge hat der Betriebsrat angeboten, bei Erhalt des Werks doppelt so viele Handys zu bauen wie bisher. Voraussetzung sei, dass der Maschinenpark erneuert werde, zitierte das Blatt die Vorsitzende Gisela Achenbach.

Europ äische Einigung von unten

Der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB) hat europaweite Aktionen gegen Nokia wegen der geplanten Werksschließung in Bochum angekündigt. An diesem Mittwoch würden in Brüssel alle Gewerkschaften zusammenkommen, die Mitglieder in Nokia-Betrieben in Europa haben, um über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten, sagte EMB-Generalsekretär Peter Scherrer am Dienstag im Deutschlandradio. Europaweite Streiks seien zwar schwer zu organisieren, aber es werde über punktuelle Streiks gesprochen. Erreicht werden solle, dass Nokia die Schließung des Bochumer Werkes aussetzt und intensiv über Alternativen nachgedacht wird. "Das hätte bei einer guten und verantwortungsvollen Unternehmensführung schon viel früher kommen müssen", sagte Scherrer.

Was eine Rücknahme der Schließung des Bochumer Nokia-Werkes angehe, sagte der EMB-Generalsekretär: "Ich hab da durchaus Hoffnung." Das Unternehmen Nokia habe in dieser Affäre schon reichlich Gesichtsverlust erlitten. "Da kommt es darauf auch nicht mehr an", sagte Scherrer. Er zeigte sich erstaunt, dass die Unternehmensführung über die "Wucht der Reaktionen" überrascht sei. Sie hätten aus der Schließung des AEG Elektrolux-Werkes in Nürnberg vor zwei Jahren und anderen Fällen ihre Lehren ziehen können.

Nokia will die Produktion aus Kostengründen zur Jahresmitte aus der Ruhrgebietsstadt abziehen. Der größte Teil soll in ein neues Werk nach Rumänien verlagert werden. In Bochum arbeiten rund 2300 fest angestellte Mitarbeiter und 1000 Leiharbeiter.

Quelle: n-tv.de

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