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Schweres Erbe Merckles Sohn übernimmt

Der älteste Sohn Ludwig des verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle wird Alleinerbe. Damit werde Ludwig Merckle verantwortlich für die wesentlichen Beteiligungen des Merckle-Firmenimperiums, darunter HeidelbergCement, Ratiopharm und Phoenix, sagte eine Sprecherin der Merckle-Familie.

Die Erbengemeinschaft zusammen mit der Ehefrau des verstorbenen Milliardärs habe damit die Voraussetzungen geschaffen, dass der Reorganisationsprozess der Merckle-Gruppe fortgesetzt werden kann.

Ludwig Merckle war zuletzt unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzender des Nutzfahrzeugherstellers Kässbohrer in Erscheinung getreten. Die Kässbohrer Geländefahrzeug AG befindet sich mehrheitlich in Besitz der Familie Merckle. Anfang März hat die Familie den Verkauf des weltgrößten Pistenraupenhersteller eingeleitet.

Zahlreiche Baustellen

HeidelbergCement ist Kreisen zufolge bei der Neuverhandlung seiner Milliardenschulden auf der Zielgeraden. Allerdings muss der Baustoffhersteller, den seit der Übernahme des britischen Rivalen Hanson 2007 ein Schuldenberg drückt, drastisch höhere Zinslasten in Kauf nehmen. Die neun Milliarden Euro, von denen allein fünf Milliarden im Mai 2010 fällig würden, sollten binnen weniger Wochen bis weit ins Jahr 2011 hinein verlängert werden, hieß es am Mittwoch aus dem Umfeld des Unternehmens.

Für 600 Mio. Euro, die schon am kommenden Donnerstag zurückgezahlt werden müssten, strebt der größte deutsche Zementhersteller einen Überbrückungskredit bis zum 17. Juli an. Dieser müsse binnen Tagen unter Dach und Fach kommen. "HeidelbergCement ist auf gutem Weg", sagte eine der Personen. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern.

Wenig Luft

Allerdings werden die Bankkredite deutlich teurer. Nachdem das Unternehmen im Vergleich zum Interbankensatz Euribor bisher maximal 65 Basispunkte mehr zahlen musste, könnten künftig 400 Basispunkte fällig werden, für den Überbrückungskredit sogar 425. "Das geht an die Grenzen der Leistungsfähigkeit von HeidelbergCement. Da bleibt nicht viel Luft zum Atmen", sagte ein mit den Gesprächen vertrauter Banker. Die Verhandlungen liefen aber noch. Auch die "Financial Times" berichtete über die anstehende Umschuldung.

Arrangiert werden sollen die neuen Kredite von der Deutschen Bank, der Commerzbank, der Royal Bank of Scotland und der schwedischen Bank Nordea, die neu zu den führenden Banken gestoßen ist. HeidelbergCement selbst wird bei der Refinanzierung von Morgan Stanley beraten.

Zeit für Stufe zwei

Der Überbrückungskredit gibt den Banken mehr Zeit, um über den zweiten, weit größeren Teil der Refinanzierung zu beraten. Sie sollen sich Bankern zufolge bis Ende Mai dazu äußern. Mit der Umschuldung bekäme HeidelbergCement zweieinhalb Jahre Zeit, seine Finanzen zu ordnen, wie ein Banker sagte.

Der Konzern hatte sich mit dem Kauf von Hanson einen Schuldenberg in zweistelliger Milliardenhöhe aufgebürdet. In der Rezession sinken jedoch die Gewinne, mit denen die Kredite bedient werden. Deshalb will sich Vorstandschef Bernd Scheifele von Randbereichen außerhalb der Zement- und Betonproduktion trennen und damit bis zu zwei Milliarden Euro erlösen.

Pers önliches Schicksal

Zudem ist HeidelbergCement auf der Suche nach frischem Eigenkapital. Der selbst in finanzielle Schwierigkeiten geratene Mehrheitsaktionär Adolf Merckle hatte sich im Januar das Leben genommen. Als mögliche Käufer gelten Finanzinvestoren wie Goldman Sachs, TPG und Bain Capital.

Quelle: ntv.de