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Dicke Gewinne in Bochum Nokia dementiert

Der finnische Handyhersteller Nokia hat in seinem von der Schließung bedrohten Bochumer Handy-Werk einem Magazinbericht zufolge 2007 einen Betriebsgewinn vor Zinsen von 134 Mio. Euro erzielt. Vertrauliche Pläne des Managements hätten vorgesehen, das Werk so rentabel wie den Standort in Ungarn zu machen, berichtete "Capital". Nokia begründet die geplante Aufgabe seines Bochumer Werkes mit mangelnder Rentabilität.

Aus Finnland kam unterdessen ein Dementi. Die Berichte über die hohen Gewinne in Bochum sei "irreführend". Unternehmenssprecherin Arja Suominen sagte in Helsinki: "Das gibt nicht die dortige Profitabilität unter Marktgesichtspunkten wieder." Suominen meinte zu den von "Capital" verbreiteten Gewinnzahlen für Nokia in Bochum: "Sollten es wirklich die Zahlen aus dem Geschäftsbericht der deutschen Nokia GmbH sein, geht es dabei nur um die Gewinnberechnung für steuerliche Zwecke." Außerdem seien diese Zahlen aber auch ein "Indiz für die generelle Profitabilität von Nokias globalen Aktivitäten".

Dementi ohne konkrete Zahlen

Bei der konkreten Beurteilung der Ertragslage in Bochum "unter Marktgesichtspunkten" würden die dort sehr hohen Kosten ins Gewicht fallen. Auf die Frage nach eigenen Zahlen, die ein nach Konzernmeinung realistischeres Bild der Gewinnlage in Bochum geben könnten, meinte Suominen: "Ich werde nicht mit Zahlen kommen."

Der von Nordrhein-Westfalen mit 88 Mio. Euro subventionierte Standort Bochum habe zudem eine gewaltige Summe auf der hohen Kante, berichtete "Capital" unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen. Dies sorge für ein Zinsergebnis, das in der Bilanz der deutschen Konzern-Tochter mit ihren Werken in Bochum, Ulm, Düsseldorf, München und Frankfurt mit 70 Mio. Euro niederschlage.

Europ äische Betriebsräte tagen in Brüssel

Nokia hatte angekündigt, bis Jahresmitte die Produktion von Bochum aus Kostengründen zum größten Teil in ein neues Werk in Rumänien verlegen zu wollen. Bei Arbeitnehmervertretern und Politik stößt die Entscheidung auf harsche Kritik. Am Mittwoch berieten Betriebsräte aus den europäischen Nokia-Werken in Brüssel über die Lage. Die Betriebsratsvorsitzende von Nokia Bochum, Gisela Achenbach, sagte Reuters TV, sie rechne mit der Solidarität der Kollegen in den anderen Nokia-Werken.

"Was heute uns passiert, kann morgen jeder anderen Firma passieren", sagte Achenbach. "Nokia ist ja jetzt wohl die erste Firma, die auch aufgrund der Globalität hier den Bach runtergeht, und wir denken, das sollte ein Warnsignal sein, dass dringend neue Gesetze, Europagesetze, gemacht werden, dass so etwas nicht noch einmal passiert."

Quelle: n-tv.de

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