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Ungebremste Talfahrt Tiefschläge für Autobauer

Die weltweite Talfahrt der Autoindustrie geht offenbar ungebremst weiter. In Japan gingen die Verkaufszahlen im Dezember um mehr als ein Fünftel zurück. Auf dem weltgrößten Automobilmarkt, den USA, meldeten die Platzhirsche General Motors und Ford ein Minus von jeweils gut 30 Prozent. Der japanische Weltmarktführer Toyota räumte einen Rückgang um 37 Prozent auf dem US-Markt ein. Die deutschen Hersteller schlugen sich besser, verbuchten aber ebenfalls Einbußen. In Frankreich, wo seit kurzem eine Abwrackprämie für Altautos vom Staat winkt, fiel der Einbruch weniger stark aus.

Der US-Automobilkonzern General Motors (GM) hat im Dezember auf dem Heimatmarkt erneut einen Dämpfer hinnehmen müssen. Das ums Überleben kämpfende Unternehmen verkaufte mit 221.983 Fahrzeugen 31,4 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahresmonat. Für das Gesamtjahr 2008 liegt das Minus bei 22,9 Prozent, teilte GM in Detroit mit. Im abgelaufenen Jahr verkaufte der Autobauer in den USA 2,98 Mio. Fahrzeuge. Den eigenen Marktanteil in den USA schätzt das Unternehmen damit auf etwas über 22 Prozent.

Ford verkaufte 2008 mit 1,9 Mio. Fahrzeugen in den USA ein Fünftel weniger Neuwagen als ein Jahr zuvor. Auch im Dezember verzeichnet der Konzern deutliche Absatzeinbußen. Die Verkäufe gingen um 32,4 Prozent auf 139.067 Fahrzeuge zurück, teilte das Unternehmen am Hauptsitz in Dearborn mit. Dabei fiel der Rückgang bei der schwedischen Tochtermarke Volvo mit minus 47 Prozent noch einmal kräftiger aus als der Verlust bei den US-Marken Ford, Lincoln und Mercury mit einem Minus von insgesamt 31,7 Prozent.

Chrysler halbiert den Absatz

Im Gesamtjahr betrug das Absatzminus für alle Marken 20,7 Prozent auf 1,988 Mio. Fahrzeuge. Den Marktanteil der US-Marken schätzt das Unternehmen für 2008 auf 14,2 Prozent, was einem Rückgang von 0,4 Prozentpunkten entspreche. Doch der Konkurrenz geht es offenbar noch schlechter. Für das neue Jahr rechnen Experten wegen des Konjunkturtiefs mit noch schlechteren Zahlen.

Am härtesten traf es die Nummer drei unter den US-Anbietern, Chrysler, mit einem Minus von 30 Prozent im Gesamtjahr und katastrophale 53 Prozent im Dezember. Alle drei US-Hersteller kämpfen seit Jahren mit enormen Verlusten. GM und Chrysler bekamen gerade am Rande der Pleite milliardenschwere Notkredite der US-Regierung.

Auch der einst erfolgsverwöhnte weltgrößte Autobauer Toyota musste 2008 in den USA einen Absatzrückgang aller Marken um insgesamt fast 16 Prozent hinnehmen. Im Dezember verschärfte sich das Minus drastisch auf fast 37 Prozent.

Kleinwagen rettet die Bilanz

Die deutschen Autobauer, in den USA nur Nischenanbieter, verzeichneten dort 2008 zwar samt und sonders Absatzrückgänge. Diese hielten sich aber in Grenzen. Der dort vor einem Jahr eingeführte Kleinwagen Smart hübschte bei Daimler die Bilanz auf. Dank des über Erwarten erfolgreichen Zweisitzers hinkten die US-Verkaufszahlen nur um 1,5 Prozent hinter dem Vorjahreswert her, obwohl Mercedes-Benz ein Minus von 11,2 Prozent hinnehmen musste. Im Dezember brach der Absatz von Mercedes-Benz in den USA um 32 Prozent ein.

Der Automobilhersteller BMW hat auf seinem wichtigen Absatzmarkt USA im Dezember mit 21.626 Fahrzeugen konzernweit 35,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat verkauft. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in den USA 303.190 Autos abgesetzt, teilten die Münchner mit. Das entspricht einem Rückgang von 9,7 Prozent. Bei der Hauptmarke BMW ging der Absatz im Dezember um 40,2 Prozent auf 18.060 Autos zurück. Einen kleinen Lichtblick brachte der Kleinwagen Mini, dessen Absatz sich stabil zeigte. Es wurden mit 3566 Stück 0,1 Prozent mehr als Dezember 2007 verkauft.

Volkswagen verzeichnete 2008 mit der eigenen Marke ein Minus von 3,2 Prozent. "Wir haben fünf neue Modelle auf den Markt gebracht, mit denen wie uns gegen den wirtschaftlichen Abschwung stemmen konnten", bilanzierte USA-Vertriebschef Mark Barnes. Im Dezember stand ein Minus von 14,4 Prozent zu Buche. "VW of America hat einen Plan für eine erfolgreiche Zukunft hier in den USA", sagte Barnes. Die VW-Oberklassemarke Audi setzte 2008 in den USA 6,1 Prozent weniger Autos ab.

Die Sport- und schweren Geländewagen von Porsche litten besonders unter dem zeitweiligen Benzinpreis-Schock der Amerikaner und der heraufziehenden Konjunkturkrise. Der Absatz brach 2008 um 25,2 Prozent ein. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte mehrfach beteuert, der Luxuswagenbauer werde keinesfalls die Preise senken und lieber weniger Autos verkaufen.

Opel versucht dagegen die Kundschaft offensiv mit Preissenkungen zu locken. Zu Jahresbeginn wurden die Modelle Astra, Corsa, Zafira und Meriva offiziell um gut acht Prozent billiger. VW, BMW und Daimler hatten vor kurzem trotz sinkender Verkaufszahlen die Preise noch erhöht. Zum Listenpreis gehen ohnehin derzeit nicht viele Neuwagen an den Kunden. Händler werben aggressiv mit Rabatten oder nutzen sogenannte Tageszulassungen, um praktisch neue Fahrzeuge als Gebrauchtwagen zu verkaufen.

Franzosen wracken ab

In Frankreich sanken die Verkäufe von Neuwagen im Dezember um 15,8 Prozent. Im Gesamtjahr gingen die Neuzulassungen um 0,7 Prozent zurück. Eine Abwrackprämie, über die auch in Deutschland diskutiert wird, dürfte den französischen Markt vor Schlimmerem bewahrt haben: Wie der Branchenverband CNPA berichtete, hat sich jeder dritte Neuwagenkäufer die Prämie gesichert. Der Staat schießt den Käufern von umweltfreundlichen Neuwagen 1000 Euro zu, wenn sie sich von einem mindestens zehn Jahre alte Fahrzeug trennen.

Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch in Asien Bremsspuren. In Japan brach die Zahl der verkauften Autos, Lastwagen und Busse im Dezember zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent ein. So schlechte Absatzzahlen hatte es dort noch nie gegeben. Auch das ganze Jahr 2008 wird den Herstellern als eines der schlechtesten seit Jahrzehnten in Erinnerung bleiben: Die Zahl der verkauften Wagen sank um 6,5 Prozent auf 3,21 Millionen. Weniger Fahrzeuge hatte die Branche zuletzt vor 34 Jahren abgesetzt.

Schwarzer Ausblick

Viele Experten befürchten nun für 2009 sogar noch schlechtere Zeiten in der Branche. Klares Warnsignal: Die Absatzzahlen fielen im Dezember praktisch bei allen Autobauern erneut weit schlechter aus als im Jahresschnitt. Ein Ford-Top-Manager prophezeite der Branche, das erste Quartal 2009 werde in jedem Fall "schlecht - ganz gleich aus welchem Blickwinkel".

Auch in Asien hinterlässt die Branchenkrise immer tiefere Spuren. In Japan sank die Zahl der verkauften Wagen 2008 um 6,5 Prozent auf 3,21 Mio. Stück - der schlechteste Wert seit über 30 Jahren. Im Dezember war das Minus mit 22 Prozent so groß wie noch nie zuvor in diesem Monat.

"Wir hätten nie vermutet, dass die Zahlen so stark zurückgehen könnten", klagte der Direktor des Autoverbands, Takeshi Fushimi: "Das ist eine trostlose Situation." In Südkorea ging der Autoabsatz ebenfalls zurück. Und auch in China gibt es nach Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten Probleme. Die Regierung plant deshalb laut einem Medienbericht Steuernachlässe und Anreize für die Entwicklung umweltfreundlicherer Fahrzeuge.

Analysten ernüchtert

"Keine Gewinne, keine Dividenden - das wird wahrscheinlich die Lage der Autobranche 2009 sein", schrieben Analysten der Citigroup. 2008 erlebte Spanien mit minus 28 Prozent den größten Einbruch. In Italien sanken die Verkäufe um 13 Prozent. In Deutschland rechnete der Autoverband VDA zuletzt mit einem Rückgang von knapp 0,2 Prozent auf 3,1 Mio. Pkws. Experten fürchten aber, dass die für Dienstag erwarteten Zahlen schlechter ausfallen könnten. 2009 geht der VDA nur noch von 2,9 Mio. Autos aus.

Quelle: ntv.de