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Die Invasion der Plagegeister Aus Mücken werden Monster

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Vor allem in der Nähe der Überflutungsgebiete an Oder und Spree und im Havelland explodiert zurzeit die Stechmückenpopulation.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer die lauen Abende im Garten verbringen will, braucht zurzeit einen guten Mückenschutz. In vielen Regionen Deutschlands, etwa in Brandenburg, kann man sich vor den blutgierigen Insekten kaum noch retten. Wo kommen die alle her? Wie wird man sie wieder los? Was lindert den verdammten Juckreiz, wenn sie zugestochen haben? Zehn Fragen, zehn Antworten.

Warum plagen uns in diesem Jahr besonders viele Mücken?

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Ein Massenbefall von Kriebelmücken kann bei Weidetieren zum Tod führen.

(Foto: Fritz Geller-Grimm / Wikipedia)

Der nasse Sommer ist schuld. Mücken entwickeln sich als Larven in Gewässern. Jeder Tümpel, jede Pfütze – und die hatten sich in den vergangenen Wochen zahlreich gebildet – bietet sich für die Eiablage an. Da es lange Zeit recht kühl war, entwickelten sich die Insekten nur langsam. Sehr viele Larven sind im Wasser geblieben. "Doch jetzt", erklärt Insektenforscher Burkhard Schricker im Gespräch mit n-tv.de, "sind mit den ersten warmen Tagen all die erwachsenen Tiere rausgekommen. Deswegen haben wir jetzt einen solchen Schub an Mücken."

Der Berliner FU-Professor rechnet mit einem weiteren Schub in etwa vier Wochen. Bis dahin nämlich haben die Mücken, die gerade unterwegs sind, genug Blut getrunken, um Eier zu bilden und abzulegen, und die nächste Generation ist geschlüpft.

Gibt es Mücken, deren Stiche stärker jucken als die anderer Arten?

Neben den "normalen" Stechmücken sind bei uns Kriebelmücken heimisch. Sie sehen eher aus wie Fliegen und sind nur zwei bis sechs Millimeter groß. Stiche von Kriebelmücken sind schmerzhafter als die anderer Mücken. Ihr Speichel enthält ein Gift, das dicke Quaddeln oder sogar geschwollene Gelenke hervorrufen kann. Kriebelmücken dringen nicht in Wohnungen ein. Sie werden dem Menschen ausschließlich im Freien gefährlich, meist in der Nähe von Fließgewässern.

Steigert Kratzen den Juckreiz?

Ja. Der menschliche Körper bekämpft die fremden Proteine, die die Mücke mit ihrem Speichel injiziert. So kommt es zu einer allergischen Reaktion, die auf die Einstichstelle begrenzt ist. Wer nun kratzt, verteilt sowohl den Mückenspeichel als auch das vom Immunsystem ausgeschüttete Histamin. In der Folge schwillt der Stich weiter an, und der Juckreiz verstärkt sich. Wird beim Kratzen die Haut beschädigt, besteht zudem die Gefahr, dass Keime eindringen und sich der Stich entzündet.

Was kann das Jucken lindern?

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Da, wo es möglich ist, hilft's: Mücken mögen keinen Rauch.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Aussaugen!", sagt Experte Burkhard Schricker. "Das hilft auf jeden Fall ein bisschen, weil man die Einstichstelle auf diese Weise reinigt."

Auch Kühlung ist eine gute Maßnahme, sei es mit kalten Umschlägen, Zitronensaft, Zwiebeln oder Essigwasser.

Was lockt Mücken an?

Licht jedenfalls nicht. Denn wie Ernst-Gerhard Burmeister, Vize-Direktor der Zoologischen Staatssammlung München und Leiter der Abteilung für Insektenkunde, im Gespräch mit n-tv.de erklärt, meiden nachtaktive Mücken das Licht. "Unsere Ausdünstungen, unser Schweiß und das CO2, das wir ausatmen, sind es, was Mücken anzieht", so der Fachmann. "Davon können die Tiere selbst kleinste Mengen wahrnehmen."

Was hält Mücken wirkungsvoll ab?

Rauch kann die Zahl der Angreifer dezimieren. Räucherstäbchen oder gar ein Lagerfeuer helfen also dabei, die Plagegeister auf Distanz zu halten. Elektronische Fallen sind unter Insektenexperten nicht gern gesehen. Der NABU rät von dieser Maßnahme dringend ab, denn das UV-Licht lockt auch zahlreiche andere Insektenarten in die Falle. Am stromführenden Geflecht der Lampen verenden dann auch Tiere, die auf der Roten Liste stehen. Ein weitaus besserer Schutz ist lange Kleidung. Für einen ruhigen Schlaf empfehlen sich Fliegengitter an den Fenstern.

Da Mücken ihre Eier gern in stehenden Gewässern ablegen (und die können noch so klein sein), ist es hilfreich, Regentonnen zu verschließen und zum Beispiel auch das Wasser in Blumenvasen regelmäßig auszutauschen. Außerdem gibt es natürlich viele Mittel zum Auftragen auf die Haut. Sie verderben den Mücken den Appetit.

Wie viele neue Mückenarten sind im Zuge des Klimawandels in den letzten Jahren in Deutschland heimisch geworden? Wie viele sind noch zu erwarten?

Dazu gibt es noch keine verlässlichen Zahlen. Das Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin in Hamburg erarbeitet derzeit in Kooperation mit anderen Einrichtungen eine aktuelle Mückenkarte für Deutschland. Sie soll klären, welche Stechmücken wo und in welcher Häufigkeit verbreitet sind. Bislang sind bei uns 48 Arten bekannt, darunter so exotische wie der Japanische Buschmoskito. In Baden-Württemberg wurden Eier von Asiatischen Tigermoskitos gefunden. Auch Anopheles plumbeus, eine Malariamücke, ist in Süddeutschland vertreten. "Allerdings", so Insektenforscher Schricker gegenüber n-tv.de, "brauchen diese Arten eigentlich ein anderes Klima. Die können sich bei uns nicht halten." Ob sie sich irgendwann in den wärmeren Gebieten Deutschlands niederlassen, etwa am Bodensee, bleibt abzuwarten.

Übertragen die bei uns heimischen Mücken Krankheiten?

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Gestreift wie ein Tiger: Die Asiatische Tigermücke kann Dengue-Fieber übertragen. In Deutschland ist das bisher noch nicht passiert.

Bisher offenbar nicht. Der Asiatische Tigermoskito kann das gefährliche Dengue-Fieber übertragen. In anderen in Deutschland gefundenen Stechmücken haben Forscher Sindbis-, Basai- und Usutu-Viren nachgewiesen, die ebenfalls Fiebererkrankungen auslösen können. Auch an der Verbreitung des West-Nil-Virus sind Mückenarten beteiligt, die in Deutschland heimisch werden könnten. Nach Angaben des BNI sind West-Nil- oder Dengue-Fieber bisher aber nicht in Deutschland nachgewiesen worden. Das kann Glück sein, doch es ist auch möglich, dass die hier entdeckten Mücken nicht in der Lage sind, die Viren zu übertragen. Eine Malaria-Epidemie halten Experten hierzulande für sehr unwahrscheinlich.

Wofür sind Mücken gut?

Man könnte meinen, Mücken wären nur dafür da, uns durch juckende Stiche und nächtliches Surren in den Wahnsinn zu treiben. Tatsächlich aber spielen die Insekten eine bedeutende Rolle im Ökosystem. Sie stehen auf dem Speiseplan diverser anderer Tiere: Spinnen ernähren sich ebenso von ihnen wie Fische, Amphibien, Libellen und Vögel. Gäbe es plötzlich keine Mücken mehr, hätte das für viele Lebewesen gravierende Folgen.

Außerdem filtrieren Mückenlarven das Gewässer, in dem sie sich entwickeln.

Wann hat die Mückenpest für dieses Jahr ein Ende?

Bis Ende September müssen wir noch mit Mückenattacken rechnen. Doch dann haben wir das Schlimmste überstanden. "Im Oktober", so Insektenforscher Burkhard Schricker, "ist es mit den Mücken vorbei."

Quelle: n-tv.de

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