Wissen

"Wichtige Barriere überwunden" Bedrohliche Schweineviren auch in Europa

imago0100285475h.jpg

In mehr als der Hälfte der untersuchten Betriebe in Europa wurden ganzjährig Grippeinfektionen nachgewiesen.

(Foto: imago images/Countrypixel)

Nicht nur aus Asien droht Gefahr durch Erreger, welche von Tieren auf Menschen überspringen - auch in den Schweinebeständen Europas finden Forscher Grippeviren, die neue Pandemien auslösen könnten. Einige davon zeigen bereits eine nötige Eigenschaft, um auch Menschen anzustecken.

Während bei der Coronavirus-Pandemie noch kein Ende in Sicht scheint, suchen Forscher weltweit bereits nach weiteren Erregern, die in Zukunft zum Problem werden könnten. Im Fokus stehen dabei Viren, die von Tieren auf den Menschen übergehen können, wie es auch für Sars-CoV-2 angenommen wird. Bei dem Coronavirus geht man bislang davon aus, dass es ursprünglich aus Fledermäusen stammt.

Anfang Juli sorgte eine Studie für Aufsehen, in der Forscher eine neue Variante der Schweinegrippe in Chinas Schweinebeständen beschrieben. Im Jahr 2009 hatte der Influenza A/H1N1 genannte Vorläufer eine globale Pandemie ausgelöst. Das neu entdeckte Virus, G4 genannt, soll bereits Menschen infiziert haben.

Aber nicht nur aus Asien droht Gefahr - eine neue Studie unter Leitung von Timm Clemens Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald fand auch in europäischen Hausschweinen Grippeviren, die neue Pandemien auslösen könnten. Schweine eigneten sich "hervorragend für die Vermehrung und Neusortierung von Influenzaviren", die von Mensch, Schwein oder Vogel stammten, heißt es in der Mitteilung des Instituts.

Die Forscher hatten in Deutschland sowie weiteren 16 europäischen Ländern mehr als 18.000 Einzelproben aus fast 2500 Betrieben mit Atemwegserkrankungen bei Schweinen untersucht. Ziel der Suche waren vor allem solche Influenzaviren, die auf den Menschen übertragen werden können - also zoonotische Eigenschaften besitzen.

Versuche mit Frettchen weisen auf Gefahr hin

Und die Forscher wurden fündig: Anhand von Tierversuchen mit Frettchen, welche bei der Infektion mit Grippeviren ähnliche Symptome wie Menschen entwickeln, und dem Vergleich mit existierenden humanen Grippeviren wurden Erreger entdeckt, die vom Schwein auf den Menschen überspringen könnten.

Weitere Grippeviren aus den Proben erwiesen sich zudem resistent gegen einen bestimmten Bestandteil der menschlichen Immunabwehr. "Einige der Schweine-Influenza-Viren haben bereits eine wichtige Barriere für die Übertragung auf den Menschen überwunden. Das erhöht das Risiko deutlich", sagte Martin Schwemmle vom Universitätsklinikum Freiburg.

Um das Risiko einer neuen Pandemie zu verringern, empfehlen die Forscher unter anderem bessere Bekämpfungsstrategien gegen die Grippe bei Schweinen sowie die "Optimierung von Impfstoffen" für die Tiere. Auf diese Weise könne ein Rückgang von Grippeviren in Europas Schweinebeständen erreicht werden - was die Gefahr einer Übertragung auf den Menschen verringern würde.

Quelle: ntv.de, kst