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ISS-Astronaut Alexander Gerst "Die Erde ist durch nichts zu ersetzen"

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Unser Mann im All: Bis November verweilt Alexander Gerst noch auf der Internationalen Raumstation ISS.

(Foto: dpa)

Fast täglich postet Alexander Gerst Bilder aus dem Weltraum, beantwortet Fragen per Videostream und lässt Fans an seiner Mission teilhaben. Er findet, er hat den tollsten Job der Welt - doch nichts im All kann das Leben auf der Erde ersetzen.

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Am Morgen hat Alexander Gerst seinen Muskelumfang gemessen. Um zu testen, ob er durch die Schwerelosigkeit im Weltraum an Muskelmasse verliert. Doch er gibt Entwarnung: "Wir haben gesehen, dass wir sogar Muskeln aufgebaut haben." Die täglichen zwei Stunden auf dem Laufband machen sich also bezahlt. Dank ausgeklügelter Trainings sieht der 38-Jährige daher keinen Grund, warum Menschen in Zukunft nicht auch über einen längeren Zeitraum im Weltraum leben könnten.

Am Freitagnachmittag hat sich der deutsche Astronaut an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) 20 Minuten Zeit genommen, um die Fragen von 40 Facebook-Nutzern im Live-Videostream zu beantworten. Das Event hatte die Europäische Weltraumorganisation Esa gemeinsam mit dem sozialen Netzwerk organisiert.

Nach drei Monaten im All, fernab der Zivilisation, sieht Gerst fröhlich und ausgeglichen aus. Mit einem Mikrofon in der Hand schwebt er vor der Kamera, dreht sich zwischendurch völlig schwerelos einmal auf den Kopf und wieder zurück, um seine Erfahrungen anschaulich zu machen. Aber die Schwerelosigkeit hat auch ihre Tücken, wie er auf die Frage einer Teilnehmerin erklärt: "Am Anfang habe ich mal eine Tasche aufgemacht und plötzlich sind ungefähr 20 Dinge um mich herumgeflogen." Die Arbeit auf der ISS erfordert daher viel Organisation: "Man muss genau aufpassen, wo man seine Dinge hintut."

Vulkane, Ozeane oder malerische Wolkenfelder

Gerst ist ein Astronaut zum Anfassen. Er ist der dritte Deutsche an Board der ISS und der erste, der seine Erfahrungen so regelmäßig über soziale Medien mit dem Rest der Welt teilt. Fast täglich postet er auf Facebook und Twitter Bilder aus 400 Kilometern Höhe. Vulkane, Ozeane, der Nil oder malerische Wolkenfelder: "Ich habe das Gefühl, alles ist viel viel viel kleiner, als ich je gedacht habe", sagt Gerst. "Du siehst aus dem Fenster und siehst Australien und zur selben Zeit siehst du Südamerika und Afrika. Für mich sieht es von hier oben aus, als wäre alles miteinander verbunden." Seine Fans danken es ihm.

Eine Facebook-Nutzerin schreibt auf seiner Seite: "Alexander, du entwickelst dich zum 'Space-Entertainer'...Ich freu mich auf jeden Post!" Für Andreas Schepers von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) trägt Gerst dazu bei, dass es einen Generationenwechsel innerhalb der Raumfahrt-Interessierten gibt: "Heute erreichen wir über soziale Netzwerke sowohl die Nerds, die sich wirklich für Raumfahrt interessieren, aber auch ein ganz anderes Publikum, das zum Beispiel einfach die Fotos toll findet." Im Anschluss an den Videostream stellte sich Gerst noch eine weitere halbe Stunde den Fragen, die auf seiner Facebook-Seite gepostet wurden.

Waldlauf und Sommerregen

Auch hier war das Interesse ungebrochen: Mehr als 300 Fragen, die Jung wie Alt an den deutschen Astronauten hatten und die zeigen: Gerst hat es geschafft, viele für die Raumfahrt zu begeistern. Die Hälfte von Gersts "Blue Dot"- Mission ist mittlerweile um. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat der studierte Geophysiker bereits zahlreiche der geplanten 100 Experimente erfolgreich durchgeführt. Langeweile kommt im All bei einem Zwölf-Stunden Tag nicht auf. Gersts Geheimnis für eine gute Work-Life-Balance im Weltraum? "Am Sonntagnachmittag nehme ich mir immer komplett frei. Ich tue einfach Dinge für mich selbst, ich schreibe einen Brief an jemanden oder rufe einen Freund an. Das ist meine ganz persönliche Zeit."

Und auch wenn für den Astronauten mit seinem Weltraum-Einsatz ein großer Traum in Erfüllung geht und er den besten Job er Welt hat - wie er findet -, ist die Erde für ihn einzigartig: "Dieser kleine Planet dort unten ist unsere Heimat und wir können ihn durch nichts ersetzen." Einen Lauf durch den Wald oder ein leichter Sommerregen: Das sind Dinge, die Gerst im All vermisst und auf die er sich nach seiner Rückkehr auf die Erde am 11. November freut.

Quelle: n-tv.de, Rahel Klein, dpa

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