Wissen

Erfüllt Gary Menschheitstraum? Dieser Roboter soll im Haushalt helfen

IMG-20211107-WA0004.jpg

Soll im Haushalt, Büro und in der Pflege aushelfen: der Serviceroboter Gary des israelischen Unternehmens Unlimited Robotics.

(Foto: Unlimited Robotics)

Was der Menschheit noch fehlt, ist ein Roboter, der im Haushalt verschiedene Aufgaben übernimmt - so wie Geschirr spülen, putzen und Wäsche zusammenlegen. Doch das könnte sich bald ändern: Ein israelisches Startup will 2022 den Servicekraftroboter "Gary" auf den Markt bringen.

In einem Altersheim bei Tel Aviv mit vielen Holocaust-Überlebenden wird der Gemeinschaftsabend mit einer Filmvorführung beendet. Als die Melodie des vierten Teils der "Rocky"-Saga ertönt, kommt Freude auf. Der US-amerikanische Held ist bei den rüstigen Rentnern beliebt. Doch der Blockbuster von 1985 erzeugt gleich zu Beginn Verwunderung, als in einer Szene "Rocky" seinem Schwager "Pauli" einen Roboterbutler schenkt, der im Laufe des Films zu seinem Begleiter wird. "So ein Gerät wäre genial für uns", lacht Malka Lewin. Die Stationsleiterin des Seniorenheims beklagt schon seit Jahren den Personalmangel.

IMG-20211108-WA0002.jpg

Noch befindet sich Gary in der Entwicklung. Hält er, was seiner Erfinder versprechen?

(Foto: Tal Leder)

Auch in Israel ist der Pflegenotstand bereits Realität. Damit dies nicht Hollywood-Romantik bleibt, hat das israelische Startup Unlimited Robotics erst kürzlich einen Serviceroboter namens Gary vorgestellt, der darauf ausgelegt ist, Haus-, Geschäfts- oder Büroarbeiten zu erledigen.

Der 140 Zentimeter große und 40 Kilogramm schwere Gary kann autonom durch seine Umgebung navigieren und sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,2 Metern pro Sekunde sowohl an neuen als auch vertrauten Orten bewegen. Er muss sechs Stunden lang aufgeladen werden und ist dann für 18 Stunden einsetzbar. Der Roboter hat die Fähigkeit, im Freien und auf unebenem Gelände wie Gras, Teppichen und Fliesen zu rollen. Seine beiden Arme können bis zu 5 Kilogramm tragen und die "Hände" sind austauschbar, um verschiedene Aufgaben auszuführen, wie das Greifen, Halten und Zusammendrücken von Gegenständen.

Jeder, der will, kann mitentwickeln

Allerdings sei vor allem die Programmierung eine Herausforderung, sagt Guy Altagar, Geschäftsführer des nahe Tel Aviv ansässigen Unternehmens. Eine eigene Plattform namens Ra-Ya soll es daher Programmierern von überall her ermöglichen, selbst Apps für den Serviceroboter zu erstellen. "Damit wird der App-Markt für viele Computerfreaks geöffnet", sagt Altagar. "Entwickler können für bestimmte Dienste kostenlos Apps anbieten, wie für das Gießen von Pflanzen, das Beladen von Spül- oder Waschmaschine sowie das Säubern des Bodens."

IMG-20211117-WA0004.jpg

Dank mehrerer Sensoren soll Gary sich unfallfrei fortbewegen können.

(Foto: Tal Leder)

Um seine Umgebung zu erkennen, verwendet der Roboter drei verschiedene Infrarot- und Tiefenkameras. Ein leistungsfähiger Prozessor sowie künstliche Intelligenz (KI) sollen ihm helfen, seine Fähigkeiten zu verbessern. Auch kann die Maschine lernen, wie man Dinge im Haushalt richtig macht - und kommuniziert das an andere Gary-Modelle, die aus den Erfahrungen lernen sollen. Gary soll künftig im Haushalt, in Restaurants, Fitnessstudios, Hotels, Flughäfen, Senioreneinrichtungen und überall dort eingesetzt werden, wo Hilfe benötigt wird. Markteinführung ist für den Sommer 2022 geplant. Gary soll dann für 5900 US-Dollar zu kaufen sein.

Doch während viele die Chancen durch KI entdecken und sich ihren Einsatz in allen Lebensbereichen wünschen, wittern andere auch Gefahren. Arbeitsplätze scheinen bedroht zu sein und auch vor Cyberangriffen wäre Gary nicht immun. "Heute kann fast alles gehackt werden", sagt ein Leutnant von der Fernmelde- und elektronischen Aufklärungseinheit "8200" der israelischen Streitkräfte. "Der Cyberkrieg zwischen Iran und Israel hat ein neues Level erreicht. Aber auch andere Nationen und Organisationen versuchen täglich, unseren Staat anzugreifen, um Daten zu stehlen sowie Systeme zu manipulieren und zerstören."

Kapuze soll ungewollte Aufnahmen verhindern

Unlimited Robotics beteuert, die besten Sicherheitsmaßnahmen zu verwenden. Die Maschine soll Gespräche nicht abhören oder ohne Erlaubnis Bilder aufnehmen können. Gary wird sogar mit einer Kapuze geliefert, mit der sein Kopf bedeckt werden kann, wenn seine Dienste nicht gebraucht werden - damit er keine ungewollten Aufnahmen aus dem Haushalt macht. "Da Computer heute jeden einzelnen Aspekt unserer kritischen Infrastruktur kontrollieren, von der wir täglich abhängig sind, ist alles einer Cybergefahr ausgesetzt."

Trotz einiger Vorbehalte wollen viele Gary im nächsten Sommer erwerben. Einen Platz auf der Warteliste erhält man für 99 US-Dollar. "Auch wir haben Interesse", erzählt Malka Lewin vom Altenheim bei Tel Aviv. "So ein Roboter würde zu uns passen."

Die Stationsleiterin macht sich keine Sorgen, dass die Maschine den Menschen die Jobs wegnehmen wird. Sie sieht sie eher als Bereicherung. "Gary wäre eine Stütze in unserer Wohneinrichtung", sagt Lewin und schmunzelt: "Vielleicht ist er nächstes Jahr unser Filmvorführer. Oder spielt sogar mit den Rentnern Schach."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen