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Neue Studie zu Kindern Drosten kippt Warnung vor Schulöffnung

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Das Team um Drosten warnt nicht mehr vor einer unbeschränkten Öffnung von Schulen und Kitas.

(Foto: imago images/Martin Müller)

Die Kernaussage bleibt gleich: Kinder sind nicht weniger ansteckend als Erwachsene. Dennoch steckt in der überarbeiteten Studie des Virologen Drosten eine Neuerung. In Bezug auf die Öffnung von Schulen und Kitas rücken die Forscher von ihrem bisherigen Standpunkt ab.

Angesichts der anhaltenden Coronavirus-Pandemie bleibt die Frage nach dem Vorgehen bei der weiteren Öffnung von Schulen und Kitas umstritten. Das zeigt auch die hitzige Debatte über die erste Studie eines Teams um den Berliner Virologen Christian Drosten zur Viruslast bei Kindern. Deren Aussage: Kinder tragen eine ebenso hohe Viruslast wie Erwachsene - und sind mithin vermutlich genauso ansteckend. Die Forscher hatten aufgrund dieser Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland gewarnt.

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Nachdem es von Kollegen aus dem Forschungsbetrieb Kritik an der Methode der ersten Drosten-Studie gegeben hatte, legten der Virologe und seine Mitstreiter nun eine überarbeitete Version der Untersuchung vor, die noch nicht in einem begutachteten Fachjournal erschien, sondern als sogenannter Preprint veröffentlicht wurde. In der neuen Fassung bleiben die Forscher zwar bei der These, dass Kinder das Virus ähnlich verbreiten wie Erwachsene. Allerdings gibt es in Bezug auf die Öffnung von Schulen und Kitas eine bedeutende Änderung.

Ein entscheidener Satz fehlt

So stand in der ersten Version der Studie: "Basierend auf den Ergebnissen warnen wir vor einer unbeschränkten Wiedereröffnung von Schulen und Kitas in der derzeitigen Situation". In der überarbeiteten Version hingegen fehlt dieser Satz. Dort ist vielmehr davon die Rede, dass "Vorsicht und sorgfältige Überwachung" bei der Aufhebung der derzeitigen Einschränkungen empfohlen würden.

Diese Empfehlung stützen die Forscher aufgrund eines "Mangels an Wissen über die Übertragbarkeit von Sars-CoV-2" auch auf Erfahrungen mit Grippeviren. Denn wie beim Coronavirus zeigt sich bei der Grippe kein wesentlicher Unterschied in der Viruslast von Kindern und Erwachsenen. Vielmehr mache das altersbedingte Verhalten infizierter Kinder - häufigere und engere Kontakte - diese ansteckender als Erwachsene, weshalb Schulen und Kitas ein bedeutender Treiber von Grippewellen seien. Die Forscher schlagen daher vor, dass eine uneingeschränkte Öffnung von Schulen und Kitas nach dem Corona-Shutdown "durch präventive diagnostische Tests überwacht" werden sollte.

Bisher nur vorsichtige Lockerungen

Offen bleibt, was die Politiker in den Bundesländern aus der überarbeiteten Studie machen. Beim Thema Schulöffnung zeichnet sich bisher jedenfalls nur eine vorsichtige Lockerung ab. Als erstes Bundesland hatte Sachsen Grundschulen und Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb wieder geöffnet. Statt auf kleine Gruppen und Abstandsregeln zu setzen, werden Gruppen und Klassen voneinander getrennt.

Schleswig-Holstein hatte nun am Mittwoch ebenfalls entschieden, dass dort alle Grundschüler ab dem 8. Juni wieder zur Schule gehen sollen - ohne Abstandsregeln. Ab Mitte Juni peilt auch Sachsen-Anhalt für Grundschüler einen Betrieb in gesamter Klassenstärke an. In Baden-Württemberg ist das ab Ende Juni geplant.

Das Kinderhilfswerk und die Bundesschülerkonferenz hatten zudem eine stärkere Beteiligung der Schüler an den Konzepten für Schulöffnungen gefordert. Gerade jetzt sollten "Erwachsene nicht so tun, als wären wir stets allwissend", hatte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks erklärt. Es brauche die Expertise der Schüler bei der sie betreffenden Öffnung der Schulen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP