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Riskanter Vorschlag Erdatmosphäre soll Asteroiden einfangen

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Asteroiden in Erdnähe - aus Sicht von Forschern ein Szenario, das von Nutzen sein kann.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Wenn Asteroiden in Erdnähe geraten, sorgt dies meist für wenig Begeisterung auf dem Planeten. Forscher schlagen nun jedoch vor, genau das gezielt herbeizuführen. Das Ziel: Die Brocken sollen abgebremst und sinnvoll verwertet werden.

Mit Asteroiden verbinden Menschen vor allem Gefahr: Immerhin soll einer von ihnen die Dinosaurier auf dem Gewissen haben. Katastrophenfilme wie "Armageddon" haben weiter zum schlechten Image der Weltraum-Felsen beigetragen. Nun schlagen Forscher allerdings vor, dass man einige dieser um die Sonne kreisenden Kleinplaneten gezielt in Richtung Erde transportieren sollte.

In ihrer aktuellen Studie beleuchten Minghu Tan, Doktorand an der Universität Glasgow, und seine Mitautoren die Möglichkeit, durch die Atmosphäre unseres Planeten Asteroiden abzubremsen und in einen Orbit um die Erde zu lenken. Diese Methode wird "Aerobraking" genannt, also Atmosphärenbremse. Bereits seit Anfang der 1990er Jahre wird sie in der Raumfahrt angewendet, etwa um die Flugbahnen von interplanetaren Raumsonden zu korrigieren.

Durch Reibung in der dünnen, oberen Atmosphäre soll die Geschwindigkeit von Asteroiden so weit gesenkt werden, dass sie sich von der Schwerkraft der Erde einfangen lassen. Kreisen die Körper dann einmal um die Erde, könnten ihre Rohstoffe abgebaut werden. Denn obwohl bisher noch keine Proben von Asteroiden direkt untersucht wurden, gehen Forscher aufgrund von Beobachtungen davon aus, dass bestimmte Varianten dieser Himmelskörper Wasser und Metall beinhalten.

Treibstoff und Nahrung für Astronauten

Sowohl Wasser als auch Metall sind wichtige Grundlagen, um das Überleben von Menschen im All zu gewährleisten – zum Beispiel auf bemannten Missionen zum Mars: Wasser versorgt Astronauten mit Flüssigkeit und Nahrung, zudem kann es in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten und als Raumschiff-Treibstoff verwendet werden. Metall wiederum dient zum Bau von Raumstationen und Raumschiffen. Das Material von der Erde ins All zu transportieren, ist teuer und aufwendig. Es einfach von Asteroiden zu nehmen, könnte eine kostengünstigere Alternative sein.

In ihrer im Fachblatt "Acta Astronautica" veröffentlichten Studie haben die Forscher aus Glasgow nun berechnet, dass es ohne viel Aufwand möglich wäre, einen Asteroiden in Erdnähe zu lenken und mittels Aerobraking in einem Orbit einzufangen. Befinden sich die Asteroiden noch in einem großen Abstand zur Erde, also mehrere Millionen Kilometer entfernt, reiche ein kleiner Schubser von einem unbemannten Raumschiff, um diesen Prozess einzuleiten. Den Autoren zufolge gibt es mehr als 1000 erdnahe Asteroiden, die dafür infrage kämen.

Horrorszenario: Absturz auf die Erde

Allerdings wird der Vorschlag von anderen Wissenschaftlern kritisch gesehen. Gegenüber dem Fachblatt "Science" äußert Astronom Ingo Müller-Wodarg vom Imperial College London Bedenken, da Asteroiden keine runden Kugeln, sondern ungleichmäßig geformte Körper seien. Dadurch könnten sie sich beim Aerobraking, also dem Eintritt in die obere Erdatmosphäre, unberechenbar verhalten und im schlimmsten Fall auf die Erde stürzen. Mit tödlichen Folgen.

Doch diese Gefahr wird in der aktuellen Studie berücksichtigt: Tan betont, dass in der Analyse nur Asteroiden mit einem Durchmesser von weniger als 30 Metern in Betracht gezogen wurden. Diese würden verdampfen, wenn sie außer Kontrolle und in tiefer liegende Schichten der Atmosphäre gerieten. Allerdings geben die Forscher zu, dass bei Asteroiden aus Metall zusätzliche Maßnahmen nötig wären, da diese womöglich nicht komplett verglühen, bevor sie auf der Erdoberfläche einschlagen.

Quelle: n-tv.de, kst

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