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Attentat vor 3846 Jahren Forscher enträtseln ältesten Fürstenmord der Welt

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Rechtsmediziner Frank Ramsthaler demonstriert einen Dolchstoß, dessen Verletzungen jetzt an den sterblichen Überresten des Fürsten von Helmsdorf nachgewiesen wurden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Anfang des 20. Jahrhunderts entdecken Heimatforscher in Sachsen-Anhalt das prachtvolle Grab des sogenannten Fürsten von Helmsdorf. Doch wie ist der bronzezeitliche Herrscher gestorben? Eine Forschergruppe hat das Geheimnis nun gelüftet.

Die Knochen des Herrschers aus dem Grabhügel von Helmsdorf in Sachsen-Anhalt liegen fein säuberlich auf einem schwarzen Tuch ausgebreitet. Nach 3846 Jahren bestätigt der Rechtsmediziner Frank Ramsthaler: "Es war Mord". Der Herrscher ist in der Epoche der Himmelsscheibe von Nebra einem Attentat zum Opfer gefallen. War es eine Intrige? Ein Thronraub? "Die umfangreichen Forschungsergebnisse werden in der ersten Jahreshälfte 2019 veröffentlicht", sagt Landesarchäologe Harald Meller.

"Den Stein ins Rollen brachte mein Co-Autor Kai Michel bei der Arbeit an unserem neuen Buch 'Die Himmelsscheibe von Nebra' (Propyläen)." Er regte an, die Überreste des Helmsdorfer Fürsten noch einmal eingehend untersuchen zu lassen. "Schließlich handelt es sich bei dessen Knochen um die einzigen Überreste eines Menschen aus dem direkten Umfeld der Himmelsscheibe", sagt Archäologe Meller. "So weit wir jetzt sehen, haben wir dadurch den ältesten tatsächlich nachweisbaren Fürstenmord der Weltgeschichte entdeckt."

Fürst wurde mit einem Dolch getötet

Frank Ramsthaler, stellvertretender Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Universität des Saarlandes in Homburg, sagt: "An den Knochen können eindeutig drei Verletzungen nachgewiesen werden. Möglicherweise gab es noch weitere, aber diese drei waren allein schon tödlich. Bei der Tatwaffe könnte es sich um einen Dolch handeln, dessen Klinge gut 15 Zentimeter lang gewesen sein muss."

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Der verletzte Brustwirbel des Fürsten. Erkennbar ist die breite Kerbe - entstanden vermutlich durch einen Dolch.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Rechtsmediziner rekonstruiert den möglichen Tatablauf: Ein mit großer Entschlossenheit ausgeführter Stich ging in den Bauchbereich. Die Dolchspitze traf den elften Brustwirbel und hinterließ dort eine deutlich erkennbare Kerbe von 6 Millimeter Länge und 3 Millimeter Tiefe. Um überhaupt durch den Bauch zu stoßen und dem Wirbel eine solche Scharte zuzufügen, brauchte es enorme Kraft. Das Opfer hat entweder an der Wand gestanden oder lag auf dem Boden. Sonst hätte der Täter den Dolch nicht bis in den Knochen stoßen können. Dabei wird er auch die Hauptschlagader getroffen haben. "In prächirurgischen Zeiten bedeutete das den sicheren Tod", sagt der Experte.

Mörder war offenbar ein erfahrener Krieger

Ein weiterer Stich traf den Fürsten von oben hinter dem Schlüsselbein und spaltete das linke Schulterblatt. Zahlreiche Blutgefäße, aber auch Teile der Lunge wird der Dolch hier verletzt haben - auch das mit Sicherheit tödlich. "Das spricht für einen erfahrenen Krieger", kommentiert Meller, "noch die römischen Gladiatoren setzen dort den Todesstoß."

"Was sich nicht mehr herausfinden lässt, ist, welcher Stich zuerst ausgeführt wurde", sagt Ramsthaler. Zumindest spricht die Schnittverletzung am Oberarm als dritte Verletzung dafür, dass ein Kampf tobte. Wahrscheinlich versuchte der Fürst, sich mit dem Arm gegen den Attentäter zu schützen. Doch wer war das? "Es muss eine Vertrauensperson aus dem Umfeld des Herrschers gewesen sein. Vielleicht ein Verwandter, ein Freund oder die Leibwache", sagt Meller. "Der Herrscher war arglos und wurde durch den Angriff überrascht. Möglicherweise ist er wie Julius Cäsar im alten Rom einer Verschwörung zum Opfer gefallen."

Ein Tyrannenmord? Dagegen spricht, dass der etwa 30- bis 50-jährige Fürst standesgemäß mit allen Ehren unter einem riesigen Hügel begraben wurde. Als der Heimatforscher Hermann Größler (1840-1910) das Fürstengrab 1907 ausgrub, fand er das Herrscherskelett auf einem aus Eichenholz gefertigten Totenbett, dazu goldenen Schmuck als Grabbeigabe. Die von Meller und Michel in ihrem Buch angenommene erste Hochkultur nördlich der Alpen, das Reich von Aunjetitz, war also so gefestigt, dass es die Ermordung eines Herrschers überstand. Unmittelbar danach erlebte das Reich eine Blütezeit, von der bis heute die Himmelsscheibe von Nebra im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zeugt.

Quelle: n-tv.de, Thomas Schöne, dpa

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