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Risiko für Fahrer manchmal höher Forscher untersuchen Corona-Gefahr im Auto

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Bei geöffneten Fenstern ist das Risiko für den Fahrer höher als für den Passagier auf der Rückbank.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Nicht nur im öffentlichen Nahverkehr droht in Corona-Zeiten Ansteckungsgefahr - auch im Auto können sich infektiöse Aerosole anreichern. Eine Simulation zeigt, unter welchen Bedingungen das Risiko steigt oder abnimmt. Generell hilft es, Fenster zu öffnen. Aber es kann auch darauf ankommen, welche.

Das Fahren mit öffentlichen Transportmitteln gilt in Corona-Zeiten als Ansteckungsrisiko. Nicht ohne Grund haben sich Bund und Länder gerade erst auf eine verschärfte Maskenpflicht für Bus und Bahn geeinigt. Das Auto hingegen fand bisher wenig Beachtung. Doch sobald mehrere Personen zusammen unterwegs sind, ist die Gefahr einer Infektion nicht mehr gleich null. Ein Team um Varghese Mathai von der University of Massachusetts hat nun untersucht, unter welchen Umständen das Risiko steigt oder abnimmt.

In geschlossenen Räumen wie dem Inneren eines Fahrzeugs gelten vor allem Aerosole als eine große Gefahr für eine Übertragung von Sars-CoV-2 von einem Menschen zum anderen. Denn anders als größere Tröpfchen, die ebenfalls beim Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen ausgestoßen werden, sinken die winzigen Aerosole nicht zu Boden, sondern halten sich mitunter über Stunden in der Luft. Auch im Auto birgt dies ein Ansteckungsrisiko für Mitreisende.

Mathai und drei Kollegen von der Brown University in Rhode Island wollten herausfinden, wie verschiedene Szenarien sich auf die Aerosolkonzentration im Inneren eines Autos auswirken. Im Computer wurde dafür die Fahrt mit einem Auto simuliert, das mit etwa 80 Kilometern je Stunde unterwegs ist. Im Inneren sitzen dabei zwei Menschen: der Fahrer und schräg dahinter ein Passagier auf der Rückbank. In der Simulation öffneten die Forscher eine unterschiedliche Zahl von Fenstern in verschiedenen Konstellationen - oder ließen sie ganz geschlossen.

Das Ergebnis ihrer Studie ist zunächst wenig überraschend: Wenn die Fenster eines Autos geöffnet sind, ist das Ansteckungsrisiko im Fahrzeug am geringsten - am besten so viele wie möglich. "Aber selbst wenn ein oder zwei offen waren, war es viel besser, als wenn sie alle geschlossen waren", sagte Asimanshu Das, Co-Autor der Studie, laut Mitteilung der Universität. "Mit geschlossenen Fenstern und eingeschalteter Klimaanlage oder Heizung herumzufahren, ist laut unseren Computersimulationen definitiv das schlimmste Szenario." Allerdings erzeugen verschiedene Kombinationen von geöffneten Fenstern unterschiedliche Luftströmungen im Auto - was das Risiko erhöhen oder vermindern könne.

Risiko für Fahrer ist höher

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Das Öffnen von Fenstern auf der dem Sitzplatz gegenüberliegenden Seite des Fahrzeugs erzeugt ein Luftstrommuster, das die Partikelübertragung zwischen Fahrer und Beifahrer reduziert.

(Foto: Brown University)

Eine eher unerwartete Beobachtung: Sind alle vier Fenster geöffnet, strömt die Luft innerhalb des Autos nicht von vorne nach hinten, sondern umgekehrt. So entstehen zwei seitliche Strömungen, die allerdings weitgehend getrennt voneinander bleiben. Weil die Passagiere in der Simulation versetzt zueinander auf zwei verschiedenen Seiten des Fahrzeugs saßen, wurden nur sehr wenige Aerosole zwischen beiden ausgetauscht. Dennoch war aufgrund der Luftströmung von hinten nach vorne der Fahrer einem etwas höherem Ansteckungsrisiko ausgesetzt.

Eine andere, ebenso kontraintuitive Erkenntnis: Wenn nur zwei Fenster geöffnet sind, ist es nicht am besten, die Scheiben jeweils direkt neben den Passagieren runterzufahren. Zwar ist dies laut der Simulation immer noch besser, als kein Fenster zu öffnen. Es bringt jedoch mehr, wenn die Passagiere jeweils das Fenster der ihnen gegenüberliegenden Tür öffnen. Der Grund: So entsteht eine Strömung, "die hinter dem Fahrer in das Auto eintritt, hinter dem Passagier durch die Kabine strömt und dann aus dem vorderen Fenster auf der Beifahrerseite austritt", erklärt Kenneth Breuer, einer der Hauptautoren der Studie.

Gleichzeitig betonen die Autoren, dass die Luftströme im Auto kein Ersatz für das Tragen von Masken sind, um sich zu schützen. Zudem beziehe sich die Studie nur auf schwebende Aerosole, nicht jedoch auf größere Tröpfchen, welche ebenfalls infektiöse Viren enthalten können.

Quelle: ntv.de, kst