Wissen

"Wird einen Chauffeur benötigen" Gerst erwarten "einige harte Tage"

Tassen heben, Kurven laufen oder Autofahren - diese Dinge werden Astronaut Gerst in den kommenden Tagen nur schwer oder gar nicht gelingen. Vor den Feiertagen durchläuft er ein umfangreiches Testprogramm

Eine große Party erwartete den deutschen Astronauten Alexander Gerst bei seiner Ankunft in Köln am Abend nicht. Ein paar ausgewählte Besucher könnten mit ihm sprechen, dann sei erst einmal Ruhe angesagt, sagte Rüdiger Seine, Leiter der Astronautenausbildung bei der Europäischen Weltraumorganisation (Esa). Gerst war am Morgen nach einem gut sechsmonatigen Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS zurückgekehrt und soll am Abend am Flughafen in Köln/Bonn landen.

In den kommenden Tagen muss Gerst zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Untersuchungen über sich ergehen lassen. "Bis Weihnachten kommen auf den Alexander Gerst noch mal einige harte Tage zu, wo wir ein sehr eng getaktetes Programm haben", sagte Seine. "Diese ersten paar Tage nach der Rückkehr sind für die Umstellung des Körpers und der Körperfunktionen sehr wichtig und das wollen die Wissenschaftler natürlich beobachten."

Seine zufolge war Gerst nach der Landung in der kasachischen Steppe putzmunter. "So wie er aussah, erwarte ich, dass er keine großen Schwierigkeiten haben wird." Einige Anpassungsschwierigkeiten an die Schwerebedingungen der Erde seien in den nächsten Tagen normal. "Beim Anfassen von Tassen, beim Heben von Dingen, aber auch beim um die Kurve gehen kann es durchaus noch mal kleinere Malheurs geben, einfach weil der Körper eine andere Reaktion erwartet als dann stattfindet."

Am Freitag beginne Gersts Arbeitstag um 6 Uhr morgens mit einer "Batterie von Tests" und einer ersten Physiotherapie-Einheit. Nach einem 12-Stunden-Tag heißt es um 18 Uhr Feierabend für den Raumfahrer. Die Weihnachtsfeiertage werde Gerst mit Freunden und Familie verbringen - wo, verriet Seine nicht. Fest steht: Gerst wird in den nächsten Tagen einen Chauffeur benötigen. "Er wird nicht selber Auto fahren können." Das liege daran, dass nach der Rückkehr aus der Schwerelosigkeit noch Auswirkungen auf das Gleichgewichtsorgan auftreten können.

Gerst war am 6. Juni zur ISS aufgebrochen. Es war seine zweite Mission auf dem Außenposten der Menschheit. Als erster Deutscher übernahm er dabei zeitweise auch das Kommando auf der ISS. Künzelsau plant für den Sommer eine große Feier zu seinen Ehren.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa