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Gigantische Hightech-Volkszählung Indien scannt eine Milliarde Menschen ein

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Gewaltiger Datensatz: Die indischen Behörden kennen Fingerabdrücke und Augenfarbe von 93 Prozent aller erwachsenen Staatsbürger.

REUTERS

Sechs Jahre nach dem Start steht das Projekt "Aadhaar" kurz vor dem Abschluss: In der bevölkerungsreichsten Demokratie der Erde haben die Behörden mittlerweile 93 Prozent aller Erwachsenen biometrisch erfasst.

Das weltweit größte Programm zur biometrischen Erfassung der Bürger hat die Marke von einer Milliarde Menschen überschritten. Wie die indische Erfassungsbehörde UIDAI mitteilte, besitzen nun 93 Prozent der erwachsenen Inder einen Ausweis mit biometrischen Daten.

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Biometrische Erfassung: Im Bundesstaat Rajasthan im Nordwesten des Subkontinents stehen Dorfbewohner Schlange für den Iris-Scan.

(Foto: REUTERS)

Der sogenannte Aadhaar-Ausweis ist das Kernstück eines 2010 gestarteten Mammutvorhabens, bei dem den Ausweisinhabern unter anderem auch eine persönliche, zwölfstellige Identifikationsnummer zugeordnet wird. In der Altersgruppe der 5- bis 17-jährigen Kindern haben nach Angaben der Erfassungsbehörde mittlerweile zwei Drittel einen solchen Ausweis.

Zehn Milliarden Fingerabdrücke

Mit dem Aadhaar-Programms wird eine zentrale Datenbank geschaffen, mit deren Hilfe alle Einwohner Indiens eindeutig identifiziert werden können. Dafür werden neben Namen, Geburtsdatum und Gebursort auch biometrische Merkmale erfasst und gespeichert. Dazu zählen neben einem Foto ein Scan der Iris beider Augen sowie alle zehn Fingerabdrücke. Derzeit leben rund 1,3 Milliarden Menschen in Indien.

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Biometrisch erfasste Bürger: Champa Devi (l.) und ihr Mann Ghewar Ram halten ihren neuen Aadhaar-Ausweis in die Kamera.

(Foto: REUTERS)

Der Name Aadhaar lässt sich etwa mit "Grundlage" oder "Unterstützung" übersetze. Ziel des Projekts ist nach Angaben der Regierung die Vereinfachung von Verwaltungsvorgängen. Der Aadhar-Ausweis soll zum ersten Mal in der Geschichte des indischen Staatswesens überhaupt eine klare und eindeutige Identifikation aller Bürger des Landes ermöglichen.

Das Ende der Korruption?

Nebenbei soll Aadhaar der indischen Wirtschaft auch als Grundlage für moderne Geschäftsbeziehungen zum Kunden dienen. Weil das bisherige Pass- und Meldewesen mit teils erhebliche Schwächen zu kämpfen hatte, mussten sich viele Inder bislang einer breiten Vielfalt an amtlichen und halbamtlichen Dokumenten ausweisen. Zum Einsatz kamen zum Beispiel "Führerscheine, Rationskarten oder auch Wahlzettel", wie die "Zeit" in einem Beitrag zum Start des Aadhaar-Projekts berichtete. Die Erfassung aller Inder soll auch Fälschungen, Sozialbetrug und Korruption einen Riegel vorschieben.

Befürworter sehen auch Vorteile für Arme und die ländliche Bevölkerung: "Durch eindeutige Identifikation können sie künftig Bankgeschäfte tätigen, Sozialhilfe beantragen und eine Schulausbildung bekommen", lautet eines der Argumente der biometrischen Massenerfassung. Gegner des milliardenteuren Aardhaar-Projekts befürchten Datenmissbrauch durch Dritte, unkontrollierten Zugriff durch Behörden und die Umsetzung eines "Orwell'schen Alptraums" eines vollständigen "gläsernen Bürgers".

Auf der anderen Seite könnte das Projekt das Land und die indische Wirtschaft nach vorne katapultieren. Gestützt auf die Masse der Biometrie-Daten könnten Hightech-Unternehmen aus aller Welt Indien als Experimentierfeld für hochmoderne Bezahlsysteme nutzen und zum Beispiel Geschäftsabschlüsse per Fingerabdruck oder Iris-Scan einführen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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