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Eine Fliege hat sich in den Tentakeln eines Mittleren Sonnentaus verfangen. Wie diese bei einer südafrikanischen Taupflanze zusammenspielen, haben Forscher nun herausgefunden.
Eine Fliege hat sich in den Tentakeln eines Mittleren Sonnentaus verfangen. Wie diese bei einer südafrikanischen Taupflanze zusammenspielen, haben Forscher nun herausgefunden.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Samstag, 19. September 2009

Fleischfressende Pflanze: Kleber stärker als Fliegenpapier

Eine fein abgestufte Hierarchie klebriger Tentakel sorgt bei der Südafrikanischen Taupflanze für Beute. Wie diese zusammenwirken, haben Wissenschaftler herausgefunden.

Bereits der erste Kontakt ist tödlich. Insekten, die an die klebrigen Sekrete der fleischfressenden Südafrikanischen Taupflanze (Roridula gorgonias) geraten, verheddern sich in einer fein abgestuften Hierarchie klebriger Tentakel. Wie die Härchen zusammenwirken, um sich der Beute zu bemächtigen, hat eine Gruppe um Stanislav Gorb vom Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart geklärt. Ihre Resultate stehen im "Journal of Experimental Biology".

Demzufolge gibt es auf den Blättern gleich drei Arten von Drüsenhaaren: lange dünne von 3,3 bis 5 Millimeter Länge, mittellange (1 bis 2,4 Millimeter) und kurze dickere (0,3 bis 0,7 Millimeter). Die Stärke des Klebers nimmt von den langen bis herab zu den kurzen Härchen zu. Bei den kürzesten Härchen ist der biologische Kleister gar viermal stärker als die Paste auf Fliegenpapier, heißt es in dem Journal. Dieser Bio-Kleber hält einer Kraft von 156 Kilopascal stand. Die Forscher vermuten, dass die Pflanze ihre Opfer mit den verführerisch glitzernden Sekrettropfen locken. "Zuerst streifen diese die langen Haare und haften daran. Bei dem Versuch sich zu befreien, verbiegen sie diese und ziehen das Klebesekret in lange Fäden", erklärt Max-Planck-Forscherin Dagmar Voigt. Dadurch berühren die Insekten zunehmend mittellange Haare und verfangen sich mehr und mehr. Gleichzeitig werden ihre Bewegungen durch die dämpfenden Eigenschaften der Haare und der klebrigen Sekrete geschwächt.

Am Ende kommt die Beute schließlich in Kontakt mit dem besonders starken Klebstoff der kurzen, steifen Härchen. Sie halten das Opfer endgültig fest. "Ein solcher hierarchischer Aufbau pflanzlicher Klebefallen könnte möglicherweise auch Vorbild für neue künstliche Klebesysteme sein", erklärt die Wissenschaftlerin in einer Mitteilung. Die räuberischen Pflanzen können ihre Beute allerdings nicht selbst verdauen. Auf ihrer klebrigen Oberfläche leben jedoch Wanzen (Pameridea roridulae), die die festgeklebten Insekten aussaugen und von deren Ausscheidungen die Pflanze profitiert. Bereits vor einem Jahr präsentierten Gorb und seine Kollegen eine Erklärung dafür, warum Wanzen nicht ebenso hängenbleiben wie die Fliegen. Ihre ebenfalls im "Journal of Experimental Biology" vorgestellte Lösung: Die räuberischen Insekten sondern eine Art Schmiere ab, an der Pflanzenkleber nicht haftet.

Quelle: n-tv.de