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Möglicher Einsatz bei Epilepsie Korallenotter tötet mit einzigartigem Gift

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(Foto: imago/All Canada Photos)

Ihr Gift legt Rezeptoren im Gehirn lahm, die für Schmerzen oder Epilepsie beteiligt sind. Genau diese Eigenschaft der Korallenotter wollen sich Forscher nun zunutze machen und mithilfe des Schlagengifts das Hirn lahmlegen.

Korallenottern aus Süd- und Mittelamerika töten auf einzigartige Weise: Ihr Gift greift andere Nervenzell-Rezeptoren an als alle sonstigen bisher bekannten Gifte aus dem Tierreich, berichtet ein internationales Forscherteam in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Die Wissenschaftler hoffen, dass synthetisch hergestellte Varianten der Gifte bei der Untersuchung von Epilepsie, Schizophrenie oder chronischen Schmerzen helfen. An diesen Krankheiten ist der gleiche Rezeptor beteiligt. Jean-Pierre Rosso von der Aix-Marseille Université und seine Mitarbeiter untersuchten die Wirkung des Gifts unter anderem an isolierten Nervenzellen und an Mäusen. Sie fanden zwei Toxine, die sie in Anlehnung an den lateinischen Namen der Korallenotter, Micrurus mipartitus, Micrurotoxin 1 und 2 nannten (MmTX1, MmTX2).

Die Versuche zeigten, dass die Toxine auf GABA-A-Rezeptoren wirken, die im zentralen Nervensystem verbreitet sind. Die meisten anderen Schlangengifte wirkten hingegen auf Nikotinrezeptoren, schreiben die Forscher. "Was wir gefunden haben sind die ersten tierischen Toxine – und die bei weitem stärksten –, die GABA-A-Rezeptoren zum Ziel haben", erläutert Frank Bosmans, einer der beteiligten Forscher von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore. "Sobald sie einmal an den Rezeptor binden, lassen sie nicht mehr los."

Gift löst Zuckungen aus

GABA-Rezeptoren – die in den Varianten A und B vorkommen – binden normalerweise den Neurotransmitter γ-Aminobuttersäure (GABA). Wenn eine Nervenzelle gerade gefeuert hat – also ein Nervensignal weitergeleitet hat -, öffnen sich durch die Bindung von GABA in der Zellmembran Kanäle, durch die negativ geladene Chlorid-Ionen ins Innere der Zellen strömen. Dies ist nötig, damit die Nervenzelle später erneut feuern kann.

Die Bindung der Schlangengifte macht die Rezeptoren nun überempfindlich und stört die Regulierung der Chlorid-Kanäle, berichten die Forscher. Bei Mäusen folgten auf Injektionen des Gifts ins Gehirn auf Phasen geringerer Aktivität krampfartige Zuckungen. Störungen der Rezeptoraktivität spielen auch bei Epilepsie, Schizophrenie oder chronischen Schmerzen eine Rolle. Die Gifte könnten möglicherweise eingesetzt werden, um in Testsystemen Krampfanfälle auszulösen und dann Medikamente dagegen zu testen, hoffen die Forscher.

Quelle: ntv.de, lsc/dpa