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Dauerentzündungen der Gelenke Neuer Ansatz verhindert Rheuma-Schübe

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Der Begriff Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet ziehender, reißender Schmerz.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Geschwollene und schmerzende Gelenke sind typische Merkmale einer rheumatoiden Arthritis. Die Entzündungen, die nach und nach die Gelenke zerstören, verlaufen chronisch. Weshalb das Immunsystem falsch darauf reagiert, können Forscher nun erklären.

Eine rheumatoide Arthritis, umgangssprachlich auch als Gelenkrheuma bezeichnet, ist bisher nicht heilbar. Die oftmals in Schüben verlaufende Entzündung schädigt nach einer gewissen Zeit die Gelenke nachhaltig. Weil bisher nur wenig über die Ursachen der chronischen Erkrankung bekannt ist, machen sich Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg auf die Suche nach den Ursachen für den chronischen Verlauf der Krankheit.

Normalerweise lösen sich Entzündungen im Körper mit Hilfe des Immunsystems nach einer gewissen Zeit wieder auf. Beim entzündlichen Rheuma geschieht dies nicht. Die Forscher stellten zunächst fest, dass die sogenannten Angeborenen Lymphozyten, die zum Immunsystem gehören und von denen jeder Mensch ungefähr gleich viele besitzt, eine zentrale Rolle bei der Auflösung einer Entzündung spielen. Aus diesem Grund schauten sich die Forscher nun die Angeborenen Lymphozyten bei Rheumapatienten an und analysierten deren Gelenke, Knochen und Blutbestandteile.

Inaktive Angeborene Lymphozyten

"Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis befinden sich diese Angeborenen Lymphozyten in einer Art Winterschlaf. Die Entzündung bleibt daher bestehen. 'Weckt' man Angeborene Lymphozyten, kommt es zum Stopp der Entzündung und zur Beendigung der Schädigung am Gelenk", erklärt Dr. Andreas Ramming, der die Studie leitet. Die Forscher konnten zudem den Botenstoff "Interleukin 9" als Wecker für die inaktiven Angeborenen Lymphozyten identifizieren. Die Entdeckung dieses wichtigen Mechanismus könnte zu einem völlig neuen Ansatz der Behandlungsmethoden bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen führen.

"Schon jetzt kann mit Hilfe eines von uns entwickelten Bluttests die Anzahl der aktiven Angeborenen Lymphozyten im Blut bestimmt werden", erläutert Ramming n-tv.de. Anhand der Anzahl der aktiven Angeborenen Lymphozyten im Blut des Patienten lässt sich eine Prognose über den weiteren Krankheitsverlauf erstellen. Sind weniger als zehn Angeborene Lymphozyten nachweisbar, dann ist ein Krankheitsschub wahrscheinlich und die Gelenke werden weiter geschädigt. Können dagegen mehr als zehn Angeborene Lympohzyten nachgewiesen werden, dann löst sich höchstwahrscheinlich die Entzündung auf und ein Schub bleibt aus. Allerdings wird der Bluttest bisher nur für den Forschungsbereich angewendet.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachjournal "Nature Medicine".

Quelle: ntv.de, jaz