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Durchbruch in China Neues Alzheimer-Medikament entwickelt

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Wissenschaftlerin Geng Meiyu und ihr Team stellten das neue Medikament in Shanghai vor,

(Foto: imago images/Xinhua)

Etwa 50 Millionen Menschen weltweit leiden an Demenz. Ein Team in Shanghai entwickelt ein neues Medikament, das auf Algen basiert, und erzielt bislang herausragende Ergebnisse in einer klinischen Studie. Jetzt kommt das Mittel auf den Markt.

Ein Medikament, das dem Fortschreiten der Krankheit Alzheimer entgegenwirkt, ist in China von den zuständigen Behörden genehmigt worden. Darüber berichtet CNN unter Berufung auf einen Artikel in dem Magazin "Cell Research". Es ist seit 17 Jahren das erste neue Medikament gegen die Krankheit, das auf den Markt gebracht wird.

Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz (AD) ist eine seit mehr als 100 Jahren beschriebene Erkrankung, deren eigentliche Ursache trotz großer Anstrengungen noch immer nicht bekannt ist. Sie macht zwei Drittel aller Demenzerkrankungen aus. Aktuell wird von mehr als 30 Millionen Erkrankten weltweit ausgegangen. Neueste Hochrechnungen zeichnen ein dramatisches Szenario mit 106 bis 360 Millionen Erkrankten im Jahr 2050.

Diese neurodegenerative Erkrankung beginnt schleichend bereits im Alter von 45 bis 50 Jahren. Erst 20 bis 30 Jahre später finden sich die klinischen Symptome im Alltag. Es kann damit beginnen, dass man im Kaufhaus steht und plötzlich nicht mehr aus den Ausgang findet oder den Einkauf an der Kasse stehen lässt. Bereits geringe Störungen des Gedächtnisses, die erstmalig auftreten, können Vorboten dieser Erkrankung sein.

Oligomannat heißt das Medikament, das auf Algen basiert und zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Erkrankung eingesetzt werden soll, heißt es in einer Erklärung der chinesischen Arzneimittelbehörde. Das Medikament ist unter einer Bedingung zugelassen worden: Es kann zwar, noch während klinische Studien dazu laufen, eingesetzt werden, wird allerdings streng überwacht und kann sofort zurückgezogen werden.

Die Wissenschaftlerin Geng Meiyu und ihr Team hatten das Medikament am Shanghai Institute of Materia Medica entwickelt. Menschen, die regelmäßig Algen verzehren, erkranken seltener an Alzheimer. Diese wissenschaftliche Erkenntnis hatte die Forscher inspiriert, sich mit den Inhaltsstoffen des Lebensmittels zu befassen. In "Cell Research" beschrieb Gengs Team, wie ein im Seetang enthaltener Zucker bestimmte im Darm enthaltene Bakterien unterdrückt, die zu neuronaler Degeneration und Entzündungen des Gehirns führen können, was wiederum zu Alzheimer führt.

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Studie mit 818 Menschen

Dieser Mechanismus wurde in einer klinischen Studie von Green Valley, einem in Shanghai ansässigen Pharmaunternehmen, das das neue Medikament auf den Markt bringen wird, bestätigt. Die Studie wurde an 818 Patienten durchgeführt und ergab, dass Oligomannat, das aus Braunalgen gewonnen wird, die kognitive Funktion bei Menschen mit Alzheimer in nur vier Wochen statistisch verbessert. "Diese Ergebnisse fördern unser Verständnis der Mechanismen, die eine Rolle bei der Alzheimer-Krankheit spielen und implizieren, dass das Darmmikrobiom wichtig für die Entwicklung von Behandlungen ist", sagte der Neurologe Philip Scheltens, der Green Valley berät und das Alzheimer Center Amsterdam leitet.

Das Unternehmen teilte mit, dass das Medikament Oligomannat "sehr bald" in China erhältlich sein wird. Derzeit werde außerdem die Zulassung für die Vermarktung im Ausland angestrebt, wobei geplant ist, Anfang 2020 klinische Studien der dritten Phase in den USA und Europa durchzuführen.

50 Millionen Menschen weltweit an Demenz erkrankt

Die Alzheimer-Krankheit, die mit Gedächtnisverlust beginnt und sich zu schweren Hirnschäden entwickelt, soll laut Weltgesundheitsorganisation 60 bis 70 Prozent der weltweit gemeldeten Demenzfälle verursachen. Von Demenz sind schätzungsweise 50 Millionen Menschen weltweit betroffen, darunter 9,5 Millionen Menschen auf dem chinesischen Festland, in Hongkong und Taiwan.

Der Neuropathologe Alois Alzheimer entdeckte die Krankheit erstmals 1906 und hielt seine Beobachtungen schriftlich fest. Der erste Mensch, der demnach mit Alzheimer diagnostiziert wurde, ist Auguste Deter.

Die Pharmaunternehmen Johnson & Johnson, Merck, Pfizer und Eli Lilly haben zuvor alle Studien zur Entwicklung eines Medikaments gegen Alzheimer nach nicht überzeugenden klinischen Daten eingestellt.

Quelle: n-tv.de, joh

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