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Fragen und Antworten Nieren- und andere Organspenden

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Hier wird einem Spender eine Niere entnommen, die für eine Transplantation vorgesehen ist.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie ist das mit Organspenden? Wie alt darf das Spenderorgan sein? Spielt die Blutgruppe eine Rolle? Und wie gut lässt es sich mit einer Niere leben? Prof. Dr. med. Werner Lauchert von der Deutschen Stiftung für Organtransplantation steht n-tv.de Rede und Antwort.

n-tv.de: Spielt das Alter des Spenders bei einer Organspende eine Rolle?

Werner Lauchert: Nein, das Alter spielt grundsätzlich keine Rolle. Der Spender muss in einem guten Gesundheitszustand sein. Dies sollte durch eingehende medizinische Untersuchungen gesichert sein. Er muss zwei normal funktionierende Nieren haben.

Welche Voraussetzungen müssen denn erfüllt sein, damit für einen Organempfänger überhaupt ein bestimmter Spender in Frage kommt?

Die so genannte Kreuzprobe muss negativ sein. Das bedeutet, dass das Serum, also die Blutflüssigkeit des Empfängers im Labortest nicht mit den weißen Blutkörperchen des Spenders reagieren darf. Die weißen Blutkörperchen des Spenders stehen bei diesem Test stellvertretend für die zu spendende Niere.

Müssen nicht Spender und Empfänger die gleiche Blutgruppe haben?

Die Blutgruppe muss nicht unbedingt übereinstimmen. Bei bestehender Inkompatibilität besteht inzwischen die Möglichkeit der Vorbehandlung des Empfängers.

Und die Spenderniere funktioniert dann jahrzehntelang?

50 Prozent aller transplantierten Nieren funktionieren 15 Jahre. Es kann aber auch sein, dass der Empfänger 40 Jahre mit der "neuen" Niere lebt. Das hängt unter anderem davon ab, wie gut die transplantierte Niere vom Körper des Empfängers angenommen wird und ob es immunologische Probleme gibt.

Wie gut lässt es sich mit nur einer Niere leben?

In aller Regel kann der Spender nach der Entfernung einer Niere sein Leben ganz normal weiterführen. Die verbliebene Niere übernimmt weitgehend die Funktion der entfernten Niere. Aber natürlich hat die Entfernung der Spenderniere wie jede Operation gewissen Risiken: Frühkomplikationen wie Wundinfekte, Blutungen, Thrombosen, Lungenembolien und Lungenentzündungen können auftreten. Schwerwiegende Komplikationen treten bei rund einem Prozent der Fälle auf. Das Risiko, an einer Nierenentfernung zu versterben, beträgt 0,03-0,06 Prozent.

Und auf lange Sicht?

Auf lange Sicht kann die Entfernung einer Niere zu Komplikationen wie zum Beispiel einem Narbenbruch führen. In Einzelfällen kann es zu einer gering vermehrten Eiweißausscheidung über die verbliebene Niere kommen. Eine erhöhte Rate an Nierenerkrankungen ist nach den derzeitigen Erkenntnissen jedoch nicht damit verbunden. Im extrem seltenen Fall einer schweren Erkrankung der verbliebenen Niere (Tumor, schwere Verletzung) kann möglicherweise beim Spender die Dialysenotwendigkeit eintreten. Ob eine Nierenspende das Risiko für den Bluthochdruck erhöhen kann, wird derzeit diskutiert.

Wie lange ist man nach der Spende einer Niere arbeitsunfähig?

In der Regel etwa zwei bis drei Wochen. Das ist vom Heilungsverlauf abhängig.

Wie lange muss man auf eine Spenderniere warten, wenn niemand aus dem persönlichen Bekanntenkreis als Spender zur Verfügung steht?

Bei einer postmortalen Nierenspende, also der Spende der Niere eines Verstorbenen, beträgt die Wartezeit rund fünf Jahre. Ist eine Nierenlebendspende durchführbar, wird die Wartezeit auf das Organ also erheblich verkürzt. So beugt man den gesundheitlichen Verschlechterungen durch eine jahrelange Dialyse vor. Eine solche Lebendspende ist aber nach dem deutschen Transplantationsgesetz nur unter nah verwandten und in einer engen  persönlichen Beziehung stehenden Menschen möglich.

Die Fragen stellte Andrea Schorsch

Quelle: n-tv.de

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