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Prostatakrebstests in den USA Patienten unnötig behandelt

Hunderttausende Männer in den USA sind unnötig gegen Prostatakrebs behandelt worden, seit 1987 ein Routine- Bluttest für das Karzinom eingeführt worden ist. Das zumindest schließen Mediziner aus der Analyse von Daten des Nationalen Krebsinstituts der USA. Gilbert Welch vom medizinischen Dienst des US-Kriegsveteranenministeriums und sein Kollege Peter Albertsen von der Universität von Connecticut nähren damit die Zweifel am Wert des sogenannten PSAScreenings.

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Durch den Bluttest werden auch Tumore entdeckt, die sich für ihren Träger nie zu einem Problem entwickelt hätten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der PSA-Test weist im Blut das Prostata-spezifische Antigen (PSA) nach, ein Eiweiß, das zur Verflüssigung des Samens dient. Bei einem Karzinom ist die PSA-Konzentration im Blut in der Regel erhöht. Allerdings kann sie auch aus vielen anderen Gründen wie Entzündungen, gutartigen Wucherungen oder einfach nur Druck auf die Prostata erhöht sein. Ziel des Screening ist, Prostatakarzinome möglichst früh zu entdecken, wenn die Heilungschancen noch gut sind. Der Nutzen des PSA-Tests ist aber schon länger umstritten.

1,3 Millionen zusätzliche Diagnosen

Seit Einführung der Routine-Vorsorgeuntersuchung (Screening) mit dem PSA-Test sei die Zahl der Prostatakrebs-Diagnosen in den USA um die Hälfte gestiegen, erläutert Welch. So erhielten im Untersuchungszeitraum von 1986 bis 2005 insgesamt 3,7 Millionen Männer die Diagnose Prostatakrebs - rund 1,3 Millionen mehr als nach der Häufigkeit in den Vorjahren erwartet. Ein derart drastischer Anstieg bei der Krebshäufigkeit lässt sich ausschließen. Das heißt, es werden mit dem PSA-Test auch reihenweise langsam wachsende Tumore gefunden, die für ihren Träger niemals zu einem Problem geworden wären. "Angesichts der erheblichen Zeit, die seit der Einführung des PSA-Screenings verstrichen ist, müssen die meisten dieser zusätzlichen Fälle Überdiagnosen sein”, schreiben Welch und Albertsen im ”Journal of the National Cancer Institute”.

Da es derzeit aber keinen Weg gibt, problematische von unproblematischen Karzinomen zu unterscheiden, wurden alle Betroffenen behandelt – und damit viele hunderttausend unnötigerweise. "Alle überdiagnostizierten Patienten werden unnötig den Schwierigkeiten der Behandlung, den finanziellen Konsequenzen und der Angst als Krebspatient ausgesetzt”, betonen die Autoren. Besonders stark seien die Diagnosen bei jüngeren Männern gestiegen. Bei den unter 50-Jährigen habe sich die Diagnose Prostatakrebs mehr als versiebenfacht, von 13 auf 94 Fälle pro einer Million Männer.

Wenig Belege für lebensrettende Wirkung

Die Screening-Praxis habe sich ausgebreitet, obwohl es nur wenig Belege für eine lebensrettende Wirkung gebe, schreibt der Chef der Amerikanischen Krebsgesellschaft, Otis Brawley, in einem Begleitkommentar. Zwar sei die Prostatakrebs-Sterberate seit den frühen 1990er-Jahren gesunken, die Gründe dafür seien aber nicht ausreichend geklärt. Dringend gebraucht werde eine Methode, um Karzinome zu erkennen, die in andere Organe streuen werden, und sie von solchen zu unterscheiden, die in der Prostata bleiben werden. In Deutschland werden derzeit rund 58.000 Prostatakarzinome pro Jahr diagnostiziert, etwa 11.000 Männer sterben an dem Krebs.

Quelle: ntv.de, dpa