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Neuer Wirkstoff entdecktPilze gegen Kartoffelfäule

13.02.2010, 12:24 Uhr

Weltweit verursacht "Phytophthora infestans" Ernteeinbußen von etwa 20 Prozent. Die Substanz eines einheimischen Pilzes könnte nun die Kartoffelfäule aktiv bekämpfen.

kartoffelfaeule
Über die Blätter gelangt die Fäule in die Knolle. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Wissenschaftler des Leibniz-Institutes für Pflanzenbiochemie in Halle haben nach eigenen Angaben einen neuen Wirkstoff gegen die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln entdeckt. Dazu wurden aus heimischen Pilzen Substanzen isoliert, die stark antibiotisch gegen den Erreger (Phytophthora infestans) wirken. Der gehört zur Klasse der Oomyceten, einer Übergangsform zwischen Braunalgen und Pilzen. Die Giftproduzenten gehören zur Pilzgattung der Schnecklinge. Diese sind in heimischen Wäldern wie dem Harz häufig zu finden. Die Stoffgruppe ist für die Entwicklung neuer Agrochemikalien zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule besonders interessant. Die Resultate sind im "Journal of Agricultural and Food Chemistry" veröffentlicht (Bd. 57, Nr. 20, S. 9607).

Die neuen Naturstoffe gehören zur Gruppe der Oxocrotonatfettsäuren. Den Befunden nach hemmen die Wirkstoffe in starkem Maße die Sporenkeimung, aber auch das Myzelwachstum des Erregers. Dies wurde zunächst im Reagenzglas und später auch an Pflanzen demonstriert. So wiesen Kartoffelpflanzen, deren Blätter man mit einer bestimmten Menge an Oxocrotonatfettsäuren spritzte und anschließend mit Sporen von Phytophthora infizierte, keinerlei Krankheitszeichen der Kraut- und Knollenfäule auf. Auf die Pflanzen selbst hatte der Wirkstoff, auch in hohen Konzentrationen, keinen negativen Effekt.

Bräunliche Flecken an den Blättern

Erste Anzeichen eines Phytophthora-Befalls zeigen sich durch bräunliche Flecken an den Kartoffelblättern. Im Laufe der Infektion verfaulen oder vertrocknen die Blätter und fallen schließlich ab. Gelangen Sporen bei Regen in den Boden, befallen sie auch die Knollen, deren Fleisch sich blau-grau verfärbt und ungenießbar wird. Wenn Phytophthora in den Knollen überwintert, kann eine einzige infizierte Knolle, im Frühjahr ausgebracht, den gesamten Kartoffelbestand vernichten. Weltweit verursache der Erreger Ernteeinbußen von etwa 20 Prozent.

Besonders dramatisch waren die Folgen Mitte des 19. Jahrhunderts in Irland, als der Erreger über mehrere Jahre hinweg die Kartoffelernte zerstörte. Das löste eine Hungersnot aus, bei der etwa eine Millionen Iren starben. Weitere zwei Millionen nach Amerika auswanderten.

Quelle: dpa