Überhaupt nicht langweilig: Kartoffeln für die ganze Welt
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Von wegen typisch deutsch! Wer bei Kartoffeln an langweilige Sättigungsbeilagen denkt, ist auf dem Holzweg. Ob in Peking ...Bild 1 von 90 ... oder Pakistan, ...Bild 2 von 90 ... in Kanada, ...Bild 3 von 90 ... Kabul ...Bild 4 von 90 ... oder im Kosovo, ...Bild 5 von 90 ... auf der ganzen Welt werden Kartoffeln angebaut und gegessen.Bild 6 von 90 Für die Generalversammlung der Vereinten Nationen war das Grund genug, 2008 zum Internationalen Jahr der Kartoffel zu erklären.Bild 7 von 90 Es gab ein IYP-Sekretariat, das bei der FAO, der Welternährungsorganisation, angesiedelt war. Wofür IYP steht? Natürlich für International Year of the Potato.Bild 8 von 90 Lächerlich? Keineswegs. Die UN wollten so auf die wichtige Rolle der Kartoffel als Grundnahrungsmittel aufmerksam machen.Bild 9 von 90 Kartoffeln werden weltweit auf geschätzten 195.000 Quadratkilometern angebaut. Die bescheidene Knolle sei unter den Ackerfrüchten auf Platz vier, heißt es auf der damals eingerichteten Website potato2008.org.Bild 10 von 90 315 Millionen Tonnen Kartoffeln werden jährlich geerntet, mehr als die Hälfte davon in ärmeren Ländern. Die FAO sieht Kartoffeln als "wichtiges Element" im Kampf gegen Unterernährung und Hunger. Das Bild zeigt einen Imbiss in Pjöngjang (Nordkorea).Bild 11 von 90 "Die Kartoffel produziert schneller nahrhafteres Essen, auf weniger Land und unter härteren klimatischen Bedingungen als jede andere Anbaupflanze", informiert die IYP-Website.Bild 12 von 90 Da ist es kein Wunder, dass die Produktion von Kartoffeln weltweit zugenommen hat: in den letzten zehn Jahren um jeweils etwa 4,5 Prozent. Während der Kartoffelkonsum in Europa allerdings rückläufig ist, legen Schwellen- und Entwicklungsländer zu.Bild 13 von 90 2006 haben die Länder des Südens die reicheren Länder bei der Kartoffelernte erstmals überholt. Heute werden fast ein Drittel aller Kartoffeln in China und Indien geerntet.Bild 14 von 90 Noch liegt Europa (inkl. Russland; das Bild stammt aus Weißrussland) beim Pro-Kopf-Konsum weit vorn. 2005 aßen die Europäer im Durchschnitt 96,15 Kilogramm Kartoffeln. In Nordamerika waren es 57,94 Kilo, in Asien (inkl. Australien und Ozeanien) nur 25,83 Kilo.Bild 15 von 90 Dennoch wurde insgesamt fast die Hälfte der weltweiten Kartoffelproduktion in Asien verspeist.Bild 16 von 90 Ursprünglich kommt die Kartoffel aus Südamerika. Die vermutlich ältesten Spuren stammen von der chilenischen Insel Chiloé und sollen rund 15.000 Jahre alt sein.Bild 17 von 90 Möglicherweise schon im 7. Jahrtausend vor Christus entdeckten die Bewohner der Anden die Kartoffel als Nahrungsmittel.Bild 18 von 90 Nach Europa kam die Kartoffel um 1560 mit den Spaniern, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Anden auf Kartoffeln gestoßen waren.Bild 19 von 90 Ein Spanier berichtete nach einer der ersten Anden-Expeditionen von "Pflanzen mit wenigen blassvioletten Blüten und mehligen Wurzeln", die "von angenehmem Geschmack" seien.Bild 20 von 90 In Quechua, der Sprache der Inka, hieß die Kartoffel "papa". Diesen Namen trägt die Kartoffel in Südamerika noch heute. Übersetzt heißt "Papa" schlicht Knolle.Bild 21 von 90 Die in Spanien verbreitete Bezeichnung "patata" wurde von vielen europäischen Sprachen übernommen. Auch in Deutschland wurden die Erdäpfel zunächst "Batate" genannt.Bild 22 von 90 Im 17. Jahrhundert setzte sich jedoch die Bezeichnung "Kartoffel" durch. Der Name leitet sich ab von im italienischen Wort für Trüffel, tartufolo - wie Trüffel müssen Kartoffeln aus dem Boden gezogen werden.Bild 23 von 90 Andere im Deutschen gebräuchliche Bezeichnungen waren bzw. sind Erdapfel, Herdapfel, Erdbirne, Grundbirne und Erdtoffel.Bild 24 von 90 Noch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts tauchte die Kartoffel in anderen europäischen Ländern auf: in Portugal, Frankreich und Italien, in England, Irland und Schottland, 1588 in Wien, später auch in den Niederlanden und in Deutschland.Bild 25 von 90 Ihren lateinischen Name erhielt die Kartoffel von einem Schweizer Botaniker. Caspar Bauhin nannte die Pflanze "Solanum tuberosum esculentum", zu Deutsch: essbarer knolliger Nachtschatten.Bild 26 von 90 Die Europäer sahen in der Kartoffel zunächst weniger eine Nutzpflanze als eine botanische Besonderheit. Den Adeligen gefielen vor allem die zarten Blüten der Kartoffelpflanze.Bild 27 von 90 Kartoffeln fanden daher nicht im Gemüsebeet, sondern in botanischen Gärten ihren Platz. Dort ergötzte man sich am Duft der "Patata" - feine Nasen erkennen, dass Kartoffelblüten ein Vanille-Aroma ausströmen.Bild 28 von 90 Königin Marie-Antoinette (1755-1793) trug mit Vorliebe einen Kranz von Kartoffelblüten im Haar. Der preußische Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ die "bezaubernde Pflanze" in seinem Lustgarten anbauen.Bild 29 von 90 Wenn Kartoffelfrüchte gekostet wurden, dann waren es nicht selten die oberirdischen Kartoffeläpfel. Diese jedoch sind giftig - ein Umstand, der bei der Verbreitung der Kartoffel als Nutzpflanze nicht gerade half.Bild 30 von 90 In Deutschland wurden die ersten Kartoffeln einer Legende zufolge in Oberfranken angebaut, genauer: in Pilgramsreuth, einem Dorf nahe der Stadt Rehau. Dort steht heute ein Denkmal für Hans Rogler. 1647 soll er als erster deutscher Bauer Kartoffeln in die Erde gelegt haben.Bild 31 von 90 Dennoch ist die Verbreitung der Kartoffel in Deutschland vor allem mit dem preußischen König Friedrich dem Großen verbunden. Er setzte die Erdäpfel mit Zwang und Propaganda bei seinen Bauern durch, denn er wusste: ...Bild 32 von 90 ... Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich.Bild 33 von 90 Der Legende nach ließ Friedrich von seinen Soldaten Kartoffelfelder anlegen. Um die Neugier der Bauern zu wecken, wurden die Felder rund um die Uhr streng bewacht. Wenn Bauern kamen, um sich die Pflanzen näher anzuschauen oder gar ein paar Kartoffeln zu stehlen, ...Bild 34 von 90 ... schauten die Soldaten weg. Allein mit List konnte Friedrich die brandenburgischen Bauern jedoch nicht überzeugen. Der König schimpfte mit seinen Bauern: "Kerls, ihr sollt mehr Kartoffeln anbauen, Preußen soll Kartoffeln essen, das ist was Gutes!"Bild 35 von 90 1756 erließ er seinen ersten "Kartoffelbefehl". Darin hieß es: "Wo nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden, da diese Frucht nicht allein sehr nützlich zu gebrauchen, sondern auch dergestalt ergiebig ist, ...Bild 36 von 90 ... dass die darauf verwandte Mühe sehr gut belohnt wird." Schlechte Getreideernten in den Jahren 1770 und 1771 halfen bei der Verbreitung der Kartoffel in Deutschland.Bild 37 von 90 Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Image der Kartoffel, das "Brot der Armen" zu sein. Damit waren auch die Blüten der Kartoffel nicht mehr attraktiv; die Kartoffelpflanzen verschwanden aus den botanischen Gärten.Bild 38 von 90 Doch die Kartoffel schaffte den sozialen Aufstieg. "Morgens rund, mittags gestampft, abends in Scheiben, dabei soll's bleiben", rühmte Johann Wolfgang Goethe die Knolle.Bild 39 von 90 Und Henriette Davidis schrieb in ihrem legendären Kochbuch von 1844, eine "schmackhafte Kartoffelspeise" sei "manchem lieber als ein feines Gericht".Bild 40 von 90 Als Arme-Leute-Essen war die Kartoffel nirgends so erfolgreich wie in Irland. Schon im 17. Jahrhundert löste sie dort Getreide als wichtigstes Grundnahrungsmittel ab.Bild 41 von 90 Die Kartoffel war billiger, ertragreicher und weniger aufwändig in der Zubereitung. Für Irland schien die Kartoffel das ideale Nahrungsmittel zu sein: Kartoffeln sind relativ anspruchslos und gedeihen praktisch überall.Bild 42 von 90 Allerdings sind Kartoffeln auch anfällig für Schädlinge (wie den Kartoffelkäfer) ...Bild 43 von 90 ... und Pilze, die im feuchten, windigen Klima Irlands ideale Bedingungen vorfanden. Die Kraut- und Knollenfäule sorgte Mitte des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern Europas für eine Reihe von Missernten.Bild 44 von 90 In Irland waren die Folgen besonders verheerend. Die Untätigkeit der britischen Regierung war ebenso groß wie die Abhängigkeit der Landbevölkerung von der Kartoffel.Bild 45 von 90 Der britische Premier Russell war ein Anhänger des "laissez-faire" - heute würde man sagen: ein radikaler Neoliberaler. Er glaubte, dass "Almosen" nur dazu führen würden, den Willen der Armen zur Selbsthilfe zu lähmen.Bild 46 von 90 In der großen Hungersnot zwischen 1846 und 1849 starben etwa eine Million Menschen. Wer konnte, wanderte aus. Rund 1,5 Millionen Iren gingen in die USA, nach Kanada, Australien oder England.Bild 47 von 90 Der bereits erwähnte Kartoffelkäfer kommt ursprünglich übrigens aus den USA.Bild 48 von 90 Anders als von der DDR-Propaganda 1950 behauptet, war der Kartoffelkäfer jedoch keine Waffe der USA im Kalten Krieg. Er wurde bereits im 19. Jahrhundert nach Europa eingeschleppt.Bild 49 von 90 Anfang der 1950er Jahre hatte in Westdeutschland jeder Einwohner pro Jahr noch sage und schreibe 170 Kilo Kartoffeln gegessen, Ende der 1960er waren es immerhin noch 102 Kilo. Das war die große Zeit der "Sättigungsbeilage".Bild 50 von 90 Heute liegt der bundesweite Verbrauch pro Kopf und Jahr bei weniger als 70 Kilo.Bild 51 von 90 Regional ist die Vorliebe für Kartoffeln in Deutschland unterschiedlich. Im Nordwesten isst man lieber fest kochende Sorten wie "Linda", "Nicola" und "Sieglinde", in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Thüringen und Sachsen ...Bild 52 von 90 ... sind es die vorwiegend fest kochenden Sorten wie "Solara", "Satina" und "Secura". Mehlige Kartoffeln (zum Beispiel "Adretta", "Afra", "Aula" und "Likaria") werden vor allem in Ostdeutschland gern gegessen.Bild 53 von 90 Insgesamt werden in Ostdeutschland mehr Kartoffeln verspeist als im Westen, im Norden mehr als im Süden. Am seltensten kommen Kartoffeln in den Haushalten von Baden-Württemberg und Bayern auf den Tisch.Bild 54 von 90 Die Bedeutung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel zeigt sich auch in der unglaublichen Sortenvielfalt - die allerdings durch die Massenproduktion schon wieder gefährdet ist.Bild 55 von 90 Immer wieder wurden neue Sorten entdeckt und gezüchtet. Heute sind über 5000 Sorten bekannt. Etwa 1000 davon werden weltweit angebaut. Für Aufregung sorgte in Deutschland das Unternehmen Europlant, ...Bild 56 von 90 ... als es den Sortenschutz für "Linda" zurückzog. Ein "Freundeskreis rettet die Linda" kämpft seither juristisch gegen Europlant, um die Kartoffelsorte zu erhalten.Bild 57 von 90 "Linda" wäre nicht die erste Kartoffelsorte, die aus den Geschäften verschwindet. Neben den bekannten Sorten wie "Sieglinde", "Granola", "Secura", "Solara", "Christa" oder "Nicola" gibt es eine Vielzahl weiterer Kartoffelsorten.Bild 58 von 90 Ende des 19. Jahrhunderts wurden bei einer Kartoffelausstellung mehr als 600 Sorten gezählt. Heute sind in Deutschland nur etwa 180 Sorten zugelassen.Bild 59 von 90 Viele davon sind verschwunden, andere sind noch heute zu bekommen - wenn auch nicht in jedem Supermarkt.Bild 60 von 90 Zum Beispiel die Bamberger Hörnchen.Bild 61 von 90 Diese alte festkochende Kartoffel ist vorzüglich als Salz- oder Pellkartoffel geeignet. Ihr einziger Nachteil ist ihre Form: Säubern oder schälen machen ein wenig mehr Arbeit. Aber es lohnt sich!Bild 62 von 90 Für manchen etwas gewöhnungsbedürftig sind blaue Kartoffeln wie zum Beispiel die schottische Blue Salad Potato.Bild 63 von 90 Diese festkochende Kartoffel aus Schottland ist auch von innen blau. Vom Geschmack her sind die Blue Salad Potatos weitaus weniger exotisch: eine leckere Kartoffel, die nicht nur als Salat, sondern auch als Salz- oder Pellkartoffel gegessen werden kann.Bild 64 von 90 Edzell Blue kommen auch aus Schottland. Sie sind jedoch nur außen blau. Die vorwiegend festkochende Knolle gilt als ertragreich und hat einen guten, "speckigen" Geschmack.Bild 65 von 90 Und so sehen die Blüten der Edzell Blue aus.Bild 66 von 90 Blaue Kartoffeln kommen nicht nur aus Schottland. Diese hier heißt Blauer Schwede, wird aber auch Blue Congo genannt.Bild 67 von 90 Natürlich gibt es auch rote Kartoffeln. Diese heißt ...Bild 68 von 90 ... Highland Burgundy, kommt aus Schottland und ist mehligkochend.Bild 69 von 90 Sehr lecker sind auch Roseval, eine festkochende französische Sorte von 1950. Ihre Schale ist glatt und elegant, ...Bild 70 von 90 ... ihre Blüte zauberhaft.Bild 71 von 90 Das gilt auch für die Sorte Kerkovske Rohlicky, ...Bild 72 von 90 ... eine würzige tschechische Kartoffel.Bild 73 von 90 Von Linda war bereits die Rede.Bild 74 von 90 Linda haben tiefgelbes Fleisch, sind festkochend und sehr lecker.Bild 75 von 90 Ein echter Klassiker ist auch diese Kartoffel: Sieglinde.Bild 76 von 90 Festkochend, kräftiger Kartoffelgeschmack, geeignet als Salat-, Salz- oder Pellkartoffel.Bild 77 von 90 Aus Bayern kommt Gusto.Bild 78 von 90 Immer wieder schön. Gusto sind festkochend, frühreifend und haben wie Sieglinde einen kräftigen Kartoffelgeschmack.Bild 79 von 90 Die Mandelkartoffel - auch Puikula genannt - kommt aus Lappland.Bild 80 von 90 Der Name der vorwiegend festkochenden Sorte kommt von den mandelähnlichen Knollen. Feinschmecker schätzen die Mandelkartoffel als Salz- oder Pellkartoffel.Bild 81 von 90 Der Red Duke of York hat seinen Namen nicht von der Farbe seiner Blüten, ...Bild 82 von 90 ... sondern von der Farbe seiner Schale. Im Geschmack ist die festkochende Knolle angenehm cremig, geeignet ist sie als Pürree- oder Salzkartoffel.Bild 83 von 90 Eine nahezu schwarze Schale haben die Shetland Black. Innen haben sie einen violetten Ring.Bild 84 von 90 Geeignet ist die mittelfrühe Sorte als Gratin-, Salz- oder Pellkartoffel.Bild 85 von 90 Aus Irland kommt die Sorte Epicure.Bild 86 von 90 Epicure sind vorwiegend festkochend und haben einen milden, lieblichen Geschmack.Bild 87 von 90 Zum Schluss noch eine bayerische Sorte: Margit.Bild 88 von 90 Als süddeutsche Sorte ist Margit vorwiegend festkochend. Sie dürfte aber auch in anderen Teilen des Landes schmecken. Guten Appetit!Bild 89 von 90 Beim Bioland Bauernhof Karsten Ellenberg bedanken wir uns für die Bilder; dort sind die genannten Kartoffelsorten auch zu beziehen (www.kartoffelvielfalt.de).Bild 90 von 90
Überhaupt nicht langweiligKartoffeln für die ganze Welt