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Bei Symptomen schnell zum Arzt Legionellen sind in der Luft gefährlich

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Legionelle pneumophila - Insgesamt sind bisher 48 verschiedene Arten von Legionellen bekannt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit mindestens zwei Toten und mehr als 160 Infizierten ist der Ausbruch der Legionärskrankheit in Warstein einer der größten in der Geschichte Deutschlands. Noch immer Suchen Experten nach dem Ursprung der Erreger. Bürger sind verunsichert. Was Legionellen sind, wie sie in den menschlichen Körper gelangen und welche Maßnahmen schützen, erklärt Professor Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

n-tv.de: Was sind Legionellen?

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Das Bild zeigt Legionella pneumophila unter dem Elektronenmikroskop.

(Foto: picture alliance / dpa)

Tobias Welte: Legionellen sind winzig kleine Bakterien in Stäbchenform, die sich vor allem in feuchter, warmer Umgebung, wie in Schwimmbädern, Krankenhäusern oder Warmwasseranlagen vermehren. Sie können eine Infektion beim Menschen verursachen, wenn sie fein verstäubt in die Luft gelangen und von dort über den Atem vom Menschen aufgenommen werden. Allerdings kommt es erst bei einer Konzentration von 100.000 und 1.000.000 Legionellen in der Atemluft zu einer Infektion.

Welche Symptome entstehen?

Legionellen verursachen die sogenannte Legionärskrankheit. Sie dringen über die Atemluft tief in die Lunge ein und verursachen dort im schlimmsten Fall eine Entzündung. Die Inkubationszeit beträgt circa fünf Tage. Die Symptome der Legionärskrankheit, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, Luftnot und allgemeines Unwohlsein ähneln der einer Grippe. Bei Menschen mit Vorerkrankungen kann die Krankheit mit schweren Verläufen einhergehen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Bei Symptomen sollte man deshalb sofort zum Arzt gehen. Der kann mit einem Antigentest im Urin feststellen lassen, ob die Symptome von einer Legionellenpneumonie verursacht werden und die richtigen Mittel dagegen verschreiben. Die Legionellose, wie die Legionärskrankheit auch bezeichnet wird, ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Ist das Wasser, das mit Legionellen belastet ist, gefährlich?

Nein, ein mit Legionellen verseuchtes Wasser kann man sogar trinken, ohne dass ein Infektionsrisiko besteht. Um ganz sicher zu gehen, ist in Gebieten, die mit Legionellen zu tun haben, jedoch ratsam, das Wasser vorher abzukochen, denn Legionellen sterben bei Temperaturen zwischen 65 und 70 Grad Celsius.

Dennoch ist Wasser der Ursprung, um die Erreger zu verbreiten.

Richtig, aber Legionellen werden für den Menschen nur gefährlich, wenn sie sich in Aerosolen, also in Schwebeteilchen aus winzig kleinen Wassertröpfchen befinden. In dieser Form gelangen sie in die Atemluft und können sich kilometerweit verbreiten. Das passiert vor allem in Klimaanlagen, Luftbefeuchtern oder Whirpools mit heißem Wasser. Aber auch beim Duschen in Badezimmern, die über einen längeren Zeitraum nicht benutzt worden sind, zum Beispiel in Ferienhäusern mit Wasserboilern, können sich legionellenbelastete Aerosole bilden.

Wie kann ich mich schützen?

Besonders Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten sich vor einer Infektion schützen. Beim Duschen könnte man beispielsweise das warme Wasser für einige Minuten laufen lassen und währenddessen das Badezimmer verlassen. Klimaanlagen und Luftbefeuchter sollten unbedingt regelmäßig gereinigt und gewartet werden. Auch von Gartenschläuchen oder Rasensprengern,  die über längere Zeit nicht benutzt wurden und warmen Temperaturen ausgesetzt waren, könnte bei Benutzung eine hohe Ansteckungsgefahr mit Legionellen ausgehen. Von Mensch zu Mensch werden die Erreger aber nicht übertragen.

Mit Professor Tobias Welte sprach Jana Zeh

Quelle: n-tv.de

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