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Freitag, 08. Oktober 2010

Dritter Europäer bei langer ISS-Mission: Sojus-Kapsel beschädigt

Zum dritten Mal macht sich ein Europäer für eine Langzeitmission auf der Raumstation ISS bereit. Mitte Dezember sollte der Italiener Paolo Nespoli mit zwei anderen Raumfahrern startet - doch jetzt ist die Sojus-Kapsel beschädigt.

Die Astronauten Dimitri Kondratjew (Russland), Catherine Coleman (USA, NASA) und Paolo Nespoli (Italien, ESA, r) bei der Pressekonferenz im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen.
Die Astronauten Dimitri Kondratjew (Russland), Catherine Coleman (USA, NASA) und Paolo Nespoli (Italien, ESA, r) bei der Pressekonferenz im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen.(Foto: dpa)

Als dritter Europäer wird der italienische Astronaut Paolo Nespoli zu einer Langzeitmission zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Der für Mitte Dezember geplante Start der Mission mit dem Namen "Magisstra" wird sich aber wegen einer beschädigten Sojus-Kapsel verzögern. Möglicherweise könne noch in den Weihnachtstagen gestartet werden, es könne aber auch Anfang 2011 werden, sagte ESA-Missionsmanager Andreas Schön bei der Vorstellung der Expedition beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen bei München.

Verzögerung von zehn Tagen bis zwei Monaten

Beim Transport zum Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan sei die Kapsel verrutscht, dabei sei das Hitzeschild verschoben worden, sagte Schön. Er rechne je nach Reparaturmaßnahmen mit einer Verzögerung von zehn Tagen bis zwei Monaten.

Nespoli, der mit dem russischen Kosmonauten Dmitri Kondratjew und der NASA-Astronautin Catherine Coleman zur ISS fliegen wird, ist nach dem Deutschen Thomas Reiter und dem Belgier Frank De Winne der dritte Europäer auf Langzeitmission auf der ISS. "Einen Europäer an Bord zu haben, ist wirklich wichtig für uns", sagte die ESA-Direktorin für bemannte Raumfahrt, Simonetta Di Pippo.

"Ich fühle mich bereit", sagte Nespoli, der sich zweieinhalb Jahre vorbereitet hat und schon 2007 für zwei Wochen auf der ISS war. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es keine Probleme mit Sojus geben wird", betonte er. Schließlich sei der Kosmonaut Kondratjew an Bord: "Er kennt Sojus in und auswendig."

Umfangreiches wissenschaftliches Programm

Nespoli hat ein umfangreiches wissenschaftliches Programm vor sich. Unter anderem wird er Strahlungseffekte mit Blick auf lange Raumflüge und das Schlafverhalten im All untersuchen - zur besseren Behandlung irdischer Schlafstörungen. Nespoli, der eine kleine Tochter hat, wird auch parallel zu Schulklassen auf der Erde Experimente mit Pflanzen machen. Auch wegen der Bildungsaufgaben bekam der Mission den Namen "Magisstra", eine Kombination aus ISS und dem lateinischen Wort für Lehrerin.

Bilderserie

Der genaue Starttermin ist nach dem Transportunfall mit der Sojus-Kapsel unklar. Entweder werde das Hitzeschild repariert oder eine Ersatzkapsel eingesetzt, sagte Missionsmanager Schön. In jedem Fall müssen die Teile nach Moskau gebracht werden. "Es gibt keine Möglichkeit, diese Reparatur in Baíkonur zu machen." Denn auch die Ersatzkapsel müsste noch mit der Trägerrakete verbunden werden. Der Vorfall habe nichts mit dem Sojus-Programm zu tun, betonte Schön. Es handele sich um einen Logistikfehler beim Entladen der Kapsel.

Quelle: n-tv.de