Wissen

Vorbild Schweden Sprit sparen im Segelflug

Die Luftfahrtbranche ist für drei Prozent der Emissionen verantwortlich. Mit langsamen Landungen können Flugzeuge jedoch Sprit und CO2 sparen. SAS macht es vor.

15334491.jpg

SAS experimentiert seit 2006 mit spritsparenden Landungen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

In 9000 Metern Höhe drosselt der Pilot plötzlich die Motoren. Der Airbus vom Typ A321 setzt zur Landung auf dem Stockholmer Flughafen Arlanda an - im Segelflug. Doch bei dem Manöver handelt es sich nicht um einen Notfall, weil das Kerosin ausgegangen wäre. Der gebremste Anflug soll der Chartergesellschaft Novair Treibstoff sparen helfen - und das klimaschädliche Fliegen ein wenig umweltverträglicher machen.

"Man hört, dass es viel ruhiger ist", sagt Mathias Klarowski, der an der Stockholmer Universität Luftfahrt studiert. "Die Landung ist sehr bequem, weniger ruckartig als sonst", kommentiert der 23-Jährige aus Deutschland, der an Bord des Airbus durch den klaren Winterhimmel gleitet. Flugkapitän Henrik Ekstrand spart mit der sanften Landung rund 300 Liter Kerosin - ein wichtiges Argument in der von Finanznöten geplagten Branche. Zehn Landungen mit gedrosselten Motoren ist Novair in den vergangenen Monaten geflogen.

Sanfter Anflug nicht nur billiger

Schweden ist ein Pionier im Bereich der umweltverträglicheren Flugtechnologien. Die skandinavische Fluggesellschaft SAS experimentiert schon seit 2006 mit Sprit sparenden Landeanflügen, der Stockholmer Flughafen Arlanda versucht seitdem, auch andere Gesellschaften für die Innovation zu gewinnen. Denn der sanfte Anflug ist nicht nur billiger und weniger klimaschädlich, er macht auch weniger Lärm am Boden. Allerdings dauert er ein wenig länger - ein Nachteil, den die Fluggesellschaften mit einer satellitengestützten Neuberechnung der Flugroute ausgleichen wollen.

Damit sei der innovative Anflug der klassischen Sprit schluckenden Landung sogar um drei bis vier Minuten überlegen, rechnen die Ingenieure vor. "Das ist der Beginn einer Evolution von einem System der Regeln zu einem System, das sich auf Effizienz stützt", sagt Lars Lindberg, Vorsitzender der schwedischen Firma Avtech, die die Technik entwickelt hat. Nur bei Turbulenzen oder schlechten Sichtverhältnissen sei es unvermeidbar, dass der Pilot mit der Kraft der Motoren in den Sinkflug eingreife.

"Natürlich könnte ich schneller fliegen", sagt SAS-Flugkapitän Ulf Martinsson. "Aber darin liegt ja gerade der Gewinn dieses neuen grünen Ansatzes: dass man langsamer fliegt." Mehr als 2000 langsame Landungen hat der Stockholmer Flughafen Arlanda seit Januar 2006 bereits gezählt, die meisten davon bei SAS. Doch auch manche andere europäischen Fluggesellschaften experimentieren mit der neuen Technik.

Ehrgeizige Ziele der Skandinavier

Vor dem Klimagipfel von Kopenhagen hatten die Mitglieder des internationalen Luftfahrtverbandes IATA versprochen, die Effizienz ihrer Flotten bis 2020 jährlich um 1,5 Prozent zu verbessern. Den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid wollen die Fluggesellschaften bis 2050 um die Hälfte gegenüber 2005 senken. Nach UN-Schätzungen ist die Luftfahrtbranche für drei Prozent der Emissionen verantwortlich, die die weltweite Klimaerwärmung verursachen.

Sanfte Landungen könnten da vermutlich helfen, die Bilanz und das Image der CO2-Schleudern zu verbessern. Zumindest die umweltbewussten Skandinavier haben sich ehrgeizige Ziele gesteckt: Bis 2012 sollen 80 Prozent aller Maschinen in Stockholm mit gedrosselten Motoren landen, lautet das Ziel der Flughafenmanager.

Quelle: n-tv.de, Marc Preel, AFP

Mehr zum Thema