Meniskus-Operation am KnieVerbreiteter chirurgischer Eingriff könnte nutzlos - und sogar schädlich sein

Operieren oder nicht? Diese Frage stellen sich alle, die die Diagnose Meniskusanriss oder -abriss bekommen. Eine aktuelle Studie, die einen Beobachtungszeitraum von zehn Jahren hat, gibt nun eine klare Antwort.
Eine weitverbreitete Operation am Knie nach einem Meniskusschaden hat langfristig keinen Nutzen. Das hat ein Forschungsteam der Universität Helsinki herausgefunden. Der Eingriff könnte nach Jahren sogar zu einer schlechteren Funktion des Knies und stärkerem Gelenkverschleiß im Vergleich zu nicht operierten Betroffenen führen, schreiben die Forschenden um den Orthopäden Teppo Järvinen im "New England Journal of Medicine".
Als Meniskus wird eine C-förmige, gummiartige Knorpelscheibe im Kniegelenk bezeichnet, die als Stoßdämpfer zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein dient. In jedem Knie befinden sich zwei Menisken. Schmerzen, Steifheit, Schwellungen, Schwierigkeiten beim Beugen des Knies oder ein Knirschen beziehungsweise Knacken sowie ein Blockadegefühl beim Bewegen können Hinweise auf eine Schädigung des Meniskus sein. Dieser wird durch Fachärzte mit speziellen Funktionstests und Magnetresonanztomografie diagnostiziert.
Bei der Operation handelt es sich um die sogenannte Teilmeniskektomie, bei der der eingerissene oder beschädigte Teil des Meniskus im Kniegelenk entfernt wird. Auf diese Weise sollen die schmerzverursachenden Teile entfernt und entstandene Kanten geglättet werden. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv mit einem Arthroskop, also einem medizinischen Instrument zur Gelenkspiegelung. Obwohl diese Eingriffe häufig durchgeführt werden, wird deren Nutzen, vor allem wenn die Schäden abnutzungsbedingt entstehen, immer häufiger kritisch diskutiert.
Um die Diskussionen mit wissenschaftlichen Befunden zu untermauern, hat das Forschungsteam insgesamt 146 Patienten und Patientinnen im Alter von 35 bis 65 Jahren aus fünf finnischen Krankenhäusern rekrutiert. Bei etwa einem Drittel war nach einer akuten Sportverletzung oder einer Kniegelenkverdrehung ein Meniskusriss diagnostiziert worden, während bei zwei Dritteln die Symptome allmählich auftraten. Die Betroffenen wurden per Zufallsprinzip entweder einer Meniskusoperation oder einer Scheinoperation zugeteilt, bei der zwar die für die Operation üblichen kleinen Schnitte gesetzt, aber keine Operation durchgeführt wurde.
Mehrere ungünstige Effekte
Zehn Jahre danach wurden die Probandinnen und Probanden erneut untersucht. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die sich einer Meniskusoperation unterzogen hatten, eine schlechtere Kniegelenkfunktion, ein stärkeres Fortschreiten der Arthrose und eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine nachfolgende Knieoperation aufwiesen. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass dies ein Beispiel für eine sogenannte medizinische Umkehrung sein könnte, bei der sich eine weitverbreitete Therapie als unwirksam oder sogar schädlich erweist", wird Järvinen von "The Guardian" zitiert.
Wer betroffen und verunsichert ist, sollte vor einer Operation unbedingt eine Zweitmeinung einholen und konkret nachfragen. Es gibt nämlich auch Meniskusschäden, vor allem nach Unfällen, bei denen ein schneller operativer Eingriff unvermeidlich ist. Auch wenn die konservative Therapie in Form von Physiotherapie nach mehreren Monaten nicht die erwarteten Effekte bringt, sollte man einen operativen Eingriff nicht ausschließen, raten Fachleute.