Wissen

Eintauchen in Virtual Reality Vibration erzeugt Laufgefühl, wenn man sitzt

ACHTUNG Frei nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie.jpg

(A) Systemübersicht. (B) Draufsicht auf das Vibrationssystem, bestehend aus vier Vibro-Wandlern. (C) Seitenansicht des Vibrationssystems. Die Schwingungsaufnehmer wurden mit Federn an einem Aluminiumrahmen befestigt, um die Übertragung von Schwingungen zu verhindern.

(Foto: TOYOHASHI UNIVERSITY OF TECHNOLOGY/dpa)

Bei Computerspielen kann man in virtuellen Welten unglaubliche Abenteuer erleben - aber auch ganz alltägliche Dinge neu erfahren. So auch das Gehen: Auch wenn man bewegungslos sitzt, kann man das Gefühl haben, zu gehen. Ein bestimmtes Verfahren, das auch Gehbehinderten helfen könnte, machts möglich.

In einer Computerspiel-Umgebung können Vibrationen an den Füßen Spieler glauben lassen, dass sie selber laufen - auch wenn sie bewegungslos auf einem Hocker sitzen. Damit dieser Eindruck entsteht, müssen sich die Spieler zudem in der Ich-Perspektive durch die virtuelle Welt bewegen, also die Welt quasi durch die Augen ihrer Spielfigur wahrnehmen. Dies berichten japanische Wissenschaftler um Yusuke Matsuda von der Toyohashi University of Technology (Japan) in der Fachzeitschrift "Frontiers in Virtual Reality". Sie hatten Probanden getestet, die sich dank einer Virtual-Reality-(VR-)Brille durch Kopfbewegungen in der virtuellen Welt umsehen konnten.

imago0094461506h.jpg

Sitzen und sich doch gefühlt fortbewegen: VR machts möglich.

(Foto: imago images/Westend61)

"Gehen ist eine alltägliche Aktivität und macht Spaß - daher lohnt es sich sehr, ein qualitativ hochwertiges Lauferlebnis in einem VR-Raum zu bieten", wird Yusuke Matsuda in einer Mitteilung der Fachzeitschrift zitiert. Über ein realistisches Geh-Erlebnis das komplette Eintauchen in eine virtuelle Welt zu ermöglichen, sei immer noch eine Herausforderung, betonen die Wissenschaftler. Sie entwickelten für ihre Versuche Fußstützen mit zwei Vibrationsplatten, eine im Bereich der Ferse, eine im Bereich des Ballens und der Zehen.

Vergleich Ich-Perspektive und Dritte-Person-Perspektive

Die 40 Teilnehmer der Tests teilten sie in zwei Gruppen auf: Die eine Gruppe konnte Beine und Arme in der Computerspielwelt nur sehen, wenn sie ihren Kopf entsprechend bewegte, oder in Spiegeln, die in der virtuellen Welt aufgestellt waren. Dies vermittelt eine Ich-Perspektive.

ACHTUNG Frei nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie.jpg

(A) Draufsicht auf die virtuelle Umgebung im Spiegelexperiment. (B) Darstellung einer Szene mit einem Ganzkörper-Avatar. (C) Avatare, die nur mit Händen und Füßen arbeiten.

(Foto: TOYOHASHI UNIVERSITY OF TECHNOLOGY/dpa)

Die andere Gruppe hatte den Avatar, also die Figur, die durch die virtuelle Welt läuft, vor sich. Die Probanden sahen dessen Rücken und liefen hinter ihm her (Dritte-Person-Perspektive). Bei jedem Schritt des Avatars vibrierten die Fußstützen. Nach jedem Durchgang mussten die Probanden per Fragebogen beurteilen, wie stark das Gefühl, war, selbst zu gehen, die Beine zu bewegen und in der Szene präsent zu sein (Telepräsenz).

"Unsere Studie hat gezeigt, dass ein wandelnder Avatar aus der Ich-Perspektive das Gefühl des Gehens verstärkt", sagt Matsuda. In der Dritte-Person-Perspektive funktionierte das nicht. Selbst wenn in der Ich-Perspektive von dem Avatar nur Hände und Füße zu sehen sind, ist das Gefühl stärker, als wenn man sich ganz ohne Avatar, wie schwebend, durch die virtuelle Welt bewegt, berichten die Wissenschaftler weiter.

Mehr zum Thema

Auch die Vibrationen an den Füßen trügen zum Geh-Erlebnis bei - wiederum nur in der Ich-Perspektive, nicht, wenn der Avatar vorneweg läuft. Sind die Vibrationen mit den Schritten des Avatars in der Ich-Perspektive synchronisiert, ist der Effekt stärker als wenn die Vibrationen asynchron zum Laufen zu spüren sind.

Viele könnten von Erfindung profitieren

Die Forscher sehen Anwendungsmöglichkeiten nicht nur für die Video- oder Computerspielszene. Auch Menschen mit Schwierigkeiten beim Gehen könnten ihrer Auffassung nach von der Erfindung profitieren, indem sie das Laufen erleben können.

"Außerdem ist die vorgeschlagene Methode für Personen ohne Mobilitätsproblemen einfach weniger ermüdend als das Bewegen der Beine selbst; deshalb können wir virtuelles Gehen für eine relativ lange Zeit problemlos erleben", betont Matsuda.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.