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Chronisches Erschöpfungssyndrom Virus könnte Auslöser sein

Ist eine Virusinfektion womöglich die Ursache des Chronischen Erschöpfungssyndroms? Diese Frage stellt sich angesichts der Resultate einer Untersuchung im Journal "Science". Forscher um Vincent Lombardi vom Whittemore Peterson Institut in Reno (USA) hatte Patienten mit der Diagnose "Chronische Müdigkeit" (Chronic fatigue syndrome, CFD) untersucht. Dabei fand sich bei 68 von 101 Patienten die Erbsubstanz des Virus XMRV (xenotropic murine leukemia virus-related virus). Hingegen wurde der Erreger nur in 8 von 218 Kontrollpersonen ohne diese Diagnose gefunden.

Infektiös für Blutzellen

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Bis jetzt ist die Ursache für das Chronische Erschöpfungssyndrom ungeklärt.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Das Virus erwies sich in Zellkulturen als infektiös für Blutzellen, es war erst vor drei Jahren bei Patienten mit Prostatakrebs entdeckt worden. Die Resultate bedeuteten jedoch nicht, dass mit dem Virus die Ursache der Krankheit gefunden sei, schreibt das Team. Es könnte sich auch in Folge der allgemeinen Schwächung des Immunsystems eingenistet und ausgeprägt haben. Diese Verbindungen müssten nun weiter untersucht werden. Immerhin zeige die Studie einen möglichen Anhaltspunkt zum Verständnis des Erschöpfungssyndroms.

CFD ist eine schwer fassbare und umstrittene Erkrankung, deren Ursache und Ablauf unklar ist. Häufig werden Patienten, die jahrelang müde und erschöpft sind, erst nach jahrelangen erfolglosen Tests mit der Diagnose CFS entlassen. Typisch ist neben der chronischen Erschöpfung ohne ersichtliche Ursache eine erhöhte Infektionsrate, die auf eine Störung des Immunsystems hindeutet.

Nach groben Schätzungen soll etwa jeder hundertste Mensch unter CFS leiden. "Es ist besonders interessant, dass das Virus auch in vielen Menschen ohne CFS-Symptomen zu finden war", kommentiert John Coffin von der Tufts-Universität in Boston (USA) die Ergebnisse in "Science". "Es wäre möglich, dass es mit vielen schon bekannten Krankheiten zusammenhängt."

Quelle: ntv.de, dpa