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Kein Wald, sondern Savanne im Tarangire-Nationalpark in Tansania.
Kein Wald, sondern Savanne im Tarangire-Nationalpark in Tansania.(Foto: imago/Anka Agency International)
Samstag, 18. November 2017

Streit unter Forschern: Wann ist ein Wald eigentlich ein Wald?

Es gibt deutlich mehr Wald auf der Welt als bislang gedacht: Mit dieser Aussage sorgen Forscher vor Kurzem für Aufsehen. Doch Kollegen schütteln den Kopf. Es gibt tatsächlich einen wissenschaftlichen Streit um den Begriff "Wald". Worum geht es dabei genau?

Wann ist ein Wald ein Wald? Um diese Frage dreht sich ein wissenschaftlicher Streit, der derzeit in der Fachzeitschrift "Science" ausgetragen wird. Ein halbes Jahr nach der Meldung, dass die globale Waldfläche knapp ein Zehntel größer sei als bisher angenommen, gibt es nun Kritik an der Zählweise: Wissenschaftler von vier Kontinenten um Daniel Griffith von der Oregon State University in Corvallis (Oregon, USA) machen vor allem geltend, dass in ungenügendem Maße zwischen Wald und Savanne unterschieden worden sei. Dies könne gefährliche Folgen haben.

Buchenmischwald im Biosphärenreservat Schorfheide (Brandenburg).
Buchenmischwald im Biosphärenreservat Schorfheide (Brandenburg).(Foto: imago/Rainer Weisflog)

Im Mai berichtete eine Forschergruppe um Jean-François Bastin von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dass es 4,67 Millionen Quadratkilometer mehr Wald auf der Erde gebe als bisher verzeichnet. Zum Vergleich: Indien ist etwa 3,3 Millionen Quadratkilometer groß.

Mithilfe von mehr als 210.000 hochauflösenden Bildern von Google Earth, die jeweils einen halben Hektar zeigen, bewerteten die Wissenschaftler um Bastin viele Landflächen neu, insbesondere im Bereich des Trockenwaldes. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die gesamte Fläche von Trockenwald ähnlich groß ist wie die Fläche des tropischen Regenwalds, die für das Jahr 2000 auf 1156 Millionen Hektar geschätzt wurde", schrieben die Forscher im Mai.

Viele unterschiedliche Waldtypen

Regenwald in Queensland, Australien.
Regenwald in Queensland, Australien.(Foto: imago/blickwinkel)

Grundsätzlich gibt es auf der Erde völlig unterschiedliche Waldtypen - von tropischen Regenwäldern über die Wälder gemäßigter Klimazonen wie in Mitteleuropa bis hin zu eben Trockenwäldern.

Griffith und Kollegen bemängeln nun, dass der größte Teil des neu klassifizierten Waldes falsch eingeordnet und in Wahrheit Savanne sei. Diese unterscheide sich von Wäldern durch einen durchgehend grasbedeckten Boden, der grasenden Säugern Nahrung bietet und leicht brennt.

Das Team um Bastin hatte aber lediglich berücksichtigt, welche Fläche des Bodens durch Baumkronen bedeckt ist. Gebiete, bei denen mindestens zehn Prozent der Fläche bedeckt waren, sahen sie als Wald an. Das entspricht der Walddefinition der FAO.

Besonders kritisch bewertet die Gruppe um Griffith, dass auch Standorte als "Wald" klassifiziert wurden, an denen die Baumbedeckung "vorübergehend unter zehn Prozent liegt, sich aber voraussichtlich erholt".

Sorge um Savannen

Diese und andere Formulierungen wecken bei den Wissenschaftlern die Befürchtung, dass aufgrund der falschen Einordnung als Wald versucht werden könnte, Savannen zu verändern: "Aufforstungs- und Brandbekämpfungsstrategien in Savannen riskieren die Zerstörung eines Reichtums an spezialisierter und endemischer Biodiversität der Savanne, der einzigartige ökologische Prozesse unterstützt."

Zudem könnten durch Eingriffe Ökosystemfunktionen wie Kohlenstoffkreislauf sowie Wasser- und Energieaustausch beeinträchtigt werden. Bastin und Kollegen zählten unter anderem die Savanne im südafrikanischen Kruger-Nationalpark als Waldgebiet.

In einer Antwort in derselben "Science"-Ausgabe rechtfertigen Bastin und Kollegen ihre Vorgehensweise. Ihre Datenbank sei so aufgebaut, dass mit verschiedenen Definitionen von Wald gearbeitet werden könnte. Ein geringer Baumbestand sei zudem nicht als Niedergang eines Waldes aufgefasst worden, den es zu beheben gelte.

Auch schlössen sich die Bezeichnungen als "Wald" oder "Savanne" nicht gegenseitig aus: "Viele der unter der FAO-Definition als Wald eingestuften Gebiete könnten auch präzise als tropische Savannen klassifiziert werden."

Die Gruppe um Bastin schreibt, sie fasse den Kommentar von Griffith und Kollegen auf "als eine ehrliche Meinungsverschiedenheit zwischen verschiedenen Gruppen von Wissenschaftlern darüber, welche Begriffe bei der Beschreibung von Landschaften in trockenen Teilen der Welt zu verwenden sind".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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