Rückgang von VerbrechenWas nur wenige über die Zeitumstellung wissen

Viel wurde in den vergangenen Jahren über die Vor- und Nachteile der Zeitumstellung diskutiert. Mittlerweile ist das Image ramponiert, eine große Mehrheit der Deutschen lehnt sie ab. Doch es gibt auch einige weniger bekannte Aspekte, die möglicherweise einen anderen Blick auf die Zeitumstellung bieten.
Postbeamter erfand Zeitumstellung
Die Zeitumstellung wird vor allem mit dem Ersten Weltkrieg und dem Fokus auf ihr vermeintliches Potenzial beim Energiesparen in Zusammenhang gebracht. Dabei war es der neuseeländische Postbeamte und Insektenforscher George Vernon Hudson, der im Jahr 1895 nach heutigem Wissen erstmals das Konzept von Winter- und Sommerzeit in einem Beitrag für eine wissenschaftliche Fachzeitschrift ins Spiel brachte. Sein Argument: Im Sommer konnte man nach der Arbeit noch länger das Tageslicht genießen, etwa für das Sammeln von Insekten, Hudsons Leidenschaft.
Insgesamt weniger Wildunfälle
Ein Forschungsteam veröffentlichte 2022 eine Studie, laut der eine ganzjährige Sommerzeit die Zahl der Wildunfälle deutlich reduzieren könnte. Sie hatten rund eine Million Wildunfälle in den USA ausgewertet. Dabei stellten sie fest, dass nach der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit im Herbst die Zahl der Unfälle mit Rehen um 16 Prozent stieg. Demnach traten Kollisionen zwei Stunden nach Sonnenuntergang sogar 14-mal häufiger auf als vor Sonnenuntergang. Die Forscher errechneten, dass eine ganzjährige Beibehaltung der Sommerzeit pro Jahr mehr als 36.000 Rehen das Leben retten könnte - und 33 Menschen.
Der ADAC hingegen warnt im Zuge der Umstellung von Winter- auf Sommerzeit vor einer zeitweisen Zunahme der Wildunfälle. Grund sei, dass in den Wochen nach der Zeitumstellung die morgendlichen Stoßzeiten im Berufsverkehr in die Zeit der Dämmerung fallen. Vor allem im April und Mai komme es daher zu vielen Unfällen.
Saisonale Anpassung ganz natürlich
Die Zeitumstellung verändert den Tag- und Nachtrhythmus der Menschen, denn mit der Sommerzeit muss man eine Stunde früher aufstehen. Doch laut einer Analyse aus dem Jahr 2019 hatten Menschen schon vor dem Industriezeitalter im Sommer und Winter einen unterschiedlichen Tagesrhythmus.
Das Forschungsteam hatte Aufzeichnungen des schwedischen Forschers Olof Hiorter aus den Jahren 1746 und 1747 ausgewertet. Hiorter hatte seine Schlaf- und Wachdaten akribisch notiert, wodurch deutlich wurde, dass er im Sommer dreieinhalb bis vier Stunden weniger im Bett verbrachte als im Winter. Die Autoren der Studie sahen dies als Hinweis darauf, dass die Schlaf- und Aufstehzeiten von Menschen bereits in vormodernen Zeiten saisonal schwankten.
Rückgang von Überfällen und Morden
Eine weitere Analyse aus den USA fand heraus, dass die Umstellung auf Sommerzeit (in den USA "Daylight Saving Time" genannt) erheblichen Einfluss auf die Kriminalität haben kann. Ein Forschungsteam ermittelte in einer Studie von 2015 anhand statistischer Daten einen Rückgang von Straftaten in den Tagen nach der Umstellung auf Sommerzeit.
In jener Abendstunde, die nun plötzlich Tageslicht hatte, ging die Zahl der Raubüberfälle um 27 Prozent zurück, so die Studie. Auf den Tag gerechnet betrug der Rückgang immer noch 7 Prozent. Dass der Effekt in dem knappen Zeitfenster so ausgeprägt ist, führen die Forscher darauf zurück, dass Dunkelheit bestimmte Arten von Verbrechen - wie Raubüberfälle - begünstigt.
Jugendliche weniger aufmerksam im Unterricht
Die inneren Uhren von Jugendlichen ticken anders als bei Erwachsenen, das ist bekannt. In der Pubertät verschiebt sich die innere Uhr nach hinten. Seit Längerem gibt es daher Überlegungen, inwiefern eine spätere Schulanfangszeit Teenagern helfen könnte, ausgeschlafener zu sein und sich besser konzentrieren zu können. Bisher gibt es aber nur Modellprojekte.
Die Sommerzeit verschärft die Situation für Jugendliche zusätzlich, wie eine US-Studie aus dem Jahr 2015 ermittelte. Laut der Untersuchung bekamen Jugendliche im Alter von im Schnitt 16,5 Jahren nach der Umstellung auf Sommerzeit eine halbe Stunde weniger Schlaf. Die Folgen waren während der Schulwoche eine Abnahme der Aufmerksamkeit und der geistigen Leistungsfähigkeit, fand das Forschungsteam heraus.
Norddeutschland sieht die Zeitumstellung weniger kritisch
Die Zeitumstellung ist in Deutschland generell wenig beliebt - eine große Mehrheit lehnt sie ab. Am wenigsten kritisch sind jedoch Menschen in Norddeutschland, wie eine Forsa-Umfrage im Herbst 2025 ergab. Demnach waren dort nur 69 Prozent der Menschen gegen den Wechsel von Winter- auf Sommerzeit, 30 Prozent hielten ihn für sinnvoll. Bundesweit lag die Ablehnung in dieser Umfrage bei 76 Prozent, am größten war die Opposition im Osten mit 82 Prozent.