Wissen

Handy-Nacken und SMS-Daumen Wenn Smartphones Schmerzen machen

newsimage259292.jpg

Das Verfahren simuliert naturgetreu, welche Muskeln und Gelenke besonders beansprucht werden.

(Foto: Oliver Dietze)

Es gibt kaum noch ein Ort, an dem Menschen nicht auf ihre Handys schauen. Die besondere Körperhaltung, die dabei eingenommen wird, kann nach gewisser Zeit zu schmerzhaften Verspannungen der Nackenmuskulatur führen. Forscher wollen das ändern.

Der Siegeszug von Smartphones und Tablets ist kaum noch aufzuhalten. Die Bedienung der Mini-Computer hat allerdings unerwünschte Auswirkungen auf den Körper. Muskelverspannungen im Nacken und Sehnenentzündungen im Daumen sind darum keine Seltenheit mehr. Um herauszufinden, wie Muskeln und Gelenke beim Umgang mit den modernen Geräten reagieren und in welchen Haltungen sie besonders belasten, haben Informatiker der Universität Saarland ein Verfahren entwickelt, das die Bewegungsabläufe realistisch simuliert.

Dafür werden Bewegungen von Probanden mit mehreren Kameras erfasst und auf ein Modell des menschlichen Körpers übertragen. "Wir kombinieren das sogenannte Motion-Capture-Verfahren mit einer biomechanischen Simulation", erläutert Myroslav Bachynskyi, Doktorand am Saarbrücker Exzellenzcluster und am Max-Planck-Institut für Informatik. Der Proband trägt dafür einen speziellen Anzug, der mit kleinen Markern versehen ist. Während bestimmte Bewegungsabläufe realisiert werden, emittieren die Marker Licht, das von speziellen Kameras aufgefangen wird. Das so entstehende Muster wird dann mit einer Software auf ein Modell des menschlichen Körpers übertragen.

Stärkste Belastung erkennbar

Das Simulationsprogramm berechnet anschließend verschiedene Parameter, darunter die Winkel, in denen die Gelenke stehen, die Kräfte, die auf die Gelenke wirken und Aktivierung und Erschöpfung der Muskeln. So können die Forscher genau erkennen, an welchem Punkt des Körpers die Belastung bei bestimmten Bewegungen am stärksten ist. Zudem können sie erkennen, wie schnell und wie Präzise der Nutzer sein Gerät bedienen kann. Die Daten geben Aufschluss über die tatsächliche körperliche Belastung.

Bei ihrer Untersuchung haben die Wissenschaftler auch das Nutzerverhalten bei einem an der Wand angebrachten Berührungsbildschirm untersucht und herausgefunden, dass Bewegungen von links nach rechts und von oben nach unten die Muskeln weniger beanspruchen als Vor-und-Zurück-Bewegungen. Zum Schreiben ist demnach eine virtuelle Tastatur am besten im unteren Bereich der Bildschirmmitte positioniert.

Gerätedesigner könnten sowohl die Ergebnisse als auch das Verfahren der Forscher nutzen, um IT-Produkte wie Smartphones oder Tablets so zu gestalten, dass sie auch nach langer Nutzung weder Nackenschmerzen noch SMS-Daumen verursachen. Darüber hinaus könnten die Studienergebnisse für Arbeitsmedizin und Industrie von Interesse sein, etwa um Arbeitsbedingungen in großen computergesteuerten Produktionsanlagen zu verbessern.

Die Forscher stellen ihr Projekt auf der Computermesse Cebit in Hannover (16. bis 20. März 2015) vor.

Quelle: n-tv.de, jaz

Mehr zum Thema