Politik
(Foto: REUTERS)
Freitag, 22. Juli 2011

Mehr Hilfsgelder für Ostafrika: Berlin will Hungersnot lindern

Die Lage in Ostafrika verschärft sich weiter. Einige Regionen erleben die schlimmste Dürre seit 20 Jahren, Millionen sind vom Hungertod bedroht. Angesichts der nahenden humanitäre Katastrophe will die Bundesregierung mehr Geld bereitstellen. Die Präsidentin der Welthungerhilfe kritisiert, dass die Kanzlerin schnelle Hilfe versäumt habe.

Die Bundesregierung prüft nach Angaben von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel die Aufstockung ihrer Hilfen für die hungernden Menschen in Ostafrika. "Die internationale Gemeinschaft setzt alles daran, diese Katastrophe noch abzuwenden", meinte der FDP-Politiker in der "Saarbrücker Zeitung". Die Bundesregierung prüfe daher derzeit, "welche weiteren Mittel wir bereitstellen können".

Die Regierung hatte vor wenigen Tagen ihre Soforthilfe auf 14 Millionen Euro erhöht. Niebel betonte, man stehe im engen Kontakt zum Welternährungsprogramm, das die Hilfeleistung koordiniere. Die Vereinten Nationen hätten vor einigen Tagen den Bedarf auf 1,6 Milliarden Dollar geschätzt. Da habe es schon Zusagen der internationalen Gemeinschaft für 880 Millionen Dollar gegeben. "Und natürlich bemühen sich nun alle, einschließlich der Bundesregierung, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen."

Tausende fliehen

Das Sterben in den von der Hungerkatastrophe betroffenen Gebieten geht unvermindert weiter. Im Bürgerkriegsland Somalia machten sich mittlerweile immer mehr verzweifelte Menschen aus dem von Rebellen kontrollierten Süden auf in die Hauptstadt Mogadischu.

Nur wenige Kilometer außerhalb der somalischen Metropole lägen Camps mit unzähligen Zelten und Notunterkünften, in denen die hungernden Menschen Zuflucht suchten, berichtete der britische Sender BBC. "Sie riskieren die gefährliche Reise, um Hilfe zu finden, aber für viele ist es schon zu spät", sagte ein Journalist vor Ort.

Ärzte hätten in den somalischen Lagern allein in den vergangenen neun Tagen über tausend schwer unterernährte Kinder behandelt. Mütter mit ihren vom Hunger gezeichneten Kindern stünden stundenlang Schlange, um eine Erstversorgung für ihre Babys zu bekommen.

Dieckmann greift Merkel an

Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, kritisierte die Zögerlichkeit der internationalen Gemeinschaft. Ost-Afrika stehe vor einer humanitären Katastrophe, erklärte sie den "Ruhr Nachrichten". "Es sind elf Millionen Menschen betroffen. Die Hilfe setzt wieder einmal erst ein, wenn es eigentlich schon fast zu spät ist."

Dieckmann kritisierte, dass die Hungersnot bei der Afrika-Reise von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vergangene Woche nur am Rande eine Rolle gespielt habe. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundeskanzlerin einen noch stärkeren Fokus auf die Hungerkrise am Horn von Afrika gelegt hätte", sagte die frühere SPD-Politikerin. "Stattdessen lag die Aufmerksamkeit auf dem Verkauf von militärischen Patrouillenbooten an Angola."

Merkel hatte Kenia bei ihrem Besuch in der vergangenen Woche eine Million Euro Direkthilfe für das weltgrößte Flüchtlingscamp Dadaab zugesagt.

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Quelle: n-tv.de

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