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Die Öfen brennen den ganzen Tag. Doch viele Flüchtlinge aus Syrien im Libanon haben nicht einmal einen. Gas und Öl zu Heizen sind knapp.
Die Öfen brennen den ganzen Tag. Doch viele Flüchtlinge aus Syrien im Libanon haben nicht einmal einen. Gas und Öl zu Heizen sind knapp.(Foto: AP)

"Zaina" vereist den Nahen Osten: Flüchtlinge sterben unter Frost und Schnee

Von Nora Schareika

Tagelang peitscht einer der heftigsten Winterstürme aller Zeiten auf den Nahen Osten ein. Hunderttausende syrische Flüchtlinge sitzen unter Schneemassen in den Bergen fest. Nach erster Bilanz erfrieren mindestens fünf Menschen.

Millionen syrische Flüchtlinge im Libanon, Jordanien und innerhalb Syriens befinden sich nach dem Wintersturm "Zaina" in einer dramatischen Lage. Während "Elon" und "Felix" vor allem den Norden Deutschlands trafen, fegten "Huda" und "Zaina" in kurzer Folge über den Nahen Osten hinweg. Im Libanon liegt mancherorts bis zu 1,50 Meter Schnee, auch in Syrien und Jordanien blieb er liegen.

Im Libanon sind besonders die höher gelegenen Camps in der Bekaa-Ebene, im Norden in Arsal und Akkar sowie im Süden in Schebaa nahe des Dreiländerecks mit Syrien und Israel betroffen. Dort fielen die Temperaturen am Freitag auf bis zu minus 10 Grad, in den höheren Lagen ist es auch jetzt kaum wärmer als null Grad.

Mindestens fünf Menschen sind in der vergangenen Woche erfroren. Die Zahl könnte noch steigen, da möglicherweise nicht alle Todesfälle registriert wurden, schrieb der "Daily Star" aus Beirut. Nabil Zantout von der libanesischen Vereinigung für Hilfs- und Entwicklungsorganisationen (URDA) sagte n-tv.de, es seien wohl rund zehn Tote zu beklagen, vor allem Kinder. Ein sechsjähriger Junge erfror in Schebaa. In einem Flüchtlingslager in der Bekaa-Ebene starb unter anderem ein zwei Monate alter Säugling. Die meisten Flüchtlinge haben nur einfache Zelte als Behausungen, teilweise auch nur improvisierte Dächer auf vier Pfosten.

Zelte brechen unter Schnee zusammen

Trotz großangelegter Winterisierungsaktionen der Hilfsorganisationen in den vergangenen zwei Monaten fehlt es tausenden an Decken und Heizöfen, geschlossenen Schuhen und warmen Jacken. Lokale Hilfsorganisationen versuchen Heizöl und Winterkleidung in die entlegenen Gebiete zu bringen. Dies ist schwierig, weil die Straßen aus der Hauptstadt Beirut hinauf in die Berge tagelang gesperrt oder schwer passierbar waren. "Es liegt so viel Schnee wie schon seit Jahren nicht mehr", sagte Nabil Zantout n-tv.de.

"Es liegt so viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr."
"Es liegt so viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr."(Foto: Nabil Zantout/URDA)

In Arsal im Nordosten des Libanon nahe der syrischen Grenze, schon vor dem Schneechaos einer der hoffnungslosesten Orte für syrische Flüchtlinge, wurden einige hundert Flüchtlinge vorübergehend in Moscheen untergebracht, nachdem ihre Zelte unter den Schneemassen zusammengebrochen waren. Nur noch lokale Hilfsorganisationen kümmern sich um die mehr als 4500 syrischen Familien in dem Ort, der von den UN-Organisationen aus Sicherheitsgründen verlassen wurde. Die Organisation IHR bezeichnete die Lage dort laut der libanesischen Zeitung "An-Nahar" als katastrophal.

Camp in Jordanien teilweise unter Wasser

Auch im jordanischen Flachland blieb der Schnee liegen wie hier im Zaatari-Camp.
Auch im jordanischen Flachland blieb der Schnee liegen wie hier im Zaatari-Camp.(Foto: LWF/Josef Pfattner)

Auch Jordanien ist von dem Schneesturm betroffen. Dort leben mehr als 620.000 syrische Flüchtlinge. Im größten Flüchtlingslager des Landes, dem Zaatari-Camp, sind viele Zelte wegen des starken Sturms einfach weggeweht worden. In Jordanien herrscht kein Frost, sodass die Lager wegen des schmelzenden Schnees teilweise unter Wasser stehen. Josef Pfattner, Leiter des Lutherischen Weltbundes in Jordanien, sagte n-tv.de: "Viele Zelte sind über Nacht eingeknickt. Die Flüchtlinge waren überrascht, dass Schnee so schwer sein kann."

Die Stimmung sei aber besser als im vergangenen Winter, als die Menschen noch sehr viel schlechter vorbereitet gewesen waren. Damals kam es teilweise zu Angriffen auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. "Es ist mir ein Rätsel, wie Kinder hier immer noch lachen können. Sie bauen Schneeschlösser und bleiben gelassen, obwohl sie jetzt zum Teil zu zwanzigst in einem Container leben müssen", sagte Josef Pfattner.

Eisregen in Gaza

Auch im Gaza-Streifen sind zwei Säuglinge an den Folgen des kalten Winterwetters gestorben, berichtet unter anderem AFP. Demnach starben ein zwei Monate altes Mädchen und ein einen Monat alter Junge in der südlich gelegenen Stadt Chan Junis an schweren Erkältungskrankheiten. Auch ein Mann soll erfroren sein, berichtet die Agentur Ma'an.

Eisige Regengüsse und Sturmböen machen vor allem denjenigen Bewohnern des isolierten Küstengebiets zu schaffen, deren Häuser im sieben Wochen währenden Krieg mit Israel im vergangenen Sommer Schäden erlitten haben. Am schlimmsten war die Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten betroffen. Hier lösten die Regenfälle Überschwemmungen aus.

Dieser Artikel wurde am 12.1.2015 aktualisiert.

Quelle: n-tv.de

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