Politik
Mittwochabend in Toledo: Trump-Anhänger freuen sich auf die TV-Debatte.
Mittwochabend in Toledo: Trump-Anhänger freuen sich auf die TV-Debatte.(Foto: Nick Brusky)
Donnerstag, 20. Oktober 2016

Unter Republikanern: Warum Trump-Fans ihren Helden lieben

Von Hubertus Volmer, Toledo (Ohio)

Wenn Republikaner sich treffen, um gemeinsam die dritte TV-Debatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton zu sehen, dann wird vor allem gelacht. Nebenbei erklärt man dem Gast aus Deutschland, warum Trump der Richtige ist.

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Eigentlich ist Lucas County fest in demokratischer Hand. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen haben hier durchgehend die Kandidaten der Demokraten gewonnen. Hier, das ist im Norden des Bundesstaates Ohio, im "rust belt", dem Rostgürtel der USA. Normalerweise haben Republikaner hier keine Chance.

Doch diese Wahl ist nicht normal. "Wenn wir bei den Wählern klopfen und fragen, wen sie wählen wollen, dann flüstern die Leute: Donald Trump", erzählt der Vorsitzende der örtlichen Republikaner, Jon Stainbrook, kichernd. "Sie flüstern, weil sie nicht wollen, dass ihre Nachbarn etwas mitbekommen." Schilder, um für Trump Werbung zu machen, wolle sich deshalb auch kaum einer in den Vorgarten stellen. Und trotzdem würden viele Arbeiter Trump wählen, die bisher nicht für die Republikaner gestimmt haben. "Sie interessieren sich für die Bibel, für Gewehre und für Jobs. Und sie lieben Amerika", sagt Stainbrook. "Deshalb wählen sie Trump."

Am Mittwochabend treffen sich ein paar Dutzend Republikaner in Toledo, dem Verwaltungssitz von Lucas County, um gemeinsam die dritte und letzte Präsidentschaftsdebatte zu sehen. Die Stimmung ist gelöst - wann immer Trump seine demokratische Mitbewerberin attackiert, lacht und applaudiert das Publikum. Wenn Hillary Clinton spricht, wird "Lügnerin" gerufen. Etwa, als sie sagt, sie unterstütze den zweiten Zusatzartikel zur US-Verfassung, der das Recht auf Waffenbesitz garantiert. "Sie weiß gar nicht, wie man die Wahrheit sagt", sagt ein Mann zu seinem Nachbarn.

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Es wäre ein großes Missverständnis, diese Leute für aggressive Clinton-Hasser oder gar für radikale Spinner zu halten. Ganz im Gegenteil, sie sind nett, witzig, aufgeschlossen. Sie haben unterschiedliche Motive, warum sie Trump unterstützen, aber einen Grund teilen sie alle. Sarah Clingaman, die als Freiwillige Wahlkampf für Trump macht, bringt es auf den Punkt: "Trump würde das Land wie ein Unternehmen führen."

"Hillary Clinton ist verrückt"

Stainbrook hatte ursprünglich einen anderen Kandidaten: John Kasich, den Gouverneur von Ohio, der Trump bis heute kritisiert, statt ihn zu unterstützen. "Ich liebe John Kasich", ruft Stainbrook, der wie fast alle hier deutsche Vorfahren hat. "Aber natürlich unterstütze ich unseren Präsidentschaftskandidaten." Das republikanische Establishment könne ruhig ein bisschen frischen Wind vertragen. Und es gebe nun einmal nur zwei Kandidaten. Besser als Clinton sei Trump allemal. Während die Debatte läuft, klopft er dem Besucher aus Deutschland zwei Mal auf die Schulter. "Hillary Clinton ist verrückt!", sagt er dazu auf Deutsch.

Sarah Clingaman unterstützt Trump, weil sie davon überzeugt ist, dass er Familienwerte vertritt, die sie teilt. Dass er zum dritten Mal verheiratet ist, lässt sie als Einwand nicht gelten. "Ich beurteile Leute danach, wie ihre Kinder sind. Und Donald Trumps Kinder sind gut erzogen und hängen an ihrem Vater. Er muss wohl etwas richtig gemacht haben."

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Im Fernsehen spricht Trump davon, dass der jüngste Arbeitsmarktbericht so schlecht gewesen sei, dass er die Wahl eigentlich spielend gewinnen müsse. Wie überall im "rust belt" ist die Abwanderung von Arbeitsplätzen auch in Toledo ein großes Thema. Es sind ja nicht nur die Jobs. Das Beste, das man über die Stadt sagen kann, ist, dass es einen sehr schönen Zoo geben soll. Ansonsten sieht Toledo aus, als habe es schon bessere Zeiten gesehen. "Früher war hier gegenüber ein Einkaufszentrum", sagt eine ältere Dame. "Da gab es immer einen wundervollen Weihnachtsbaum." Aber seit 15 Jahren schließe ein Geschäft nach dem anderen. Durch das von Bill Clinton unterzeichnete nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta seien viele Jobs in der Automobilindustrie nach Mexiko abgewandert, sagt Trump im Fernsehen.

"Donald Trump hat mir Normen vermittelt"

In Toledo sieht man das genauso. "Ich bin für Trump, weil er die Regierung aus der Sicht eines Unternehmers sieht", sagt auch Jeff Cline. "Clinton will die Steuern für die Unternehmen erhöhen", ergänzt Clingaman. "Aber die holen sich das Geld am Ende wieder - bei ihren Angestellten. Nichts ist umsonst."

Eine sehr viel persönlichere Geschichte hat John Kunz. Auf die Frage, warum er Trump unterstütze, erzählt er, dass er in Armut aufgewachsen sei. Einen Vater hatte er nicht, seine Mutter habe nie gearbeitet. Sie sei eine "welfare mother" gewesen, immer auf Sozialhilfe angewiesen. Genauso hätte es auch mit ihm weitergehen können. Doch als Jugendlicher habe er die Bücher von Donald Trump gelesen. "Ich habe alles gelesen, was der Mann geschrieben hat." Die Normen, die Trump darin vermittele, hätten ihm gut getan, sagt Kunz. "Ich sah ihn als Person, die alles machte, was er konnte, um das Beste für seine Familie und für sich zu erreichen."

Kunz erzählt eine Geschichte aus einem der Bücher von Trump. Anfang der 1990er Jahre musste der Geschäftsmann für drei Casinos Pleite anmelden und hatte Schulden in Milliardenhöhe. In dieser Zeit lief er in New York an einem Bettler vorbei, "und mir wurde klar, dass der 9,2 Milliarden Dollar mehr hatte als ich", schreibt Trump in dem Buch. Häufig wird diese Geschichte erzählt, um zu belegen, dass Trump gar kein so toller Unternehmer ist. John Kunz sieht das anders. "Er war ganz unten und hat sich wieder hochgearbeitet. Im Moment ist Amerika ganz unten und muss sich wieder nach oben arbeiten."

Glaubt er, dass sein eigenes Leben besser wird, wenn Trump Präsident ist? "Ich weiß nicht, ob mein Leben besser wäre", antwortet Kunz, "aber die Generationen nach uns, meine Kinder, die werden es besser haben." Auch er sieht den Staat als Unternehmen, das wieder auf Vordermann gebracht werden muss. Ist das der Grund, warum er Trump wählen will? "Nein, das ist der Bonus. Der Grund ist, dass er mir Normen vermittelt hat." Trump hat aus dem Sohn einer "welfare mother" einen Selbstständigen gemacht. Bis vor einer Woche hatte Kunz einen eigenen Betrieb, er reparierte Rasenmäher und ähnliches. Dann fuhr ihm ein Mann, der keine Haftpflichtversicherung hatte, in den Laden. Jetzt ist alles hin. John Kunz wird von vorne anfangen. Hilfe vom Staat erwartet er nicht.

Quelle: n-tv.de

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