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Plagiatsvorwürfe gegen die Bildungsministerin: Warum der Fall Schavan polarisiert

Wegen Plagiatsvorwürfen droht Bildungsministerin Schavan der Verlust ihres Doktortitels und damit auch das Ende ihrer politischen Karriere. In der Wissenschaft ist der Fall umstritten - vielleicht auch, weil etliche Einrichtungen auf Geld aus Schavans Ministerium angewiesen sind.

Ausgerechnet die Bildungsministerin: Annette Schavan steht unter Plagiatsverdacht. Der Fakultätsrat der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf beschloss am Dienstag, ein formelles Verfahren gegen sie zu führen, an dessen Ende der Entzug ihres Doktortitels stehen könnte. Trotzdem genießt die CDU-Politikerin noch immer gewaltigen Rückhalt in der Wissenschaftsgemeinde. Zumindest in Teilen davon. Der Fall polarisiert - womöglich auch, weil dabei viel Geld im Spiel ist.

Viel Ärger um 351 Seiten.
Viel Ärger um 351 Seiten.(Foto: picture alliance / dpa)

Zuletzt sprang ihr der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, zur Seite. Er bezeichnete es in der "Berliner Morgenpost" als zwingend, "dass ein zweites, unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben wird". Ein deutlicher Angriff auf die Uni Düsseldorf. Die Einrichtung zeichnet für das Gutachten, das letztlich zu dem Verfahren führte, verantwortlich.

Zuvor hatten schon der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, die Arbeit der Uni Düsseldorf im Fall Schavan kritisiert. Auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner und der Chef der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek schlossen sich an. Damit steht eine ganze Reihe von großen Forschungsakteuren in Deutschland hinter Schavan.

Politisch erwünschte Ergebenisse

Die Hauptargumente der Institutionen: Bisher hat nur ein Mitarbeiter der Uni Düsseldorf die Arbeit Schavans mit dem Titel "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980 intensiv geprüft: Stefan Rohrbacher. Der sitzt sowohl im Promotionsausschuss als auch im Fakultätsrat, also in beiden Gremien, die den Fall bewerten. Rohrbacher ist Professor für Jüdische Studien. Schavans Doktorarbeit ist aber in weiten Teilen erziehungswissenschaftlicher Natur.

Trotz dieser zunächst einmal plausibel erscheinenden Einwände hat die Kritik der großen Forschungseinrichtungen und die vehemente Unterstützung Schavans einen Beigeschmack. Denn die Unterstützer der Ministerin sind finanziell vom guten Willen ihres Hauses abhängig. Es geht um gewaltige Summen. Der Bundeshaushalt 2013 sieht Ausgaben für die Bildung in Höhe von 13,7 Milliarden Euro vor.

Und so sagte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, hochrangige Vertreter der Wissenschaft hätten hier "im Wege der Ferndiagnose" versucht, "ein politisch gewünschtes Ergebnis herbeizureden". Er forderte alle Beteiligten auf, den Fakultätsrat seine Arbeit machen zu lassen, statt die Hochschule Düsseldorf weiter unter Druck zu setzen.

Zudem hat die Heinrich-Heine-Universität nach der ersten Welle der Kritik einen externen Gutachter zu Rate gezogen, um das eigene Vorgehen im Fall Schavan zu bewerten. Das Ergebnis: "Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass rechtlich relevante Verfahrensfehler nicht festzustellen sind", so Ferdinand Gärditz in seinem Gutachten. Die Fakultät hat laut dem Juraprofessor von der Uni Bonn die nach geltendem Recht erforderlichen Prüfungen ordnungsgemäß vorgenommen.

Ruf schon jetzt beschädigt

Plagiat oder nicht, politische Einflussnahme auf die Wissenschaft oder nicht - eines gilt schon jetzt als sicher: Allein die Einleitung des formellen Verfahrens gegen Schavan schadet dem Ruf der Ministerin. Schavan müsse zurücktreten, "bevor es zu einem Titelentzug und somit zu einer Blamage für die deutsche Wissenschaft kommen könnte", sagte die Vorsitzende der Liberalen Hochschulgruppen (LHG), Josephine Dietzsch. Der LHG ist ein der FDP nahestehender Studentenverband.

Aus der Politik erklangen bisher keine deutlichen Rücktrittsforderungen. Schavan wies alle Vorwürfe gegen sie bisher vehement zurück. Sie habe sich in den acht Monaten seit Bekanntwerden der Vorwürfe intensiv mit dem Text ihrer Dissertation befasst und mit zahlreichen Fachwissenschaftlern gesprochen, erklärte Schavan zuletzt. Wie unangenehm: Die 57-Jährige muss eine Arbeit verteidigen, die sie im zarten Alter von 25 Jahren beendet hat.

Ihre Recherchen in eigener Sache haben Schavan in ihrer Überzeugung bestärkt, "dass meine Dissertation kein Plagiat ist". Sie forderte, bei der Prüfung ihrer Arbeit Experten von außerhalb der Hochschule heranzuziehen. An ihrer Kandidatur für den Bundestag hält sie fest. Ihr Kreisverband will sie am kommenden Freitag als CDU-Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Ulm/Alb-Donau nominieren. Sollte ihr die Uni Düsseldorf allerdings den Doktortitel aberkennen, dürfte sie sich kaum im Amt halten können.

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Quelle: n-tv.de

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