Wirtschaft
(Foto: dapd)

Verlieren Kunden 50 Prozent?: Bank of Cyprus rechnet

Die Bank of Cyprus wird von ihren Kundengeldern wohl noch mehr einbehalten, als bisher bekannt. Medienberichten zufolge können sich die Kunden offenbar von der Hälfte ihrer Gesamteinlagen verabschieden. Bundesbankpräsident Weidmann befürchtet, dass der Geldbedarf Zyperns größer ist als angenommen.

Schlechte Nachrichten für die Kunden der schwer angeschlagenen Bank of Cyprus. Ihnen steht wohl der Verlust von mehr als der Hälfte ihrer Einlagen über 100.000 Euro bevor. Wie der staatliche Rundfunk Zyperns berichtete, berechnen zurzeit Experten der Zentralbank des Landes und der Bank of Cyprus die genaue Höhe der Zwangsabgabe.

Dabei geht es neben den ohnehin einbehaltenen 37,5 Prozent der Guthaben um weitere 21,5 Prozent, die als "Sicherheitspolster" blockiert wurden. Quellen aus der Zentralbank sagten dem Sender zufolge, dass die Kunden wohl mehr als die Hälfte dieser 21,5 Prozent abschreiben müssten. Unterm Strich bedeute das den Verlust von mehr als der Hälfte ihrer Gesamteinlagen.

Die genaue Höhe der Abgabe hänge von der Verrechnung der Guthaben mit eventuellen Krediten und von den Ausnahmen bei der Berechnung der Zwangsabgabe ab, berichtete die Athener Nachrichtenagentur AMNA. Unter anderem sollen laut Medienberichten die Sozialkassen und die Kommunen geschont werden, um weitere Löcher im Haushalt zu vermeiden.

Braucht Zypern noch mehr Geld?

Bundesbankpräsident Jens Weidmann schließt derweil nicht aus, dass der angeschlagene Euro-Staat zusätzliche Hilfe benötigen könnte. Zwar habe sich die Lage auf der Insel in den vergangenen Tagen stabilisiert, sagte Weidmann im Deutschlandfunk. "Ich würde trotzdem nicht ausschließen, dass der Liquiditätsbedarf in Zypern steigt." Weiteres Geld werde die Probleme in Zypern jedoch nicht lösen, denn diese seien strukturell. Die Lehre aus der Zypern-Krise sei, dass Banken auch abgewickelt werden könnten.

Zypern sei zwar keine "Blaupause" für andere Länder, weil die Finanzbranche außergewöhnlich groß sei, sagte Weidmann. Zudem unterscheide sich die Finanzierungsstruktur des Bankensektors von der in anderen Ländern. Grundsätzlich befürworte er jedoch die Idee, ein "Abwicklungsregime" für Banken im Euro-Raum zu schaffen: "Es geht darum, dass wir Banken, die in Schieflage geraten sind, nicht immer mit dem Geld der Steuerzahler retten müssen, sondern dass die Banken auch verursachergerecht abgewickelt werden können, ohne eine Gefahr für das Finanzsystem darzustellen".

Dabei stellte der Bundesbankpräsident eine Reihenfolge für die Haftung auf. Zunächst müssten die Eigentümer der Banken in die Pflicht genommen werden, dann die Fremdkapitalgeber. Die Einleger kämen am Ende der Haftungskette, sagte Weidmann. "Und möglichst nicht der Steuerzahler, sei es der nationale oder der europäische." Er verstehe sehr gut, dass die Bankkunden nach den Diskussionen über die Rettung von Zypern unsicher geworden seien. "Dieser Unsicherheit gilt es jetzt entgegenzutreten, indem wir zeigen, dass durch die verschiedenen Regeln, die jetzt aufgestellt werden, solche Schieflagen weniger wahrscheinlich geworden sind."

Weidmann rechnet nach eigenen Worten damit, dass die Bewältigung der Schuldenkrise noch Jahre dauert. Das Wiedererlangen der Wettbewerbsfähigkeit und die Konsolidierung der Staatsfinanzen seien weitreichende Herausforderungen.

Quelle: n-tv.de

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