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Weltbekannter Skandalkünstler Hermann Nitschs mystische Malerei

Sein Malwerkzeug sind seine Hände.

Sein Malwerkzeug sind seine Hände.

(Foto: Geuer & Geuer)

Er ist als provokanter Skandalkünstler weltweit bekannt. Der österreichische Maler und Aktionist Hermann Nitsch hat seit den 1960er-Jahren mit seiner Arbeit die Grenzen des klassischen Kunstbegriffs gesprengt und radikal erweitert. Seitdem ist Nitsch Teil der Kunstgeschichte und hat mit seinem Werk auch die Opern- und Theaterlandschaft entscheidend geprägt. Diesen Sommer wird er bei den Bayreuther Festspielen die "Walküre" gestalten.

Aktionist, Schriftsteller, Maler, Grafiker, Komponist und Bühnenbildner - Hermann Nitsch zählt zu den vielseitigsten zeitgenössischen Künstlern. Dabei vermischt er in seiner Arbeit Sakrales mit Sinnlichem, das Triebhafte mit dem Metaphysischen. Der Ausnahmekünstler versteht sein Schaffen als erlösende Katharsis. In seinen Aktionen und Bildern vermengt er Philosophie, antike Mythen, christliche Traditionen und mittelalterliche Sagen zu dionysischen Gesamtkunstwerken im Sinne Friedrich Nietzsches. Der ungezügelte Exzess und die Ekstase stehen dabei immer in direkter Verbindung zu Leid und Tabu.

Hermann Nitsch gehört zu den bedeutendsten Vertretern des Wiener Aktionismus. Er erregt mit seinem allumfassenden Ansatz, bei dem er Text, Musik, Malerei und Performance gesamthaft verknüpft, weltweite Aufmerksamkeit und wird doch bis ins hohe Alter kontrovers diskutiert. Heute hängt die Kunst des zweifachen Documenta-Teilnehmers in den großen Museen der Welt, unter anderem im Museum of Modern Art New York, im Centre Pompidou in Paris und im Tate Modern in London.

Hermann Nitsch vor seinen Schüttbildern

Hermann Nitsch vor seinen "Schüttbildern"

(Foto: Geuer & Geuer)

Geboren wird Hermann Nitsch 1938 in Wien, die Erlebnisse der Kriegsjahre und die Nachkriegszeit in der österreichischen Hauptstadt prägen ihn entscheidend. Der Vater stirbt im Krieg, Nitsch wird von seiner Mutter allein großgezogen. Zunächst besucht er die Grafische Lehr- und Versuchsanstalt und schließt das Studium mit einem Diplom ab. Mitte der 1950er-Jahre übernimmt er eine Stelle als Gebrauchsgrafiker am Technischen Museum Wiens. Doch im Privaten beginnt er seine eigenen künstlerischen Interessen zu verfolgen, schon zu dieser Zeit hat er ein besonderes Interesse für religiöse Ikonographie. Er orientiert sich am Expressionismus, den er mit religiösen Figurenszenen verbindet. In den 1960er-Jahren kehrt er nach einem Ausflug in die Literatur und Theorie zur Malerei zurück. Er malt im Stil des Informel und beginnt erste Malaktionen, in denen bereits die Wurzeln des Orgien-Mysterien-Theaters erkennbar sind. Er gehört ebenso wie Otto Muehl, Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler zu den Begründern des Wiener Aktionismus. Unter Einsatz von Blut, Fleisch und Fäkalien entstehen performative, kontroverse Aktionen, die zu mehrwöchigen Gefängnisaufenthalten führen.

Das von ihm damals als Gesamtkunstwerk konzipierte Orgien-Mysterien-Theater feiert dennoch große Erfolge. Nitsch führt in den 1960er- und 1970er-Jahren viele Aktionen in den USA und Europa durch. Bereits 1971 kann er das niederösterreichische Schloss Prinzendorf erwerben, ironischerweise aus dem Besitz der katholischen Kirche. Das Schloss nutzt er als Stammsitz und Bühne für groß angelegte Aktionen. Nitsch entwickelt einen eigenen Kosmos aus Ritualen, Liturgien, Bildern und Musik, für seine Aktionen verwendet er Lärmorchester, Schreichöre und elektronisch verstärkte Instrumente.

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Hermann Nitsch begreift das Leben als Passion im christlichen Sinne, der Malprozess selbst ist für ihn die komprimierteste Form des kreativen Leidens. In den 1980er-Jahren kann er in Prinzendorf zum ersten Mal sein "Drei Tage Spiel" umsetzen, in einer großen Einzelausstellung in der Wiener Secession präsentiert er einen Zyklus seiner Schütt- und Altarbilder. In diesen manifestiert er das Un- und Unterbewusste durch die Spontanität der Malaktion, in der Nitsch Farbe über die Leinwände schüttet und diese im Anschluss mit seinen Händen bearbeitet. Mit Farbe besudelte Malerhemden, die im unmittelbaren Zusammenhang mit diesen Schüttbildern stehen, können dabei als quasi-sakrale Artefakte gesehen werden. Dabei steht insbesondere die Farbe Rot immer wieder im Mittelpunkt seiner Malerei. Als Äquivalent für Fleisch und Blut hat sie einen existentiellen Charakter in Nitschs Werk, da sie sowohl auf die Passion Christi anspielt als auch auf die Tatsache, dass menschliches Leben ohne Fleisch und Blut nicht möglich wäre. Sie sind die Grundlage unserer Existenz und damit auch die Essenz in Nitschs Malerei, ausgedrückt durch rote, rohe Farbe. Nitsch selbst spricht von einer "Fleischlichkeit der Farbe".

Spätestens in den 1990er-Jahren ist er ein Fixstern im Kanon der internationalen zeitgenössischen Kunst, ihm werden Ausstellungen auf der ganzen Welt gewidmet, die häufig von Aktionen des Künstlers begleitet werden. Neben der Kunstwelt hat er auch einen starken Einfluss auf die Opern- und Theaterlandschaft. Als Bühnenbildner und Opernregisseur realisiert er Projekte in der Wiener Staatsoper, im Wiener Burgtheater und an Opernhäusern in Zürich und München. Künstler*innen wie Marina Abramovic oder der Regisseur Christoph Schlingensief wurden gleichermaßen von ihm beeinflusst. Viele Auszeichnungen ehren Hermann Nitsch, zwei Museen sind allein seiner Kunst gewidmet.

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Zusätzlich zu verschiedenen Gastprofessuren war Nitsch von 1989 bis zu seiner Emeritierung Professor für interdisziplinäre Kunst an der renommierten Städelschule in Frankfurt. Neben der Malerei bleibt aber das Orgien-Mysterien-Theater der zentrale Werkkomplex des Künstlers. Alljährlich macht er Schloss Prinzendorf anlässlich des mehrtägigen Festspiels für die Öffentlichkeit zugänglich, sein Orgien-Mysterien-Theater könnte dabei als Antithese zu den Wagner-Festspielen von Bayreuth gesehen werden. Wo Nitsch das Dionysische heraufbeschwört, verkörpert Wagner das Apollinische im Sinne Friedrich Nietzsches. Vielleicht schafft es Hermann Nitsch, der nie in Kategorien denkt und schon immer Grenzen gesprengt hat, dieses bipolare Begriffspaar nun zu versöhnen. Für den Sommer 2021 wurde er von den Bayreuther Festspiele engagiert, die "Walküre" neu zu gestalten. Im Zentrum der Inszenierung soll eine Malaktion stehen, erfahrene Nitsch-Akteure und Statisten werden unter seiner Leitung die Ausführenden für Malerei, Aktionen und Prozessionen sein, während Gesangssolisten wie bei einem Oratorium am Rand der Bühne platziert sind. Zwei Meister des Gesamtkunstwerks treffen sich auf Augenhöhe. Wer keine Karten für den Grünen Hügel ergattern konnte, hat diesen Sommer dennoch die Chance, Arbeiten von Hermann Nitsch zu erfahren. Unter dem Titel "Hermann Nitsch. Farbe als Material" ist auf Burg Vischering in Lüdinghausen noch bis zum Herbst eine beeindruckende Auswahl seiner "Schüttbilder" zu sehen.

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Die Dokumentation "Hermann Nitsch - Orgien, Mysterien und Malerei" mit Wolfram Kons ist jederzeit bei TVNOW abrufbar.

ntv art präsentiert in Kooperation mit Geuer & Geuer Art jeden Monat bedeutende Künstler der internationalen Kunstszene.

Quelle: ntv.de

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